Trockenheit
: Tröpfchenweise Erfrischung aus dem Sack

Nach dem Dürrejahr 2018 will Fürstenwalde mehr Bäume schützen. Trockenheitsschäden gibt es auch im Wald.
Von
Manja Wilde
Fürstenwalde
Jetzt in der App anhören

50 Liter Lebenselixier für Bäume: Der Fürstenwalder Baumsachverständige Thomas Schmidt platziert einen Gießsack.

Manja Wilde

50 Liter Wasser fasst solch ein Behälter, tröpfchenweise gibt er das kühle Nass dann wieder ab. „300 Säcke müssen noch ausgebracht werden“, sagt Schmidt. Insgesamt habe die Stadt in diesem Jahr 400 neue Säcke gekauft und damit ihren Bestand mehr als verdoppelt. Er werde voraussichtlich nochmals 100 bis 200 Stück nachbestellen, sagt der Sachverständige.

Der Vorteil der Säcke: Über Stunden kann das Wasser kontinuierlich in den Boden dringen und durchfeuchtet so die Wurzelballen. Darüber hinaus könnten die Fürstenwalder gern die Bäume vor ihrem Haus, wie auch in den vergangenen Jahren, mit weiteren Wassergaben unterstützen, sagt Schmidt.

Aufgrund des trockenen Sommers 2018 hätten viele Stadtbäume tote Äste. Da diese erst im belaubten Zustand sichtbar sind, erfolgen nun in vielen Straßen mehrfach Kontrollgänge.

Borkenkäfer setzen Fichten zu

Im Wald wird nicht gegossen, Dürrefolgen machen sich aber auch dort bemerkbar. Der die Trockenheit liebende Borkenkäfer setzt den Fichten mächtig zu. Der Befall führe zum Absterben, berichtet Lars Kleinschmidt, Leiter der Landeswaldoberförsterei Hangelsberg. Die Bäume können nicht genügend Harz bilden, um sich gegen den Schädling zu wehren. Der Forst bleibe nur die Fällung, berichtet Kleinschmidt. „Aber je weiter der Absterbeprozess voranschreitet, umso schlechter ist die Holzqualität.“

Dass in der Region nur vier Prozent des Baumbestandes Fichten sind, relativiere das Problem. Trockenheitsschäden, 2018 verursacht, gebe es aber an allen Baumarten. Birken und Kiefern seien massiv betroffen. Auch widerstandsfähigere alte Bäume hätten gelitten. Angesichts der Trockenheit rät Kleinschmidt, auf ausgedehnte Waldspaziergänge zu verzichten, erst recht auf welche mit Zigarette. Es sei geboten, andere auf Fehlverhalten hinzuweisen.

„Die Sprenger laufen auf Hochtouren“, berichtet Peter Koebcke, der Fachberater des Fürstenwalder Regionalverbands der Gartenfreunde. Werde ordentlich gewässert, könnten Kleingärtner mit einer guten Ernte rechnen. Allerdings vermehre sich auch der Buchsbaumzünsler prächtig, dessen Raupen die Pflanzen kahlfressen. Wer ihn loswerden wolle, sagt Peter Koebcke, müsse netzartige Gespinste an den Pflanzen entfernen. Zugleich sei es ratsam, den Boden aufzulockern und Zünsler–Raupen einzusammeln.

Auf die Schifffahrt im Raum Fürstenwalde/Erkner habe die Trockenheit keine Auswirkungen, berichtet Lars Doering, Vize–Chef des Wasser– und Schifffahrtsamtes Berlin. Das liege vor allem daran, dass der Pegel der Spree mit Wehren geregelt werden kann.