Wenn vier Jungs im Alter zwischen acht und elf Jahren durch die alten Gemäuer der Kirchenruine in Mallnow klettern und sich auf dem Abenteuerspielplatz so richtig austoben, scheinen Gedanken an den Tod weit entfernt. Doch die vier sind dort, um genau darüber zu sprechen, denn sie alle haben einen Elternteil verloren.
Der Ausflug nach Mallnow ist Teil des Trauerstammtisches für Jungs des Ambulanten Kinderhospizdienstes Nora der Johanniter-Unfall-Hilfe. „Dort gibt es viele Möglichkeiten für die Kinder, ins Gespräch zu kommen, aber auch, um sich richtig auszupowern“, sagt Eileen Samol, die den Kinderhospizdienst koordiniert. Oft sei das Thema in den Familien im Alttag nicht mehr so präsent. Die Kinder genießen es, darüber sprechen zu können, auch weil sie wissen, dass es den anderen genauso geht wie ihnen, sagt Samol.

Hospizdienst betreut 13 Familien mit schwer kranken Kindern

„Oft werden wir zu spät gerufen“, berichtet Eileen Samol. „Im Moment ist es viel Trauerarbeit, die ansteht.“ Der Kinderhospizdienst betreut Familien im Landkreis Oder-Spree und in Frankfurt (Oder). Samol und ihre 15 ehrenamtlichen Kollegen fahren zu ihnen raus, unterstützen, wo sie können.
„Kinderhospizarbeit heißt nicht nur Erkrankte zu begleiten, sondern beinhaltet auch Trauerbewältigung“, sagt Samol. Sie und ihr Team begleiten Eltern über viele Jahre. „Wir sind für die ganze Familie da“. Man wachse zusammen. Viele Familien würden schon seit dem Start des Dienstes im Jahr 2016 betreut. Damals nahm der Ambulante Kinderhospizdienst Nora seine Arbeit auf. Derzeit betreut er 13 Familien mit einem schwerkranken Kind sowie vier Familien, in denen ein Elternteil verstorben ist, berichtet Samol.

Arikon Bau AG übernimmt Unternehmenspatenschaft

Damit der Dienst Trauerstammtische, Ausflüge und die Besuche in den Familien organisieren kann, ist er auf Spenden angewiesen. Auch die Ausbildung der ehrenamtlichen Hospizarbeiter wird über Spendengelder finanziert. Einer der Unterstützer, die Arikon Bau AG, hat nun ihr Engagement, das vor zwei Jahren bei einer Weihnachtsfeier des Kinderhospizdienstes begann, verstetigt und eine Unternehmenspatenschaft übernommen. „Die Unterstützung kommt an den richtigen Stellen an“, freute sich Uwe Kleiner, Regionalvorstand der Johanniter-Unfall-Hilfe. Neben Ausstattungs- und Mietkosten könnten auch Geschenke für die Kinder damit finanziert werden. „Damit ist ganz viel möglich, das sie mit Ihrer sehr hohen Summe unterstützen“, betonte Kleiner. Dirk Rommel, Geschäftsführer der Arikon Bau AG, die unter anderem auf der Tesla-Baustelle in Grünheide tätig ist, bedankte sich für die Arbeit, die der Hospizdienst macht: „Es ist ein tolles Programm.“

Körperkontakt ist wichtiger Bestandteil der Hospizarbeit

Während der Corona-Zeit war für die Helfer nur eingeschränkter Kontakt zu den Familien möglich. Vieles sei telefonisch abgelaufen. Zu Ostern packten die Hospizarbeiter kleine Geschenkpakete. „Damit die Kinder etwas haben, worüber sie sich freuen können“, sagt Samol. In den Monaten der Einschränkungen sei ihr klargeworden, wie wichtig Körperkontakt für ihre Arbeit ist. „Die Kinder brauchen jemanden, der sie in den Arm nimmt“, sagt sie. Jetzt dürften sie auch wieder vereinzelt in die Familien gehen – jedoch unter Hygienebedingungen.
Samol arbeitet seit 17 Jahren in der Hospizarbeit. Nach ihrer Ausbildung zur Krankenschwester habe sie überlegt, in welche Richtung es gehen sollte – „mit Zeit, Spucke und Liebe“ wollte sie ihre Arbeit machen Also fing sie im Hospizbereich an, begleitete kranke Menschen und deren Angehörige. Nach Stationen in Frankfurt (Oder) und Köln kam sie schließlich nach Eisenhüttenstadt, wo sie im Erwachsenenhospiz arbeitete. Als sie 2015 gefragt wurde, ob sie den Hospizdienst aufbauen wolle, sagte sie zu. „Nach der Ausbildung der Ehrenamtlichen ging es dann los“, berichtet Samol.