Die Bilder aus dem Katastrophengebiet in der Türkei und Syrien haben für eine Gruppe von Menschen in Fürstenwalde eine besondere Relevanz: Sie fühlen sich der Region verbunden, weil sie selbst aus Syrien stammen.
Eine Lehrerin in der Sonntagsschule, in der beim Verein Al-Tariq die Kinder in Arabisch unterrichtet werden, beklagt den Tod von drei Nichten und einem Schwager, berichtet Faten Hayajneh, die Frau des Vereinsvorsitzenden, bei der viele Fäden in der arabischen Gemeinde zusammenlaufen. Und ein anderer Mann aus dem Umfeld des Vereins habe mindestens sieben Angehörige verloren.

Syrer aus Fürstenwalde fuhr am Tag des Erdbebens los und verteilte Geld

Dieser Mann, ein Syrer aus Fürstenwalde, der nicht genannt werden will, ist gleich am Tag nach dem Erdbeben in die Region gereist und hat Geld verteilt, insgesamt die 1000 Euro. Faten Hayajneh zeigt auf ihrem Handy ein Video, in dem Umschläge mit jeweils 50 türkischen Lira, nach heutigem Kurs etwa 2,50 Euro, zu sehen sind, die an die Menschen in der Katastrophenregion verteilt worden sind.
„Wir haben daraufhin unter unseren Vereinsmitgliedern gesammelt“, berichtet Faten Hayajneh. Ziel war, die Soforthilfe von 1000 Euro zu refinanzieren. Etwa 870 Euro kamen zusammen. „Die meisten Familien leben von Hartz IV und haben nicht viel“, sagt die Frau, die selbst aus Jordanien stammt. Die Differenz habe der Helfer übernommen.
Szene aus dem Katastrophengebiet, die per Handy-Video übermittelt wurde. Die Anteilnahme unter den Arabern in Fürstenwalde ist groß
Szene aus dem Katastrophengebiet, die per Handy-Video übermittelt wurde. Die Anteilnahme unter den Arabern in Fürstenwalde ist groß
© Foto: Joachim Eggers
Die Mitglieder des Vereins Al-Tariq haben auch Kleider gesammelt. Im Unterrichtsraum von Al Tariq stapeln sich 14 Umzugskartons und weitere Säcke voller Jacken, Hosen, Pullover. Doch der Versuch, die Sachen ins Erdbebengebiet zu schicken, ist gescheitert. Sie habe Organisationen wie Caritas und DRK angefragt, schließlich in Potsdam, berichtet Faten Hayajneh. „Sie wollen das nicht haben, weil es schon so viel Kleidung gibt.“ Jetzt sollen die Sachen bei Flohmärkten an den nächsten zwei Sonnabenden (18. und 25. Februar, jeweils von 10 bis 16 Uhr) auf dem Hof der Trebuser Straße 60 verkauft, der Erlös gespendet werden.

„Viele schlafen in Autos“

Auch zwei Gewerbetreibende in der Eisenbahnstraße haben Verbindungen ins Erdbebengebiet. Abdullah Kaya leitet den türkischen Imbiss „Füwa City“. Der Türke stammt aus der Provinz Şanlıurfa in Südost-Anatolien, deren gleichnamige Hauptstadt 150 Kilometer östlich von der Millionenstadt Gaziantep und etwa 50 Kilometer nördlich der syrischen Grenze liegt, also mitten im Erdbebengebiet. „Meine Familie ist zum Glück nicht betroffen“, sagt Kaya erleichtert. „Die Leute haben sich zurückgezogen in einstöckige Gebäude, wenn sie die Möglichkeit haben, viele schlafen in Autos“, schildert er die Umstände.
Auch Badie Abdulfatah, Inhaber von drei Barber-Shops in der Fürstenwalder Innenstadt, hat viele Videos aus dem Katastrophengebiet bekommen. Er kommt aus dem kurdischen Teil Syriens und damit aus einer Gegend, die aufgrund der politischen Situation zumindest zu Beginn stark benachteiligt war. „Die Hilfe ist in die Türkei gegangen, nicht nach Syrien“, stellt er bitter fest. Auch er hat viel Familie und Freunde in der Katastrophenregion. „Ihnen ist zum Glück nichts passiert.“