Doch in nur zehn Minuten ist das Waldstück wieder vorzeigbar, denn die jungen Leute arbeiten flink wie ein Ameisenvolk. In 45 Minuten haben sie  13 blaue Säcke mit Abfall aus dem Wald nördlich der Rudolf-Breitscheid-Straße geholt.
Tobias Lobeda, Lehrer am katholischen Schulzentrum Bernhardinum, und Sozialarbeiter Matthias Micheel haben sich das Projekt, bei dem sich am Dienstag 28 Schüler und junge Flüchtlinge die Finger schmutzig machten, ausgedacht. Micheel sagt: "Wir verbinden hier Schule und Sozialarbeit." Die Jugendlichen haben sich freiwillig gemeldet. Josefine (14) erklärt ihre Motivation: "Mir liegt viel an der Umwelt und an diesem Projekt." Sie hatte nicht erwartet, dass  einige Leute extra in den Wald fahren, um dort ihren Hausmüll zu entsorgen. Charlotte (16) und Marie (15) demonstrieren bei Fridays for Future mit und freuen sich, an diesem Vormittag nun mal etwas ganz Praktisches für die Umwelt tun zu können.
Wilde Müllkippen sind in der Region ein wachsendes Problem. Das Kommunale Wirtschaftsunternehmen Entsorgung (KWU) hat allein im vergangenen Jahr 331 Tonnen herrenlose Abfälle im Landkreis beseitigt. "Die Zunahme bei den asbesthaltigen Baustoffen macht uns besonders Sorgen", sagt Evelyn Neidhardt, Sachgebietsleiterin beim KWU. Während 2016 noch 4,8 Tonnen asbesthaltige Baustoffe in der Natur auftauchten, stieg die Zahl 2018 auf 19,4 Tonnen.
Revierförster Martin Müller stößt immer wieder auf wilde Deponien. "Ich habe schon komplette Lauben-Einrichtungen gefunden", sagt er. Auch Sofas, Kühlschränke und Fernseher landen im Wald. Das macht ihn fassungslos, da es aufwändiger sei, solche sperrigen Gegenstände im Wald abzuladen als sie kostenlos vom KWU abholen zu lassen.
Zeugenhinweis führt zu Täter
Besonders beliebte Ablagestellen seien Waldeingänge, berichtet Müller. Im Sichtschutz würden Täter Unrat abkippen. Während davon auszugehen ist, dass diese schwarzen Schafe wissen, was sie tun, stellt Müller fest, dass anderen Umweltsündern Unrechtbewusstsein fehlt. Und zwar denen, die Grünabfälle im Wald ausladen. "Da denken viele, das wäre ,zurück zur Natur’", sagt Evelyn Neidhardt. Doch die Gartenabfälle seien nicht nur optisch eine Zumutung, sonder störten auch die Nährstoffzusammensetzung. So führe Rasenschnitt zu Schimmel- und Fäulnisprozessen, die zum Absterben von Organismen beitrügen.
Für Ordnungsamt und Polizei ist es schwer, Müllsündern auf die Spur zu kommen. Doch in einem aktuellen Fall ist es gelungen. Wie Polizisten der MOZ im Wald berichteten, konnten einem Täter nach Zeugenhinweis mehrere Müllkippen zugeordnet werden. Die Ordnungshüter hatten bei der Reinigungsaktion Autos in den Wald fahren sehen – und waren vorsichtshalber direkt gefolgt.

Aus der Statistikdes KWU


Die KWU-Abfallbilanz zeigt, dass der Großteil des wilden Mülls aus Siedlungsabfällen besteht. Immer öfter sind dies "teerhaltige Produkte" wie Dachpappe – 5,7 Tonnen im Jahr 2018. Die Verdoppelung dieser Zahl seit 2015 lässt sich dadurch erklären, dass die Kosten für die Dachpappen-Entsorgung seit neustem mit 464 Euro pro Kubikmeter extrem hoch sind. Den Preis für die Entsorgung wilder Müllkippen zahlt die Allgemeinheit über die Gebühren. 2018 lag er bei 27 000 Euro.  Dan