Seit vergangenem Mittwoch gibt es nur noch einen Altstorch, der den Nachwuchs auf dem Horst im Garten von Familie Gallasch betreut. Sein Partner wurde beim Unfall mit einem Auto so schwer verletzt, dass ein Polizist ihn erlösen und mit seiner Dienstwaffe erschießen musste. Der Unfall hat sich auf der B168, kurz vor der A12-Auffahrt Fürstenwalde, ereignet, sagt Lutz Ittermann, der Artenschutzbeauftragte des Landkreises.
Ittermann informierte den Storchenbeauftragten Holger Westenberger. Beide entschieden, dass es am meisten Sinn macht, wenn in die Nähe des Horstes ein Bassin mit lebenden Fischen gestellt wird, aus dem sich das Elterntier bedienen kann. Gallaschs stellten eine Wanne auf. Dietmar Aurich, Vorsitzender des Angelsportvereins "Die Berkenbrücker", startete einen Aufruf an die Mitglieder. "Ihr könnt helfen, indem ihr lebende Kleinfische bis 15 cm bei den Familien Gallasch oder Wruck, Dorfstraße 25/26, oder bei Familie Aurich, Dorfstraße 35, abgebt", ist darin zu lesen. Die Beifütterung müsse wohl bis Ende Juli erfolgen.
Storch fischt in Badewanne
Am Sonntag gab es dann sogar zwei Wannen unter dem Horst, in denen sich Fische tummelten. "Der Storch stand drin und hat sie rausgeangelt", sagt Markus Gallasch. "Die Angler helfen uns so gut sie können. Wir hoffen, dass sie uns jeden Tag kleine Fische zur Verfügung stellen können", sagt der 38-Jährige. Am Montagnachmittag war die Wanne allerdings leer; der Altstorch seit Stunden auf Futtersuche. Zaghaft reckte das Küken sein flaumiges Köpfchen in die Höhe. Das schafft es erst seit wenigen Tagen, ergänzt Markus Gallasch.
Woher wusste Ittermann, dass es sich bei dem verunglückten Tier um den Berkenbrücker Storch handelt? "Während der Brutzeit entfernen sich die Tiere nicht weiter als drei Kilometer vom Horst", erklärt der Artenschutzbeauftragte. Sein Verdacht sei gleich auf Berkenbrück gefallen. Die Rückfrage bei Familie Gallasch ergab, "dass es dort tatsächlich keine Brutablöse mehr gab." Am Freitag nahm Ittermann Kontakt mit der Feuerwehr auf, um herauszufinden, ob noch ein lebendes Küken im Nest sitzt. Da der Landkreis in Berkenbrück eine kleine Drohne stationiert hat, gab es schnell Gewissheit: "Erst war auf Wärmebild-Aufnahmen ein warmer Punkt zu sehen, dann zeigten Bewegtbilder Altstorch und Junges."
Zweite Hilfsaktion unterm Horst
Nun ist er guter Hoffnung, dass das Junge durchs Zufüttern überlebt. Das habe schon öfter geklappt, zuletzt 2019 in Behlendorf. Vor rund 30 Jahren habe es sogar am Horst von Familie Gallasch eine ähnliche Aktion gegeben. "Da saßen vier oder fünf Junge drauf, die Altvögel haben sie nicht alle satt bekommen, darum wurde eine Wanne mit Fischen gestellt." Veronika Gallasch, die Mutter von Markus Gallasch, kann sich daran erinnern. Seit etwa 40 Jahren steht der Horst in ihrem Garten. "Mein Mann hat ihn aufgestellt, an der Stelle, an der früher der alte Backofen war."
In diesem Jahr landeten die Störche am 14. April. Zwei Küken schlüpften. Als Gallaschs merkten, dass der Altstorch unruhig umherspazierte, wurde sofort die feuchte Wiese gemäht. "Da ist er auch gleich hinterher gegangen", sagt Markus Gallasch. Doch das reichte nicht. Freitag saß nur noch ein Junges im Horst, das andere lag tot darunter.
Ittermann freut, dass die Berkenbrücker helfen, das zweite Kühen zu retten. Ihm ist es aber auch wichtig, auf die Ursache von Storchenunfällen hinzuweisen. "Die Tiere werden auf landwirtschaftlich genutzten Flächen nicht satt", weiß er. Die Bewirtschaftung sei stark vereinheitlicht. Aber lediglich drei Tage nach Mahd oder Umbruch würden die Störche Mäuse und anderes Getier finden. So sei es nicht verwunderlich, dass sie an Straßenrändern jagen, wenn dort gemäht wird. Starten sie dann in die falsche Richtung, drohe der Unfall.