Totensonntag: Viele Fürstenwalder erinnern sich an ihre Verstorbenen
Am Sonnabend Nachmittag ist der Parkplatz vor dem Friedhof–Hauptportal fast bis auf den letzten Platz belegt. Mit Tannengrün, Blumensträußen und Gestecken ziehen die Menschen den Hauptweg entlang. „Ich wollte das Wasser in die Vase machen“, mault ein vielleicht Vierjähriger seinen seinen Vater an einer Wasserstelle an. Der lächelt geduldig und drückt dem Steppke die Friedhofsvase mit einer Rose in der Farbe von dessen dottergelbem Anorak in die Hand.
„Danke für die Zeit mit dir“
Ein paar Meter weiter hockt ein Mann um die 50 Jahre andächtig am geschmückten Grab und raucht eine Zigarette — eine Kiste mit Gießkanne und anderen Utensilien neben sich. Vielleicht musste er seine Frau oder Freundin begraben. 48 Jahre ist sie nur alt geworden, besagen die Jahreszahlen auf dem Grabstein. "Danke für die Zeit mit dir“, ist darunter eingraviert.
Drei Frauen mit kantigen Kurzhaarschnitten, die auf dem Rückweg zum Friedhofsausgang sind, bleiben interessiert stehen. Ein Grab fällt ihnen besonders auf. Statt ein Stein ziert das Erdfeld ein aufgerecktes Holzkreuz mit drei Querbalken – es ist das Symbol der orthodoxen Kirche. An dem Kreuz ist ein großes Porträt der Verstorbenen befestigt, das sie augenscheinlich jung, sehr lebendig und lachend mit einem üppigen Strauß weißer Lilien zeigt. Auffällig an dem Grab ist auch, dass es keinerlei Bepflanzung oder Reisigdecke trägt. Die drei Frauen bleiben eine Weile bedrückt stehen. 44 Jahre ist die Frau auf dem Foto geworden.
Auch auf den anonymen oder teil–anonymen Grabstätten des Friedhofs brennen dutzende Kerzen. Eine Mutter mit ihrer Tochter schreitet zur 2016 eingerichteten Urnenwiese mit Gemeinschaftsgrabsteinen im hinteren Teil des Friedhofes. Sie legen ohne lang zu verweilen ihr Blumengesteck ab. Sicher gibt es auch andere Orte, an denen man der Toten gedenken kann. Es muss nicht der Friedhof sein.
Nicht nur die Besucher haben vor dem Totensonntag die Gräber ihrer Angehörigen und damit den Friedhof verschönert — auch die Stadt Fürstenwalde entwickelt die Anlage an der Friedhofstraße 1 beständig weiter. So lief bis Mitte November eine Ausschreibung auf der Internetseite der Stadt, mit der Firmen gesucht wurden, die das „Band der Erinnerung“ vervollständigen wollen. Etliche Einzelpositionen sind dabei zu erfüllen: Neun Stubben roden, einen Grabstein ausbauen, auf rund 1900 Quadratmetern die Vegetationsschicht abtragen, Schotter ausbauen, Rasengitterplatten abbrechen, aber auch die Fundamente für 15 Namens–Stelen herstellen, drei Wasserzapfstellen versetzen und gut 1800 Quadratmeter Rasen anlegen.
Wandel zur Grünanlage
Insgesamt gehe es um ein Volumen von rund 150 000 Euro, sagt Stadtsprecherin Anne–Gret Trilling. Vergeben seien die Aufträge noch nicht. Laut Ausschreibung sollen die genannten Arbeiten bis Ende April erledigt sein. „Wir wollen den Friedhof mehr und mehr als Grünanlage gestalten“, sagt Anne–Gret Trilling. Schließlich diene er nicht nur zum Betten der Toten und als Ort der Erinnerung, sondern auch als Lebensraum für Eichhörnchen, Vögel und andere Tiere.


