Schüler aus Fürstenwalde
: Ein Jahr USA – warum Leonard Unterstützung braucht

Ein Jahr wird der Schüler Leonard Liebsch aus Fürstenwalde in den USA verbringen und anderen helfen – warum braucht er selbst Unterstützung?
Von
Marlene Wetzel
Fürstenwalde
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Eine lange Reise liegt vor Leonard Liebsch: Fürstenwalde wirdvon Fürstenwalde in die USA.

Eine weite Reise liegt vor Leonard Liebsch: Great Barrington im Bundesstaat Massachusetts in den USA ist rund 6.000 Kilometer von Fürstenwalde entfernt.

Hannah Kosi
  • Leonard Liebsch aus Fürstenwalde geht für ein Jahr nach Great Barrington, USA, für einen Freiwilligendienst.
  • Er unterstützt Menschen mit Beeinträchtigung in inklusiven WGs und begleitet sie im Alltag.
  • Der Dienst kostet rund 12.000 Euro, davon muss Leonard 2.900 Euro über Spenden aufbringen.
  • Spenden sammelt er über eine GoFundMe-Kampagne, Spendenbescheinigungen sind möglich.
  • Leonard will durch den Dienst neue Erfahrungen sammeln und einen Beitrag zu einem besseren Miteinander leisten.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ein ganzes Jahr wird er in den USA verbringen und erscheint trotzdem kaum aufgeregt. Er spüre lediglich Vorfreude, aber keine Angst, erzählt der 19-jährige Leonard Liebsch aus Fürstenwalde. Ende August geht er los: sein internationaler Jugendfreiwilligendienst im 8000-Seelen-Örtchen Great Barrington, Bundesstaat Massachusetts. Rund zwei Stunden Autofahrt sind es von dort bis nach New York, zwei Stunden nach Boston und zwei Stunden bis zum Meer.

Zwölf Monate lang wird Leonard in einer inklusiven Wohngemeinschaft (WG) leben und Menschen mit Beeinträchtigung in ihrem Alltag unterstützen. Die meisten von ihnen seien kognitiv beeinträchtigt, viele von ihnen hätten eine Form von Autismus, weiß Leonard. Fünf solcher WGs gibt es in Great Barrington, jeweils mit bis zu vier Bewohnern.

Leonard aus Fürstenwalde freut sich auf Theraphie in den USA

Vom frühen Morgen bis zum späten Abend wird er sie zu ihren Therapien begleiten, Ausflüge mit ihnen unternehmen und kochen. Er schwärmt, dass er alles mitmachen dürfe, auch die Therapien.  Die Leiterin der WGs habe ihm sogar angeboten, selbst eine Therapie machen zu können.

Der Verein, der ihm die Stelle vermittelt hat, nennt sich Internationale Jugendgemeinschaftsdienste (IJGD). Aus der Datenbank der IJGD habe er drei Stellen ausgesucht und sich darauf beworben, beschreibt der Abiturient den Ablauf. Zum Glück hätten sie am OSZ Oder-Spree gelernt, Anschreiben und Lebensläufe zu verfassen, gibt er zu.

Anschließend habe er sich einem Auswahlprozess unterziehen müssen. Im Zuge dessen habe er auch im Wohnverbund Reichenwalde, wo vielfältige Unterstützungen für Menschen mit Beeinträchtigung angeboten werden, hospitiert.

Die meisten seiner Freunde, die gerade das Abitur gemeistert haben, würden sofort anfangen zu studieren oder eine Ausbildung beginnen, erzählt er. Was reizt ihn dann an einem Freiwilligendienst im Ausland?

Raus aus der Komfortzone, rein in eine neue USA-Kultur

Raus aus der Komfortzone, Dinge machen müssen, auf die er nicht auf Anhieb Lust habe, über sich hinaus wachsen, erwachsen werden, fällt Leonard ein. Aber auch: Eine fremde Kultur mit anderen Menschen kennen und besser verstehen zu lernen.

Er sei neugierig auf die USA als Einwanderland, wo es überall alles gibt, gleichzeitig wären die Freiwilligen im Vorbereitungsseminar der IJGD darauf vorbereitet worden, dass die Gesellschaft der USA gespalten sei, dass die Demokraten und Republikaner einander nicht mehr zuhören würden. Dort würde es kein politisches Spektrum mehr geben wie in Deutschland.

Nicht zuletzt glaubt der junge Mann daran, die Welt mit seinem Freiwilligendienst ein bisschen besser machen zu können. Im Vorbereitungsseminar seien sie als Gruppe zu dem Schluss gekommen, dass sie zwar nicht die perfekte Welt schaffen können, aber in einem kleinen Kosmos dazu beitragen, ein besseres Miteinander voranzutreiben.

Schließlich könnten sich die Menschen mit seiner Unterstützung in Great Barrington frei bewegen und hätten ein besseres Leben. „Wir verändern was Kleines, um etwas Großes zu bewirken“, denkt er.

Freiwilligendienst in den USA ist noch nicht vollständig finanziert

Deshalb schraube er gerne für eine Zeit lang seinen Lebensstandard zurück. Denn entlohnt werden die Freiwilligen nicht. Sie erhalten lediglich ein Taschengeld. Der internationale Freiwilligendienst koste ungefähr 12.000 Euro, rechnet er vor.

Darin seien etwa Kosten für Vorbereitungs-, Zwischen- und Nachbereitungsseminare, für die Krankenversicherung und für psychologische Beratung enthalten. Zwei Drittel davon würden vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) getragen. Die übrigen Kosten müsse er selbst aufbringen.

Dazu soll er im besten Fall einen Förderkreis aufbauen und Spenden sammeln. Auf der Website der IJGD heißt es, die Spenden seien freiwillig und die Teilnahme am Dienst nicht an die Spenden geknüpft. Allerdings seien die Spenden die Existenzgrundlage für die Organisation und sicherten die Aufrechterhaltung der Arbeit.

Um die Gesamtfinanzierung sicherzustellen, würden sie einen finanziellen Beitrag von wenigstens 2900 Euro brauchen. „Viele glauben, ins Ausland zu gehen, sei so ein elitäres Ding, das viel kostet, aber eigentlich kann es jeder machen, der darauf Lust hat“, findet Leonard.

Spenden für den Internationalen Freiwilligendienst von Leonard Liebsch

Um Spenden zu sammeln, hat Leonard eine GoFundMe-Aktion eingerichtet. GoFundMe ist eine Crowdfunding-Plattform. Crowdfunding kommt aus dem Englischen und bedeutet Schwarmfinanzierung. Menschen können dort ihre Ideen oder Projekte vorstellen und gleichzeitig um Geld dafür bitten.

https://www.gofundme.com/f/internationaler-freiwilligendienst-bei-cadmus-lifesharing

Den Förderinnen und Fördern können vom IJGD Spendenbescheinigungen ausgestellt bekommen.