Magenverkleinerung: Der Super-Abnehmer: Wie Patrick Kakuschke 65 Kilo abnahm

Zeiten ändern sich: Patrick Kakuschke hat eine einschneidende Zeit hinter sich. Wog er vor einem Jahr noch 165 Kilo, sind es inzwischen nur noch 100. Beim Katastrophenschutz des Kreises muss nun keine extragroße Uniform mehr für ihn bestellt werden, sagt er.
privatZweihundert Gramm Naturjoghurt zum Frühstück – es ist noch gar nicht so lange her, da hätte Patrick Kakuschke das für einen schlechten Witz gehalten. Doch die Zeiten haben sich geändert. „Vor etwa einem Jahr hat mein neues Leben begonnen“, sagt der 40-jährige Berkenbrücker. Damals wog er noch 165 Kilogramm, seitdem hat er 65 Kilo abgenommen. Möglich gemacht hat das eine Magenverkleinerung.
Übergewichtig sei er schon immer gewesen, auch als Kind, sagt Kakuschke. Gestört habe ihn das nicht. „Ich war niemand, der sich deshalb eingeschlossen hat.“ Im Laufe der Jahre habe er aber immer wieder oft Kompromisse machen müssen. „Zum Beispiel im Flugzeug, wo ich den Gurt nicht schließen konnte“, erinnert sich Kakuschke, der als Heilerziehungspfleger in den Samariteranstalten arbeitet. „Ich habe mir meine eigene Welt geschaffen, in der ich solchen Situationen aus dem Weg gegangen bin.“
Probleme mit dem Jojo-Effekt
Nach und nach reifte deshalb der Entschluss, etwas zu ändern. „Es gab immer wieder Momente, in denen ich gemerkt habe, dass meine Lebensqualität eingeschränkt ist. Wenn ich mit meinen beiden Töchtern draußen gespielt habe, bin ich körperlich irgendwann nicht mehr hinterherkommen.“ Auch bei seiner ehrenamtlichen Tätigkeit bei der Freiwilligen Feuerwehr und dem Katastrophenschutz des Landkreises sei er an Grenzen gestoßen. Auf normalem Wege abzunehmen, hatte Kakuschke oft probiert und war dabei auch immer wieder erfolgreich. Das Problem: der Jojo-Effekt. „Ich hatte schnell mal 20 Kilo runter. Dann aber auch schnell wieder 30 Kilo drauf.“ Also suchte er nach anderen Möglichkeiten und stieß im Internet auf das Adipositaszentrum in Berlin-Köpenick.
Dort ließ er sich beraten, fasste schließlich den Entschluss, sich den Magen verkleinern zu lassen. Von heute auf morgen bewilligt das allerdings keine Krankenkasse. „Man muss bestimmte Voraussetzung erfüllen“, sagt Kakuschke. Zunächst einmal müsse man massiv übergewichtig sein, einen Body Mass-Index (BMI) von über 30 haben. „Man muss ein halbes Jahr lang zur Ernährungsberatung gehen, eine Ernährungsumstellung, sportliche Betätigung und mehrere Diät-Versuche nachweisen und ein psychologisches und chirurgisches Gutachten vorlegen. Förderlich ist auch die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe“, zählt er auf.
Der Berkenbrücker legte alles vor. Die OP wurde genehmigt, am 11. September 2019 kam der Tag, der sein Leben veränderte. Jetzt hat er einen kleineren Magen. „Das ist eine riesige Umstellung“, sagt Kakuschke. „Für den Körper sowieso, aber auch für den Kopf.“ So gibt es einiges, auf das er nun verzichten muss. „Ich werde nie wieder Alkohol und kohlensäurehaltige Getränke trinken können. Außerdem muss ich mein Leben lang Vitamin-Tabletten schlucken, weil ich zu wenig esse, um den Nährstoffbedarf meines Körpers zu decken.“ Es höre sich so einfach an, eine OP zu machen, und dann sei man schlank. „Aber so einfach ist das nicht.“
Seine erste Mahlzeit nach der OP bestand aus zwei Teelöffeln Naturjoghurt. „Danach konnte ich nicht mehr, dann war ich satt“, sagt Kakuschke lachend. Rund sieben Monate nach dem Eingriff sei er inzwischen wieder bei normal großen Portionen angekommen. „Meine Mahlzeiten bestehen jetzt hauptsächlich aus Naturjoghurt, Kefir, Fisch und Hähnchenfleisch. Ich muss eiweiß-haltig essen.“ Grundsätzlich könne er aber auch alles andere essen, nur eben nicht mehr so viel. Statt wie vorher drei Schnitzeln schaffe er jetzt vielleicht noch ein halbes. „In der Therapie habe ich gelernt, aufzuhören, wenn ich satt bin. Daran halte ich mich.“
Dank seines Gewichtsverlusts könne er nun auch ganz anders durch die Stadt gehen – mit viel mehr Selbstvertrauen. „Das geht schon los, wenn ich mir mal ein Eis kaufe“, sagt Kakuschke. Früher beschlich ihn dabei immer das Gefühl, dass andere Menschen ihn beäugen. „So unter dem Motto ‚Muss der Dicke jetzt auch noch ein Eis essen?‘ Das ist jetzt nicht mehr so.“
Seiner Familie, zu der Ehefrau Jessica (40) und die Töchter Pia (14) und Zoe (11) gehören, kann Patrick Kakuschke nun ebenfalls mehr bieten. Auch, weil er dreimal die Woche ein Fitnessprogramm absolviert. „Vor einem Jahr hatten meine Kinder die Idee, mit dem Fahrrad an die Ostsee zu fahren. Damals habe ich gehofft, dass sie das wieder vergessen. Das hätte ich nie geschafft.“ Auch wenn die Corona-Krise diesen Plan wohl verhindern wird, bietet Kakuschkes neues Leben nun auch neue Möglichkeiten. „Wir haben uns schon neue Räder besorgt. Mal schauen, vielleicht geht’s im Sommer hoch ans Meer.“
Selbsthilfegruppe in Fürstenwalde gegründet
Patrick Kakuschke hat eine Selbsthilfegruppe für Übergewichtige gegründet.
Normalerweise unternehmen die Mitglieder jeden dritten Donnerstag im Monat etwas gemeinsam. Aufgrund der Corona-Krise finden die Treffen derzeit aber nicht statt.
Der Gründer betont, dass es bei den Treffen nicht darum geht, andere auf eine OP zur Magenverkleinerung vorzubereiten. "Es ist ein Gedanken- und Erfahrungsaustausch."
Kontakt kann über die Fürstenwalder Informations- und Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen (F.I.K.S.) aufgenommen werden: 03361 2796 undinfo@fiks-ev.com.⇥cwa
