Stadtentwicklung
: Fürstenwalder Heideland wird Bauland

Nach dem Feststellungsbeschluss des Bebauungsplanes „Wohnen im Heideland I“ bleiben die Meinungen der Anwohner geteilt.
Von
Hrvoje Miloslavic
Fürstenwalde
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  • Das lange Warten könnte bald enden: Karl-Heinz Wittig, Ortsvorsteher des Stadtteils Heideland, befürwortet den Feststellungsbeschluss für den Bebauungsplan. Die Bushaltestelle wurde durch Eigeninitiative der Bewohner erkämpft.

    Das lange Warten könnte bald enden: Karl-Heinz Wittig, Ortsvorsteher des Stadtteils Heideland, befürwortet den Feststellungsbeschluss für den Bebauungsplan. Die Bushaltestelle wurde durch Eigeninitiative der Bewohner erkämpft.

    Bettina Winkler
  • Sylvia Kwade Sylvia Kwade

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    Hrvoje Miloslavic
  • Ingo Piltz Ingo Piltz

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    Hrvoje Miloslavic
  • Michael Schneider Michael Schneider

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    Hrvoje Miloslavic
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Gegen Großbaustellen

Den Bebauungsplan begrüßen jedoch längst nicht alle Anwohner. Sorge bereitet etwa die Aussicht auf eine unkontrollierbare Bautätigkeit möglicher Großinvestoren. Anwohnerin Jutta Wunsch brachte entsprechende Bedenken in der jüngsten Ortsbeiratssitzung auf den Punkt. Sie wolle nicht, dass „die anfangen zu bauen wie die Bekloppten“, betonte sie. „Heideland soll Heideland bleiben“, fügte sie hinzu. Als klarer Gegner einer Bebauung positionierte sich auch Christian Vangermain. Der Anwohner befürchtete, dass „alles zerhäckselt und dann vertickt“ werde.

Ein wenig konnte die Ortsbeiratssitzung zur Beruhigung der Gemüter beitragen. Dies legte zumindest der zaghafte Applaus nahe, mit dem die Ausführungen von Bürgermeister Matthias Rudolph und dem Fachbereichsleiter Stadtentwicklung, Christfried Tschepe, bedacht wurden. Anfragen von großen Bauträgern gebe es nicht, versicherte Bürgermeister Rudolph. 90 Prozent der Grundstücke gehörten  kleineren, privaten Eigentümern. Das biete einen gewissen Schutz vor Großinvestoren, befand Rudolph. Für die Stadt seien günstig gelegene Grundstücke für den Bau von Sozialeinrichtungen oder als Ausgleichsflächen von einem gewissen Interesse, räumte er ein. Ein Vorkaufsrecht der Stadt bestehe jedoch nicht. Die Heideländer hätten alles selbst in der Hand. „So, wie Sie zusammenhalten, so wird sich das Heideland auch entwickeln“, sagte Rudolph.

In Sachen Kosten konnte Tschepe Entwarnung geben. Aus dem Bebauungsplan selbst folgten keine automatischen Erschließungskosten etwa für Straßenbau oder Abwasser. Einen Anschluss an das Abwassersystem werde der Zweckverband erst anstreben, wenn sehr viel mehr Nutzer zu verzeichnen wären. „Nicht aber durch den Bebauungsplan selbst“, fügt er hinzu. Automatisiert sei lediglich die Ausgleichszahlung für die Versiegelung von Bodenflächen. Weitere Kosten natur– und tierschutzrechtlicher Art würden erst bei einer Bebauung selbst anfallen, zu der es aber keine Verpflichtung gebe. Die Stadt sei außerdem bereit, mit den Eigentümern darüber zu sprechen, welche Grundstücke oder Teile von Grundstücken überhaupt als Bauflächen vorgemerkt werden, erklärte Tschepe. Grundsätzlich empfahl der Fachbereichleiter, die geänderten landesplanerischen Rahmenbedingungen für den Bebauungsplan Heideland I jetzt unbedingt zu nutzen.

Manche Anwohner scheinen  von dem Thema aber gar nichts mehr wissen zu wollen, wie ein Besuch der MOZ in Heideland zeigte. Er sei an irgendwelchen Bebauungsplänen und Baugenehmigungen nicht mehr interessiert, betonte ein Anwohner auf Nachfrage. Der Mann, der nicht namentlich genannt werden möchte, erinnerte sich noch an die Situation, wie sie sich einige Jahre nach der Wende darstellte. Da seien Investoren aufgetaucht, die Grundstücke in Heideland für fünf Mark pro Quadratmeter aufkaufen wollten. Die Heideländer hätten dies damals aber abgelehnt, sagt er.

Familienzuzug erwünscht

Auf die neue Initiative lege er nun keinen Wert mehr. „Ich bin jetzt über 60 Jahre alt, da brauche ich keine Baugenehmigung mehr“, stellte er klar. Ein anderer Bewohner des Heidelandes teilte diese Haltung nicht. Es sei positiv, dass die Bewohner bald die baurechtliche Möglichkeit bekämen, ihre Grundstücke zu bebauen und auszugestalten. Zu bedenken gab er, dass der Stadtteil den Zuzug von jungen Familien gut brauchen könnte. Eine allzu starke Veränderung strebe er aber nicht an. „Das Heideland soll seinen speziellen Charme behalten“, betonte der Anwohner.