Motorsport
: Peter Heibuch tüftelt für weitere Titel

Motorboot-Rennfahrer Peter Heibuch wurde zum siebten Mal Deutscher Meister in der Formel R1000.
Von
Roland Hanke
Neu Zittau
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  • Rasant auf dem Wasser: Peter Heibuch aus Neu Zittau holte sich im August auf der Regatta-Strecke in Berlin-Grünau seine siebte deutsche Meisterschaft in der Formel R1000.

    Rasant auf dem Wasser: Peter Heibuch aus Neu Zittau holte sich im August auf der Regatta-Strecke in Berlin-Grünau seine siebte deutsche Meisterschaft in der Formel R1000.

    Ingrid Heibuch
  • Stolz auf die große Trophäe: Peter Heibuch im Sommer mit seinem DM-Pokal

    Stolz auf die große Trophäe: Peter Heibuch im Sommer mit seinem DM-Pokal

    Ingrid Heibuch
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An Sport auf dem Wasser ist derzeit im Winter nicht zu denken. Doch er bastelt schon wieder in seinen zwei beheizten Garagen – und das momentan mehr als acht Stunden am Tag. Kein Wunder, denn Motorboot-Rennfahrer Peter Heibuch aus Neu Zittau ist seit dem 1. Januar nach mehr als 45 Arbeitsjahren im verdienten Ruhestand.

Der gelernte Kfz-Meister, der zuletzt im Fuhrpark-Management der Deutschen Post in Berlin arbeitete und dabei im ganzen Nordosten Deutschlands unterwegs war, kann in seine Leidenschaft ab nun noch mehr Zeit investieren. Heibuch hat schon wieder einige Ideen im Kopf, die er bis zum Frühjahr für sich und andere umsetzten will. Gerade ist er dabei, ein Rennboot für seinen Mechaniker Marcel Popp vorzubereiten, denn der will auch selbst als Fahrer antreten. Neben Popp gehören auch dessen Bruder Sascha und Christian Schirmer zu den Schraubern des Neu Zittauers – und das mehr als 15 Jahre.

Genauso wie diese hat Heibuchs Frau Ingrid, die von Anfang an das große Hobby ihres Mannes unterstützt und alles Organisatorische in den Händen hält, einen gehörigen Anteil an den vielen Erfolgen des Neu Zittauers, der jetzt in seine 24. Saison als Motorboot-Rennfahrer geht. Im vorigen Jahr war er wieder national und international weit vorn dabei.

Da wurde er im August beim Heimrennen auf der Regatta-Strecke in Berlin-Grünau zum siebten Mal Deutscher Meister in der Formel R1000, in der er zuletzt 2016 den DM-Titel holte. Seinen dritten EM-Titel – zuvor war er 1999 und 2012 Champion des Kontinents – hatte er Ende September im tschechischen Jedovnice in der Nähe von Brünn nur knapp um vier Punkte verpasst. Er wurde zum vierten Mal Vize-Europameister, was dem Neu Zittauer zuletzt 2015 gelungen war.

„Es ist natürlich schön, in meinem Alter Deutscher und Vize-Europameister zu werden. Darauf bin ich auch stolz und freue mich sehr darüber“, erklärt Peter Heibuch. Im Dezember kam dann noch eine Auszeichnung hinzu, als er beim Saisonfinale des ADAC Berlin-Brandenburg eine Sonderehrung für besondere Leistungen im Motorsport 2018 erhielt sowie Motorboot-Rennsport-Meister des Regionalclub wurde.

Heibuchs Erfolgsgeschichte begann 1999, also vor 20 Jahren, mit EM- und DM-Titel – damals noch im von einem Wartburg-Motor angetriebenen Rennboot der Klasse HR1000. Jetzt ist der Neu Zittauer, der 1995 auf der Elbe bei Dessau sein allererstes Motorboot-Rennen gefahren war, viele Jahre mit einem Yamaha-Motor im Boot unterwegs, auch einen Suzuki-Motor brachte und bringt er in der Formel R1000 zum Einsatz, zwischendurch war auch mal ein Honda dabei – und das alles mit viel Tüfteln an den Aggregaten selbst und den entsprechenden Anpassungen im Boot in akribischer Handarbeit. Und vielleicht kommt in diesem Jahr noch ein weiterer Hersteller hinzu. Welcher das ist, verriet Heibuch allerdings nicht.

Rund 180 PS leisten die Motoren und treiben das Boot auf Geschwindigkeiten von bis zu 170 Kilometern pro Stunde. „Der Weltrekord steht bei 178, bei idealen Bedingungen in England aufgestellt“, weiß Heibuch. Und er kennt auch die Gefahren, die sein Sport mit sich bringt. Nach dem tödlichen Unfall eines Fahrers in seiner Klasse im Juni vergangenen Jahres komme er ins Nachdenken. „Das ist sehr tragisch. Es ist ganz wichtig in unserem Sport, immer voll konzentriert und überlegt zu fahren. Wir wollen uns sportlich messen, doch solchen Nervenkitzel brauchen wir nicht“, sagt Heibuch.

Als Konsequenz aus dem Unfall schreibt der Weltverband UIM wahrscheinlich ab 2020 ein geschlossenes Cockpit und einen Sechs-Punkt-Sicherheitsgurt vor. „Ich bin bisher mit einer Haube am Boot und unangeschnallt gefahren – wie fast alle in unserer Klasse. Da muss ich mir dann fürs nächste Jahr etwas einfallen lassen“, erklärt der Neu Zittauer.

Er will auch 2019 wieder angreifen. Ende April gibt es ein Trainings-Wochenende des deutschen Verbandes in Weißwasser, ehe es einen Monat später den ersten EM-Lauf der Formel R1000 im litauischen Kaunas gibt. „Schade ist allerdings, dass unsere mit zwölf Fahrern bestückte Klasse – die größte in Deutschland – nicht zum Rennen auf dem Scharmützelsee in Bad Saarow eingeladen wurde“, sagt Heibuch, der seit 1983 im selbst gebauten Haus in Neu Zittau seinen Lebensmittelpunkt hat.

Von dort geht es im umgebauten Transporter – inklusive sechs Schlafplätzen und Küche – samt Team zu den Rennen. Seine Familie ist bei den Heimrennen in Berlin-Grünau dabei. „Die Unterstützung der Familie ist mir wichtig. Ohne die tatkräftige Hilfe meiner Frau könnte ich den Sport nicht betreiben. Dafür bin ich sehr dankbar“, betont Peter Heibuch. Manchmal bleibt auch die Werkstatt zu, wenn die Enkelinnen in Neu Zittau zu Besuch sind. „Sie machen meiner Frau und mir viel Freude.“