Antisemitismus in Fürstenwalde
: Schaukasten mit Davidstern zerstört – Kripo ermittelt

Für Dompfarrer Kevin Jessa ist es eindeutig ein antisemitischer Akt: Aus dem Schaukasten am Pfarrhaus in Fürstenwalde ist ein Aufruf zum Schutz jüdischen Lebens herausgerissen worden. Wie die Polizei reagiert.
Von
Joachim Eggers
Fürstenwalde
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  • Zerstörter Schaukasten am Pfarrhaus in Fürstenwalde. Der Davidstern mit dem Aufruf zur Solidarität mit Juden ist wieder drin.

    Zerstörter Schaukasten am Pfarrhaus in Fürstenwalde. Der Davidstern mit dem Aufruf zur Solidarität mit Juden ist wieder drin.

    Joachim Eggers
  • Screenshot mit der Reaktion von  Pfarrer Kevin Jessa

    Screenshot mit der Reaktion von Pfarrer Kevin Jessa

    Kevin Jessa
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Am Freitag (10. November), etwa gegen 18 Uhr, hat der Pfarrer der Domgemeinde in Fürstenwalde, Kevin Jessa, den Schaukasten vor dem Pfarrhaus in der Karl-Marx-Straße um einen neuen Aushang ergänzt: Einen Davidstern mit der Aufschrift „Wir schützen jüdisches Leben/We protect Jewish life“. Es ist ein Solidaritätsaufruf der Jüdischen Gemeinde zu Berlin.

Am Sonnabend wollte Jessa einigen Gästen Fürstenwalde zeigen. Der erste Anblick, den er ihnen zu präsentieren hatte, war der zerstörte Schaukasten, aus dem das am Vorabend angebrachte Plakat mit dem Davidstern herausgerissen worden war. „Die Magnete lagen auf dem Boden“, sagt Jessa. In der Nacht gegen 3 Uhr habe sein Partner einen Schlag gehört, das müsse aber nichts heißen.

Zerstörter Schaukasten am Pfarrhaus in Fürstenwalde

Kevin Jessa

Für Jessa ist der Fall eineindeutig: Es handelt sich um einen Akt des Antisemitismus – und das just zwei Tage nach einem sensibel gestalteten, neu konzipierten Gedenken an die Pogromnacht von 1938. Der Dompfarrer will sich aber nicht abschrecken lassen. „Wir sind sprachlos, dass die Bekundung von Solidarität mit unseren jüdischen Glaubensgeschwistern diese Ablehnung erzeugt“, schreibt Jessa auf Facebook: „Wir bleiben uneingeschränkt an der Seite unserer jüdischen Glaubensgeschwister. Und ich lasse mich nicht zum Schweigen bringen.“ Den Aushang hat er postwendend erneuert.

Viele Solidaritätsbekundungen

Er habe viele Solidaritätsbekundungen erfahren, sagt Jessa am Montag (13. November). An Schuldzuweisungen will er sich nicht beteiligen, auch wenn er den zeitlichen Zusammenhang mit der Welle von Palästina-Graffiti in der Stadt vor zwei Wochen sieht.

Die Polizei hat den Vorgang nach Auskunft von Pressesprecher Stefan Möhwald zunächst als besonders schweren Fall des Diebstahls eingestuft – das A4-Blatt mit dem Davidstern wurde entfernt. Im Vergleich zur Sachbeschädigung an dem Kasten sei Diebstahl das gravierendere Delikt. Die Kriminalpolizei werde jetzt ermitteln. Bei diesem Sachverhalt wird auch ein anderes Dezernat beteiligt: „Der Staatsschutz kriegt das mit auf den Tisch“, sagt Möhwald. Ob der Staatsschutz dann die Ermittlungen ganz an sich zieht, stehe noch nicht fest.

Im Rahmen der Friedensdekade lädt die Kirchengemeinde am Dienstag, 14.11., um 19 Uhr zu einer Veranstaltung über jüdisches Leben in der DDR in den Dom ein.