Tierheim in Fürstenwalde
: Kleine Igel richtig aufpäppeln – die besten Tipps zum Überwintern

Die Igelstation im Tierheim Fürstenwalde sucht dringend Igelpaten. Worauf es ankommt und wann Igel ungemütlich werden.
Von
Cornelia Link-Adam
Fürstenwalde
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So kann es gelingen: Immer mehr Igel werden derzeit ins Tierheim Fürstenwalde gebracht, die Igelstation stößt an ihre Grenzen. Daher werden Igelpaten gesucht. Leiterin Christine Matze erklärt, wie man einen Igel heim gut über den Winter bekommt.

So kann es gelingen: Immer mehr Igel werden derzeit ins Tierheim Fürstenwalde gebracht, die Igelstation stößt an ihre Grenzen. Daher werden Igelpaten gesucht. Leiterin Christine Matze erklärt, wie man einen Igel daheim gut über den Winter bekommt.

Cornelia Link-Adam
  • Die Igelstation im Tierheim Fürstenwalde sucht dringend nach Igelpaten.
  • Viele junge Igel werden untergewichtig abgegeben und brauchen Pflege.
  • Igelpaten benötigen geeignete Räume und spezielle Fütterungstipps.
  • Igel sollten nicht als Haustiere gehalten werden; sie sind Wildtiere.
  • Kontakt: Tierheim Fürstenwalde, Tel. 03361/2862 oder 0170/7893130.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Herbst ist da und mit ihm tauchen traditionell junge Igel auf und suchen Unterschlupf. Ihre Mütter sind oft unter die Räder gekommen, weil sie in der Dämmerung zum Hauptberufsverkehr auf Futtersuche gehen. Und die zurückgelassenen Igeljungen haben ohne Hilfe kaum eine Überlebenschance. Mindestens 500 Gramm sollten sie sich angefressen haben, um geschützt in den Winterschlaf gehen zu können. Aber die wenigsten bringen das auf die Waage.

Doch wie kann man einem Findling helfen? Viele bringen die Stacheltiere ins Tierheim. Auch in Fürstenwalde. Deshalb ist dort die Aufzuchtstation aktuell mal wieder überfüllt. Es werden Igel-Paten gesucht. Aber wer ist für die Aufgabe geeignet und welche Voraussetzungen sollten Igelpaten erfüllen? Tierheim-Chefin Christine Matzke, klärt auf und berichtet vom Alltag auf der Igelstation.

Am Tierheim an der Berkenbrücker Chaussee: Schon im Aufsteller am Eingang wirbt die Igelstation dafür, sich als Igel-Pate einzubringen oder Spenden abzugeben.

Am Tierheim an der Berkenbrücker Chaussee: Schon im Aufsteller am Eingang wirbt die Igelstation dafür, sich als Igel-Pate einzubringen oder Spenden abzugeben.

Cornelia Link-Adam

Viele untergewichtige Tiere abgegeben

„Täglich werden uns untergewichtige Igel gebracht“, so beschreibt sie die derzeitige Lage. Die Notrufe kämen nicht nur aus Fürstenwalde. „Igel-Junge werden uns aus Seelow, Wriezen, Friedland, Bad Saarow und den Dörfern Odervorlands gebracht“, listet Matzke auf. 80 bis 100 Tiere würden so pro Saison zusammenkommen. Aktuell habe sie mehr als 20 Igel in der Einrichtung. 600 Gramm schwere Tiere seien dabei, aber auch Minis, die von Mitarbeitern nun aufwändig mit der Flasche aufgepäppelt werden. Matzke setzt ihre Hoffnung auf Igel-Paten, also Menschen, die einen untergewichtiges Tier in Pflege nehmen und über den Winter bringen wollen.

Neugieriger Geselle: Ein untergewichtiger Igel im Tierheim Fürstenwalde.

Neugieriger Geselle: Ein untergewichtiger Igel im Tierheim Fürstenwalde.

Cornelia Link-Adam

Igel sind keine Haustiere und werden es auch nicht

Eines ist ihr dabei sehr wichtig: „Viele Familien denken, ein Igel ist ein niedlicher Gefährte, doch er wird nie ein Haustier werden“, stellt sie klar. Alle vom Tierheim übergebenen Tiere seien entwurmt und gegen Flöhe und Zecken behandelt. Generell empfiehlt sie, Igel niemals in der Wohnung zu halten. Denn Igel würden zwar süß aussehen, der Urin stinke aber aufdringlich. Nervig sei zudem der markante Igel-Husten, ein Zeichen für Würmer in der Lunge, erklärt die Tierheim-Leiterin. Wichtig für alle, die einen Igel finden: Das Tier nur mit Handschuhen anfassen! Denn das Tier des Jahres 2024 – ist ein Wildtier.

Wer bereit ist, einen Igel aufzunehmen, sollte dem Kleinen einen warmen Platz, möglichst im Haus bieten. Schuppen oder Garage seien zu kalt, meint Matzke. „Ideal wäre ein Heizungsraum oder Hauswirtschaftsraum mit 10 bis 15 Grad.“ Dort sollte man eine Igel-Behausung aufstellen. Igel könnten gut klettern, geeignet sei daher ein Kleintierkäfig oder eine Kiste mit hohem Rand.

So baut man eine ideale Igel-Unterkunft

Der Boden muss mit Zeitungspapier ausgelegt werden und das sei täglich zu wechseln. Als Schlafplatz eigene sich ein Häuschen oder ein kleiner Pappkarton mit Öffnung, gefüllt mit Küchenrolle, Klopapier oder Papierschnipsel. Die Tiere schlafen tagsüber, sind dämmerungs- und nachtaktiv, weshalb sie nicht dem Tageslicht ausgesetzt sein sollten.

Behausung im Tierheim Fürstenwalde: So kann eine Igelbehausung aussehen, damit die Wildtiere gut über den Winter kommen.

Plätzchen im Tierheim Fürstenwalde: So kann eine Igel-Behausung aussehen, damit die Wildtiere gut über den Winter kommen.

Cornelia Link-Adam

Katzenfutter und niemals Kuhmilch

„Der Igel braucht täglich frisches Wasser, niemals Kuhmilch, das führt zu Durchfall“, sagt Matzke. Katzenmilch sei auch verträglich. Gefüttert werde am besten in der Früh und abends. Insgesamt 500 bis 600 Gramm am Tag, so Matzke. Igel bräuchten kein Obst, sondern tierisches Eiweiß, betont sie. Sie empfiehlt Katzenfutter. Anreichern könne man es mit Trockenfutter, Haferflocken, Bananen, gekochten Eiern oder ungewürztem Rührei, auch ungeschwefelten Rosinen. Alternativ gebe es fertiges Igelfutter in Zooläden.

Füttern mindestens bis Weihnachten – dann Winterschlaf

Hat der Igel sein Einschlafgewicht erreicht, wird er aufhören zu fressen und im Häuschen bleiben. Zusammengerollt macht er Winterschlaf. Dann könne man das Tier in seiner Behausung in einen frostfreien, kühleren Raum mit 5 Grad bringen. Aus Erfahrung weiß Matzke, dass der Winterschlaf oft erst an Weihnachten oder Neujahr einsetze.

Blick unters Papp-Haus im Tierheim Fürstenwalde: Igel fühlen sich in Papierschnipseln wohl.

Blick unters Papp-Haus im Tierheim Fürstenwalde: Igel fühlen sich in Papierschnipseln wohl.

Cornelia Link-Adam

Auswildern erst nach dem Frost

Wache der Igel schon im Februar auf, sollte man Wasser und Trockenfutter hinstellen. Wenn die Nächte im Frühjahr frostfrei sind, könne man den Igel aussetzen – möglichst weit weg von der Straße, gern im eigenen Garten. „Igel sind sehr nützlich, halten das Grundstück schneckenfrei. Das ist quasi der Lohn für das Engagement.“

Kontakt zur Igel-Aufzuchtstation

Weitere Informationen gibt es im Tierheim Fürstenwalde unter Tel. 03361/2862 oder 0170/ 7893130 oder per E-Mail unter: komunikationszentrum@matzkeundpartner.de.

Wer keinen Igel aufnehmen kann, hilft den Tieren in der Aufzuchtstation mit Geld- und Futterspenden.