Nahversorgung: Großes Edeka-Center für Fürstenwaldes Mitte ist vom Tisch

Zieht die Reißleine: Heinrich Hajen bietet sein Gewerbegrundstück an der Ehrenfried-Jopp-Straße in Fürstenwalde zum Kauf an. Mietverträge lässt er auslaufen.
Manja Wilde„Die Zeit hat mich überholt“, sagt Heinrich Hajen. Er sitzt im Büro der Wohnwelt Möbel Vertriebsgesellschaft mbH, deren Geschäftsführer und Miteigentümer er ist. Wegen der Corona-Krise muss die Tür des Möbelhauses nun auch geschlossen bleiben. Doch in Hajens Stimme liegt kein Groll, wenn er über die ganze missliche Situation spricht. Man müsse das Beste draus machen.
Doch zurück zu den 37 000 Quadratmetern. Wenige Schritte trennen das Areal vom Möbelhaus. Hajen – weißes Haar, dunkle Brille – geht hinüber, blickt auf die Hallen und Gebäude. Er hat entschieden, sich von einem Großteil zu trennen. Für 1,95 Millionen Euro bietet er 30 000 Quadratmeter auf Ebay an. Ohne Eile.
Noch sind der Boxclub, der Judoclub, ein Gebetsraum des islamischen Vereins IZF Al Salam und einige andere Dinge auf dem Gelände. „Die Mietverträge laufen bis zum 31.12.2021“, sagt der Geschäftsmann. Und erste Interessenten gebe es bereits.
Einer komme aus Großbritannien, habe aber nicht sagen können oder wollen, für wen er Geld anlege und was auf der Fläche entstehen solle. Ein anderer komme aus Österreich. Dieser suche für einen Zerlegebetrieb, der aus Berlin weichen müsse, eine neue Heimat. Gut 50 Arbeitsplätze entstünden dann dort. Außerdem habe der islamische Verein, der den Gebetsraum betreibt, Interesse bekundet.
Heinrich Hajen stellt all das nicht zufrieden. „Will ich das?“, fragt er rhetorisch. „Noch nicht“, lautet die Antwort. Noch bleibt Zeit zum Wählen. Wunschkandidat ist noch immer das Edeka-Center – mit 2480 Quadratmetern Verkaufsfläche, zuzüglich Marktbäcker und Café, 300 Parkplätzen, Ladestation für Elektro-Fahrzeuge und Fahrradboxen. Doch darauf will und kann er nun nicht mehr bauen.
Konkurrenz zu Rewe
Welche Auswirkung dieser neue Markt, ein weiterer geplanter Edeka in der Langen Straße (Süd) sowie ein kürzlich eröffneter Norma auf andere Nahversorger hätten beziehungsweise haben, legte Andreas Schuder, Referent des Büros Stadt+Handel, jüngst im Stadtentwicklungsausschuss dar.
Im Gutachten, das er vorstellte, steht allein für das E-Center eine Umsatzprognose von 9,4 Millionen Euro. Die Kaufkraft, die dorthin fließen würde, würde an anderer Stelle fehlen. Zumal das Kaufkraftniveau der Stadt nur bei 89 Prozent des Bundesdurchschnittes liegt, die Ausstattung mit Lebensmittel-Einzelhandel aber schon jetzt über dem Durchschnitt.
Besonders stark dürfte sich das E-Center laut Gutachten auf den Rewe-Markt in der Trebuser Straße auswirken – der will sich erweitern und zudem den benachbarten und leer stehen alten Markt mit Drogerie und Zoobedarfsladen füllen. Fazit: „Der Edeka in der Joppstraße ist nicht mit dem Einzelhandels- und Zentrenkonzept konform.“
