Moschee
: Baustopp verzögert gemeinsame Gebete

Der Verein IZF Al Salam möchte sich in Fürstenwalde einen Gebetsraum einrichten. Er wartet auf die Baugenehmigung.
Von
Manja Wilde
Fürstenwalde
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Im künftigen Gebetsraum: Rafat Eissa (links) und Islam Njjar vom Verein IZF Al Salam blättern in einem Koran. Noch dürfen sie den Raum in der Ehrenfried-Jopp-Straße nicht nutzen – zum Pressetermin durfte eine Ausnahme gemacht werden.

Manja Wilde

Das Gold, das den Rundbogen schmückt, schimmert in der Nachmittagssonne. Der Bogen rahmt eine Nische in der Wand. Sie zeigt gen Mekka. „Früher hat der Imam dort hineingerufen, damit seine Stimme reflektiert wird und man sie überall hören konnte“, sagt Islam Najjar. Der 43–Jährige ist der Vorsitzende des Vereins IZF Al Salam. Die Abkürzung steht für Islamisches Zentrum Fürstenwalde. Al Salam bedeutet Frieden.

Islam Najjar, Rafat Eissa und einige andere haben den Verein vor einem Jahr gegründet. „Wir sind Muslime, die in Fürstenwalde leben und uns einen Gebetsraum einrichten wollen“, erklärt der Vorsitzende. Auch Integrationskurse, Nachhilfeunterricht in Deutsch und Mathe, eine Schule für Arabisch und Sport wie Tischtennis und Schach will der Verein anbieten. Als Najjar und seine Mitstreiter mitbekamen, dass die Räume in der Ehrenfried–Jopp–Straße, in denen sich einst ein Angelladen befand, leer stehen, nahmen sie Kontakt zu Heinrich Hajen auf. Er ist Geschäftsführer der Wohnweltmöbel Vertriebsgesellschaft, der das Gebäude gehört. „Die Planung ist so, dass wir dem Verein für zwei Jahre einen Raum zur Verfügung stellen“, sagt Hajen.

Im Oktober fand die erste Besichtigung statt. „Die Räume waren in katastrophalem Zustand“, sagt Najjar. Die Sanitäranlagen seien kaputt, die Fliesen defekt, Böden und Wände überholungsbedürftig gewesen. Die Muslime machten sich an die Arbeit, begannen zu renovieren.

Grauer Teppich liegt nun auf dem Boden. Dunkle Streifen markieren die Reihen, in denen sich die Gläubigen künftig zum Gebet niederlassen wollen. „Beim Freitagsgebet dürfen Frauen und Männer zusammen beten, wenn genügend Platz ist“, erklärt Najjar. Der vordere Bereich ist den Männern vorbehalten, der hintere kann von den Frauen genutzt werden. Insgesamt biete das Gebäude Platz für 200 bis 300 Personen, schätzt er. Doch aktuell darf dort weder gearbeitet noch gebetet werden. Das Bauordnungsamt des Kreises verhängte einen Baustopp — weil zunächst kein Bauantrag eingereicht wurde und demzufolge auch die Baugenehmigung fehlt, die schon allein wegen der Nutzungsänderung nötig ist.

Mittlerweile ist der Antrag gestellt. „Zur Erteilung einer Baugenehmigung fehlt noch der erforderliche Prüfbericht zum Brandschutz, der vom Bauherrn einzureichen ist“, teilt Kreissprecher Mario Behnke auf Nachfrage mit. Da mehr als 100 Menschen das Gebäude nutzen werden, handele es sich um einen „Sonderbau“, für den andere Anforderungen beispielsweise an die Rettungswege gestellt werden, als für den Angelladen.

Er rechne damit, dass er den Brandschutzbericht in den nächsten Tagen erhalte, sagt Najjar. Einen Imam, der das Gebet leiten soll, gebe es im Moment noch nicht. „Wir müssen das erst mal provisorisch machen“, fügt der Fürstenwalder an. Seit 19 Jahren lebt er in Deutschland. „Es war eine Familienzusammenführung, meine Frau ist Deutsche“, erklärt Najjar. Überhaupt seien viele der Muslime Deutsche. Und er ergänzt: „Besser ich gründe einen Verein und biete ihnen die Möglichkeit zum Beten, als irgendein Radikaler.“