Langer Weg: 1878 Domstädter arbeiten in Berlin

Dreh- und Angelpunkt für Pendler: Busse und Zügen bringen bringen Beschäftigte vom Fürstenwalder Bahnhof zu ihren Arbeitsplätzen. 43,7 Prozent der Erwerbstätigen in Oder-Spree arbeiten außerhalb des Landkreises.
Annemarie DiehrFast jeder zweite Erwerbstätige in Oder-Spree arbeitet außerhalb des Landkreises. Das zeigen Statistiken der Arbeitsagentur. Während sich Frauen und Männer bei den sogenannten Auspendlern die Waage halten, sind jene, die zum Arbeiten nach Oder-Spree kommen, vorrangig männlich.
Montagmorgen, 9.45 Uhr: Emiliana Müller wartet am Bahnsteig auf den Zug, der sie von Fürstenwalde nach Berlin-Mitte bringen soll. Zweimal täglich fährt die 29-Jährige die knapp einstündige Strecke. „Das Pendeln nehme ich in Kauf, weil ich in Berlin mehr verdiene als hier“, sagt die ausgebildete Optikerin.
Das monatliche Gehalt dürfte auch für andere der insgesamt 30 384 Menschen in Oder-Spree ein Antrieb sein, die ihren Wohnort wegen der Arbeit jeden Tag verlassen. Per Bus, Bahn oder mit dem Auto pendeln sie nach Berlin (13 159), Frankfurt (Oder) (5521), Märkisch-Oderland (2850) oder in andere kreisfreie Städte und Landkreise. Bei 69 484 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Kreis macht das laut jüngster Statistik der Agentur für Arbeit (Stand: 30. Juni 2018) 43,7 Prozent. Gegenüber 2017 ist die Zahl der Auspendler bei steigender Anzahl an Beschäftigten damit gleichgeblieben.
Auch Friethjof Bastian ist einer von 6570 Fürstenwaldern, die zur Arbeit pendeln – nicht nur innerhalb des Kreises (2411), innerhalb Brandenburgs (4152) oder nach Berlin (1878), sondern auch nach Nordrhein-Westfalen (69), Bayern (62) oder Niedersachsen (60). Am Montagnachmittag steigt Bastian in Fürstenwalde aus dem RE 1. Er arbeitet in Frankfurt (Oder), sagt der 40-Jährige. "Das ist keine Entfernung.“ 15 Minuten dauere die Fahrt. „Mit dem Auto ist es deutlich mehr – und dann noch die Staus“, sagt er. Laut Torsten Hesse, Bereichsleiter der Arbeitsagenturen in Oder-Spree, sind Auspendler vorrangig im Handel, in Betrieben des verarbeitenden Gewerbes, im Gesundheits- und Sozialwesen und in der öffentlichen Verwaltung tätig.
Martina Schneider ist Erzieherin in einer Kita in Bad Saarow. Früh am Morgen steigt die Frankfurterin in den ersten von zwei Zügen, die sie zu ihrem Arbeitsplatz bringen. „Wenn ich einen Führerschein hätte, würde ich mit dem Auto fahren“, sagt die 22-Jährige. Sie ist eine von 16 411 Beschäftigten, die von außerhalb zum Arbeiten in den Landkreis kommen. Laut Statistik sind zwei Drittel von ihnen Männer.
Agenturchef Hesse erklärt diesen Umstand mit der Art der Stellen, die die Männer besetzen. „Sie sind vorrangig in der Produktion und im technischen Bereich tätig, darunter sind viele Fach- und Führungskräfte.“ Den Reifenhersteller Goodyear Dunlop, auch die Kreisverwaltung und Agentur für Arbeit nennt Hesse als Arbeitgeber für Einpendler. Aus Berlin pendeln 3721 Beschäftigte nach Oder-Spree, aus Märkisch-Oderland 3526 und aus Frankfurt (Oder) 2606.
Sabiene Lorenz ist vor sechs Jahren auf das Auto umgestiegen. Davor ist die Mönchwinklerin zwei Jahre lang mit dem Auto nur bis Erkner gefahren und dort in den Zug in Richtung Berlin gestiegen. „Das wurde mir zu viel“, sagt sie. „In den vollen Zügen habe ich mich häufig angesteckt und wurde krank.“
