Als über soziale Medien zu der Protestaktion aufgerufen worden war, hätte sich die zuständige Behörde bei ihnen gemeldet und Vorschläge unterbreitet, wie die Versammlungsfreiheit entsprechend der Corona-Regeln auf gesetzlich sichere Füße gestellt werden könnte. Vier Plätze für je 50 Personen standen zwischen Schwanenwiese und Fontanepark in Bad Saarow bereit, für den fünften hatte der private Besitzer kurzfristig keine Erlaubnis erteilt. Zwei Plätze wurden wegen der geringen Beteiligung gar nicht benötigt.
Auf der Schwanenwiese standen die Leute – einige hatten Plakate dabei – in Grüppchen oder saßen auf dem Rasen, als Jörn Fahlisch, Chef des Eventunternehmens "Sonne 3000" per Megaphon begrüßte und kritisierte, dass "eine Grippe wie ein Weltuntergang" bewertet werde. Die Menschen sollten ihren Fokus viel mehr auf den Klimawandel legen, weniger Fleisch essen, denn durch dessen übermäßigen Genuss würden jährlich 300 000 Menschen an Krebs, Diabetes, Schlaganfall und anderen Krankheiten sterben. In 20 Jahren würden die heutigen Kinder nicht nach Covid 19 fragen, sondern: Was habt ihr uns für eine Welt hinterlassen? Als zweite von drei Rednern sprach Anika Wolff. Die 45-jährige alleinerziehende Mutter ist im Gastronomie- und Eventbereich tätig und durch die Corona-Beschränkungen ökonomisch besonders betroffen. Vom Staat habe sie die beantragte Unterstützung noch nicht bekommen. "Da zum jetzigen Zeitpunkt keiner sagen kann, wie gefährlich das Virus wirklich ist, habe ich das Recht darauf, den Verzicht, dem wir ausgesetzt sind, zu hinterfragen", begründete sie ihren Auftritt. "Tausende sterben täglich an Hunger, Suizid und schweren Krankheiten. Die jetzigen Maßnahmen müssen im Verhältnis zu dem stehen, was geschieht. Wir haben kein gesundheitliches, sondern ein politisches Problem."  Unwissen bestimme die Debatte um die Pandemie, mit Angst lasse sich gut regieren und manipulieren.
Am Rande der 45-minütigen Veranstaltung  spielten Olesja Pahl und ihre Tochter Patricia auf der Trompete und auf dem Cello. An ihrer Seite Violetta Liebsch, die in Bad Saarow eine Musikschule betreibt. "Am Montag können wir endlich mit Einzelunterricht beginnen", erzählt sie. Es sei höchste Zeit, dass ihre private Schule wieder arbeiten dürfe. Nur mit der Unterstützung der Eltern habe sie die Durststrecke aushalten können.
Andreas Hartkopf, der "für den Moment" mit der Saarower Veranstaltung "zufrieden" war, kündigte weitere Demonstrationen an, die über die Corona-Debatte hinaus gehen würden: "Wir haben eine verrottete Demokratie. Hier muss was Neues kommen."
Platz am Stern blieb leer
Der Fürstenwalder Platz am Stern blieb am Sonnabendnachmittag trotz des Demo-Aufrufs verwaist. Lediglich eine Handvoll Leute gab sich am Rande zu erkennen, der Aufforderung gefolgt zu sein. Mario Schedl aus Fürstenwalde wollte die aus seiner Sicht drohende Impfpflicht nicht hinnehmen, wolle selbst entscheiden, ob er sich impfen lässt. "Wir sind doch keine Versuchskaninchen", argumentierte er. Mit seiner Begleiterin machte er sich noch auf den Weg zur Demo nach Bad Saarow. Heike Raddatz erwog den Ortswechsel ebenfalls. Die Fürstenwalderin beklagte Panikmache in Hinblick auf den Coronavirus und will das "Aberkennen der Freiheitsrechte" nicht hinnehmen. Damit sich etwas ändert, gehe sie demonstrieren. "Das habe ich auch 1989 getan."