Es scheint das Gesprächsthema Nummer eins in Bad Saarow zu sein: Die Therme führt kinderfreie Tage ein. Und zwar ab 1. September. Dies teilt das Unternehmen auf seiner Internetseite mit. Nicht groß und prominent auf der Startseite, sondern klein bei den Öffnungszeiten. „Adults only“, heißt das Angebot, das an Freitagen und Sonnabenden gelten soll. Konkret bedeutet das: kinderfreie Therme, Einlass ab 16 Jahren.
Seit die Information die Runde macht, gehen bei der Bad Saarow Kur GmbH Anrufe und kritische Mails zu dem Thema ein. Auch vor der Tür sorgen die kinderfreien Tage für Kopfschütteln. „Kinder sind unsere Zukunft, es liegt an der Erziehung, wenn sie sich nicht ordentlich benehmen“, sagt Christian Drechsel. „Dann sollte man vielleicht die Eltern aussperren“, merkt er ironisch an.

Keine Spielmöglichkeiten für Kinder in der Therme

Drechsel und seine Frau Angelika wohnen in Bad Saarow und sind hin und wieder in der Therme. Lärmende Kinder seien ihnen dort noch nicht aufgefallen, merken beide an. „So richtig ist die Therme für Kinder gar nicht geeignet“, findet Angelika Drechsel. „Es gibt keine Spielmöglichkeiten, da können sie sich im Schwapp in Fürstenwalde besser austoben.“
Die Therme Bad Saarow kündigt auf ihrer Internetseite an, dass ab 1. September freitags und sonnabends kinderfreie Tage sind.
Die Therme Bad Saarow kündigt auf ihrer Internetseite an, dass ab 1. September freitags und sonnabends kinderfreie Tage sind.
© Foto: Screenshot: Manja Wilde
„Mir fehlen die Worte, ich finde das unmöglich“, sagt Ines Hauffe, die in Bad Saarow wohnt und mit ihrer 17 Monate alten Enkeltochter Julia unterwegs ist. „Das ist überhaupt nicht familienfreundlich. Ich habe auch Kinder und Enkel in Berlin, die am Wochenende, wenn die Eltern freihaben, gern in die Therme gehen“, berichtet sie. „Wenn die Leute ihre Ruhe haben wollen, können sie doch woanders hingehen, sich ein Plätzchen am See suchen“, pflichtet Brigitte Grabowski aus Fürstenwalde bei. „Vielleicht lässt sich das Problem auch über die Preise regeln, dann kommen Familien bestimmt an Tagen, wo es für sie günstiger ist“, hat Jennifer Anastassiou-Koch, die in Bad Saarow zu Besuch ist, einen Vorschlag.

Geschäftsführer Axel Walter: viele Beschwerden über Kinderlärm

Für Verwunderung sorgt auch, dass diese Entscheidung der Bad Saarow Kur GmbH zuvor nicht öffentlich diskutiert worden ist. Die Gemeindevertreter hätten bereits im Februar von den geplanten kinderfreien Tagen erfahren, sagt Axel Walter, der Geschäftsführer des gemeindeeigenen Unternehmens. Denn in jener Sitzung stellte er im nicht öffentlichen Teil den Wirtschaftsplan vor. Damals sei auch über den Familientarif informiert worden. Der gilt seit April und gewährt Familien montags und dienstags außerhalb der Ferien einen günstigeren Tarif.
Insbesondere an Wochenenden erinnere die Therme jedoch immer mehr an ein Spaßbad, sagt Walter. Es habe zuletzt vermehrt Beschwerden gegeben. „Die Leute wollen Ruhe, dabei geht es nicht nur um Rentner, sondern auch um berufstätige Menschen, die selbst Kinder haben, sich aber mal einen freien Tag zur Entspannung organisieren.“ Er verstehe aber auch Eltern, die mit Kindern kommen wollen. Insofern seien die beiden Erwachsenen-Tage ein Kompromiss. Babyschwimmen, Seepferdchenkurse und Schwimmunterricht würden weiterhin angeboten – zum Teil außerhalb der regulären Öffnungszeiten. Rund 225.000 Gäste würden jährlich die Therme besuchen, sagt Walter, der dort seit 2001 die Geschäfte führt. Rund 20 Prozent, an Wochenenden deutlich mehr, sind nach seiner Schätzung Kinder.

Bürgermeister Axel Hylla: falsche Entscheidung

„Explizit wurde das Thema nicht besprochen, aber es gab mal eine Diskussion zu Kinderfreundlichkeit“, sagt Bürgermeister Axel Hylla (Linke). Ihn würden auch immer wieder Beschwerden über die Therme erreichen, was bei einem so großen Haus nicht verwunderlich sei. „Es hat sich aber nie jemand über Kinder beschwert“, betont Hylla.
Allerdings befinde sich die Therme in einer Umbruchsituation. Der Bürgermeister nennt steigende Energiekosten, steigende Lebenshaltungskosten der Menschen und fehlende Überbrückungshilfen für gemeindeeigene GmbHs. Er persönlich halte die Entscheidung für die kinderfreien Tage dennoch für falsch. „Ich hoffe, dass wir im Aufsichtsrat noch mal darüber reden können“, so Hylla.

Dr. Bernd Gestewitz: Therme soll ein Erholungs- und Ruhebad sein

„Das Wichtigste ist im Augenblick, dass die Therme überlebt. Die kinderfreien Tage sind ein Schritt hin zu den Zielen, die diese Therme hat: ein Erholungs- und Ruhebad zu sein“, sagt Dr. Bernd Gestewitz (Linke), Aufsichtsratsvorsitzender der Bad Saarow Kur GmbH und zugleich Badearzt. „Wir haben vor Jahre die günstigeren Kindereintrittspreise rausgenommen, da gab es auch erst einen Riesenärger“, erinnert er. Der Kinderbereich ist in einen Ruhebereich umgewandelt worden, um Konflikte zu vermeiden. „Wir haben doch in der Nähe das Schwapp, wo Kinder baden und toben können. Die Einrichtungen müssen doch nicht gegeneinander arbeiten“, findet Gestewitz.
Verständnis für die kinderfreien Tage kommt auch aus dem Sport- und Freizeitbad in Fürstenwalde. „Ich denke, dass diese Entscheidung für die Therme und für das Schwapp positive Folgen haben wird“, sagt Schwimmmeister Bodo Schrobitz. „In einer Therme, das sagt der Name schon, soll man sich erholen, dort muss Ruhe und Entspannung herrschen.“ Das Schwapp hingegen sei direkt für tobende Kinder konzipiert. „Und bei Kindern im Wasser, gibt es immer Geschrei“, weiß er.