Selbstbestimmtheit
: Fahrschule in Fürstenwalde zeigt den Weg zurück zur Mobilität

Umgebaute Autos erlauben Menschen mit Behinderung selbst fahren zu können. Die Oderland Fahrschule bietet Kurse an.
Von
Andreas Schmaltz
Fürstenwalde
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Wieder selbstständig unterwegs: Raik Kryzanowksi kann nach einer Hirnblutung vor zwei Jahren seinen rechten Arm und sein rechtes Bein nicht mehr benutzen. Nun lernt er das Auto mit Linksgas und Infrarotknüppel zu fahren.

Andreas Schmaltz

Bei vielen alltäglichen Dingen ist Kryzanowski auf Hilfe angewiesen. „Manchmal geht es gut, manchmal nicht“, sagt er. Besonders problematisch sei die eingeschränkte Mobilität. Wann immer sie kann, unterstützt ihn seine Tochter, Jennifer Boschan, und fährt ihn zu Terminen. Ein Fahrdienst bringt ihren Vater zu den Therapiestunden. "Sonst kommt er nicht von A nach B“, sagt Boschan. Auch Züge und Busse seien keine Alternative, erklärt die 28–Jährige, denn ihr Vater müsse ja erst mal zur Haltestellen kommen. „Da fängt es schon an“, sagt sie.

Der Umbau kostet 2500 Euro

Die Oderland Fahrschule ist die einzige im Landkreis, die Fahrstunden in einem für Menschen mit Behinderung umgerüsteten Auto anbietet, berichtet Inhaber Günter Wehr. Vor einigen Monaten hat er ein Fahrzeug angeschafft, das mehr Platz bietet und Einstieg für Beeinträchtigte erleichtert. „Viele Menschen mit Behinderung wissen nicht, welche Möglichkeiten des Umbaus es gibt“, sagt er. Wehr hat das Auto für 2500 Euro bei einer Spezialfirma in Berlin umgerüstet — mit einem Metallaufsatz kann das Gaspedal nun nach links verlegt werden, ein Infrarotschaltknauf am Lenkrad macht die Bedienung mit nur einer Hand möglich.

Langsam fährt Raik Kryzanowski das Auto vom Parkplatz. Den Blinker schaltet er mit dem Knauf am Lenkrad ein. Es ist bereits seine vierte Fahrstunde. "Er muss zeigen, dass er die Technik beherrscht und den Verkehrsablauf“, sagt Wehr. Wenn Kryzanowski von seinem Fahrlehrer ein positives Gutachten über seine Fahrtauglichkeit erhält, will er sich sein Auto umbauen lassen. Eine Förderung erhält er dafür nicht. Auch die Fahrstunden muss er selbst bezahlen. Als ehemaliger Selbständiger sei es finanziell schwierig, sagt seine Tochter. Knapp 30 Jahre lang hat Kryzanowski einen Containerdienst in Beeskow betrieben. Für ihn ist es wichtig, nicht den Kopf in den Sand zu stecken. Er will sich wieder hoch kämpfen. Dreimal am Tag geht er zur Therapie. „Wenn es gut läuft, macht er zehn Termine in der Woche“, sagt Boschan. "Er zieht das voll durch“, sagt sie.

Finanzierung ist oft ein Problem

Wehr will Kryzanowski bei der Suche nach einem kostengünstigen Umbau unterstützen, denn er weiß, dass die Finanzierung oft ein Problem ist. Wenn Menschen nach einem Unfall eingeschränkt sind, zahlt meist die Versicherung. Kryzanowski muss selbst dafür aufkommen.

Ute Schmidt von der Förderabteilung der Aktion Mensch rät, sich an die Pflegekasse zu wenden, die fördere zwar zunächst die Herstellung der Barrierefreiheit im häuslichen Bereich, könne mitunter aber auch den Fahrzeugumbau unterstützen. Im Rahmen der Kraftfahrzeughilfe–Verordnung gibt es finanzielle Förderung für die barrierefreie Ausstattung eines Autos. Jedoch haben nur Berufstätige Anspruch darauf. „Da fallen einige Menschen durchs Raster“, sagt Schmidt.