Historisches
: Ärger um Fische im Trebuser See

Geschichten aus der Fürstenwalder Tagespresse von 1919: Stadtverordnete empört über Pächter
Von
Henriette Brendler
Fürstenwalde
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Symbolbild

dpa/Stefan Sauer

Wer in den 100 Jahre alten April–Ausgaben der Fürstenwalder Zeitung blättert, dem fällt schnell auf: Die Menschen sehnten den Frühling herbei. Da kam am 12. April 1919 die folgende Nachricht in der Lokalzeitung sicher genau zur rechten Zeit: „Bei Beginn der schönen Jahreszeit wird die Unterkunftshalle auf den Rauener Bergen wieder eröffnet werden. Die Bewirtschaftung ist dem bisherigen Pächter, Herrn Gastwirt Räcke aus Rauen, von neuem für mehrere Jahre übertragen worden.“

Laut Zeitung wollte sich der Gastwirt fortan „in erweitertem Maße“ um die Bewirtschaftung des Etablissements kümmern. Seine eigene Gastwirtschaft hatte er dazu sogar verkauft. Bevor Einheimische und Gäste allerdings die warme Jahreszeit in der Natur genießen konnten, mussten noch einige Instandhaltungsarbeiten durchgeführt werden.

Über ein schwieriges Thema diskutierte auch die Stadtverordnetenversammlung. In ihrer April–Sitzung stellte Herr Schröter einen Antrag zur Ausfischung des Trebuser Sees. Was es damit auf sich hatte, ist in der Fürstenwalder Zeitung vom 11. April 1919 nachzulesen: „Dieser teilte mit, daß der Berliner Pächter den See seit sechs Jahren nicht habe ausfischen lassen. Obwohl das damals von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen worden sei, habe der Pächter die Stadt hingehalten. Nach fachmännischem Urteil könnten aus dem See bis zu 100 Zentner Fische gewonnen werden.“

Einig waren sich die Herren, dass der See noch vor Ostern ausgefischt werden müsse, „um die Ernährung zu bereichern“. Entweder sollte der Berliner Pächter gezwungen werden, seiner Pflicht nachzukommen oder die Stadt „müsse den See ohne Rücksicht auf die Paragraphen des Vertrages selbst auszufischen“. Am Ende stimmten die Mitglieder für den Antrag des Stadtverordneten Reitter. Demnach sollte dem Pächter mitgeteilt werden, dass er „im Laufe der nächsten Woche Fische aus dem See auf den Fürstenwalder Markt zu bringen“ habe. „Falls er das nicht tue, solle die Stadt den See durch bestellte Fischer ohne Rücksicht auf den Vertrag ausfischen, die Fische in Fürstenwalde verkaufen und den Ertrag dem Pächter zustellen lassen“, schreibt die Zeitung abschließend in dem Artikel.