Und dann hat der 31-jährige Fürstenwalder den Goldenen Scheckenfalter vor einigen Tagen wieder entdeckt. In der Nähe von Klein Wall, auf dem Gebiet der Gemeinde Grünheide. Konkreter will der Insekten-Forscher nicht werden. Denn die Raupen des Schmetterlings brauchen den Teufelsabbiss als Nahrungspflanze – und der ist selten geworden. Christian Köckeritz möchte nicht, dass jemand ihn aus Versehen zertritt.
Schon seit mehr als 20 Jahren interessiert er sich für Insekten. Etliche hat er gefangen, fotografiert und katalogisiert.  "Von einigen muss man sogar Genitalpräparate anfertigen, um sie zu unterscheiden", sagt der Hobby-Forscher. Seine Erkenntnisse stellt er dem Landesamt für Umwelt zur Verfügung. "Das ist ein Beitrag zum Naturschutz. Man kann nur das schützen, was man kennt."
Und so lässt sich auch sein Buch als Beitrag zum Naturschutz verstehen. Das Untersuchungsgebiet umfasst Fürstenwalde und Umgebung. Von den 116 Tagfaltern, die in den zurückliegenden 120 Jahren in Brandenburg nachgewiesen wurden, kommen 92 dort vor, hat Köckeritz festgestellt. "Das ist eine ganz stattliche Anzahl", findet er. 13 dieser Arten gelten allerdings als gefährdet, 16 als stark gefährdet, 8 als vom Aussterben bedroht und 7 als "erloschen".
Köckeritz zeichnet die mehr als 250-jährige Geschichte der märkischen Schmetterlingsforschung nach, beschreibt den Naturraum und stellt die Familien der Dickkopffalter, Ritterfalter, Weißlinge, Bläulinge sowie Edelfalter mit Unterformen und Futterpflanzen vor. Viele Fotos lassen die Welt der Falter lebendig werden. "Alle jemals veröffentlichen Funde sind bei mir berücksichtigt", betont Köckeritz. Wie viele er davon selbst schon gesehen hat, wisse er nicht.
Statistiken geben darüber Auskunft, auf welchen Messtischblättern (Herzfelde, Beerfelde, Heinersdorf, Spreenhagen, Fürstenwalde, Briesen, Storkow, Bad Saarow, Groß Rietz) wie viele Arten einer Familie seit 1950 nachgewiesen werden konnten. Ein Ergebnis: In Heinersdorf, Briesen und Beerfelde sind die Vorkommen recht konstant, sonst sind sie seit 1990 teilweise stark rückläufig. "Wo der Bestand konstant ist, sind die Flächen meist schon sehr lange landwirtschaftlich genutzt", ordnet Köckeritz ein.
Er wünscht sich, dass die Menschen Gärten, Straßenböschungen und Wiesen nicht zu akkurat pflegen, sondern "einfach mal was wachsen lassen". Er selbst hegt im Garten seiner Eltern verschiedene Grünpflanzen, die den Raupen seiner Schmetterlingszucht als Nahrung dienen.
"Tagfalter in und um Fürstenwalde" ist erschienen in der Reihe "Fürstenwalder Heimatgeschichten". Herausgeber ist das Museum Fürstenwalde. Dort wird das Buch für 15 Euro vekauft.

Zur Person

Christian Köckeritz wuchs in Fürstenwalde Nord auf, spielte oft in den Pflaumenbergen, sammelte dort Vogelfedern und machte sich schon als Kind Notizen über Schmetterlinge.

Am Geschwister-Scholl-Gymnasium machte er Abitur und studierte dann in Leipzig Kunstgeschichte. Während des Studiums begann er 2011 als Praktikant im Fürstenwalder Museum.

Mit dem Abschluss in der Tasche wurde er Mitarbeiter im Brauereimuseum, danach wirkte er zwei Jahre im Parkclub der Kulturfabrik mit. Seit Anfang 2018 leitet er den Bereich Stadt- und Regionalgeschichte, Ausstellungen und Kunst der Kulturfabrik. Der 31-Jährige ist nicht verheiratet und hat keine Kinder.