Odervorland
: Feuerwehr braucht neue Strategie

Carsten Witkowski ist Chef von 18 Freiwilligen Feuerwehren mit 300 Aktiven im Odervorland. Doch ihr Fahrzeugpark ist zum Teil veraltet.
Von
Uwe Stemmler
Briesen
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Beraten über die Feuerwehr-Strategie: Amtsdirektorin Marlen Rost und Amtswehrführer Carsten Witkowski

Uwe Stemmler

Spitzenreiter sind der 41–jährige Barkas in Biegen und der 33 Jahre alte W 50 in Hasenfelde. „Wir konnten trotzdem bisher alle Aufgaben erfüllen, zu jedem Einsatz ausrücken“, sagt Amtswehrführer Carsten Witkowski, es bestehe aber dringend Handlungsbedarf.

Witkowski ist seit dem 1. Januar für 18 Freiwillige Feuerwehren mit rund 300 Aktiven zuständig. Zehn Wehren mit 173 Aktiven sind mit dem Beitritt Steinhöfels zum Amt Odervorland hinzugekommen. „Wir sind noch in der Organisationsphase“, sagt er. „Aber wir haben in den vergangenen neun Monaten schon viel erreicht.“ In Buchholz wurde ein Feuerwehrhaus eingeweiht, in Berkenbrück und Biegen laufen Bauarbeiten. 23 Leute absolvierten den Truppmann–Lehrgang, die Grundausbildung. Fördermittel für zwei neue Löschfahrzeuge werden jetzt beantragt.

Eine neue Satzung wurde verabschiedet, die Aufwandsents–Entschädigung einheitlich geregelt. „Das haben wir alles in Abstimmung mit den Ortswehrführern gemacht“, betont Amtsdirektorin Marlen Rost und berichtet, dass das Land einen Fördermittelantrag positiv beschieden hat: 10 000 Euro gibt es für neue Schutzbekleidung der Jugendfeuerwehren.

Risikoanalyse erforderlich

Voraussetzung für die weitere Strategie sei aber eine neue Gefahren– und Risikoanalyse im Amtsgebiet, sagt Witkowski. Die soll im nächsten Jahr erarbeitet werden und wird mindestens 12 000 Euro kosten. „Der ländliche Raum entwickelt sich, die Feuerwehren müssen nachziehen“, erklärt der Amtswehrführer und verweist auf anwachsende Gefahrenpotentiale im Amtsgebiet: A 12, Bahnlinie, Bundes–und Landesstraßen, die großen, zum Teil mit Munition belasteten Waldgebiete, das Wasserwerk, Biogasanlagen, Windparks… Alles müsse untersucht werden, um dann Schlussfolgerungen für die Ausstattung der Wehren zu ziehen.

Die zwei neuen Löschfahrzeuge kommen nach Briesen und Heinersdorf. Briesen brauche für die Einsätze auf der A 12 oder in den Wäldern dringend ein TLF, das große Wassermengen mit sich führt. Aber Briesen dürfe man nicht gesondert sehen. Odervoland sei als ganzes Stützpunktfeuerwehr, alle arbeiten immer im Verbund mit anderen, so Wittkowski. Das heiße, die Ausbildung ist für jeden gleich, egal ob er  fünf oder 50 Einsätze pro Jahr hat. Jeder Kamerad müsse auf jedem Fahrzeug sofort einsatzbereit sein. Kleine Wehren werden in die Alarm– und Ausrückeordnung integriert, also auch zu größeren Ereignissen in anderen Orten hinzugezogen.

In der Alarmierungsordnung der Feuerwehr von Odervorland werden übrigens auch künftig die Sirenen nicht fehlen. Kürzlich hatte ein Jacobsdorfer Einwohner in einem Rundbrief an leitende Stellen im Amt Odervorland und im Landkreis gefordert, dass sie abgeschafft werden. Wegen Lärmbelästigung.  Der Amtswehrführer kann darüber nur den Kopf schütteln. „Gerade in ländlichen Gebieten sind die Sirenen zur Alarmierung der Aktiven unverzichtbar“, sagt er. In Odervorland gebe es in jedem Ort mit Wehr eine. Das sei im gesamten Landkreis so, auch in Frankfurt, weiß Witkowski, der zugleich stellvertretender Kreisbrandmeister ist. „Und das steht im Einklang mit dem Katastrophenschutzgesetz.“