Umwelt
: Die Fichte stirbt im Fürstenwalder Stadtforst aus

Rund 500 000 Euro Schaden entstanden dem Fürstenwalder Stadtforst 2019 durch Trockenheit und Schädlinge.
Von
Manja Wilde
Fürstenwalde
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  • Fraßmuster: Borkenkäfer haben die Fichten im Stadtforst sterben lassen. Thomas Weber zeigt ihre Spuren im Revier Kleine Heide. Auf 1,5 Hektar bleiben die Stämme dennoch stehen, weil das Areal vor Jahren als Referenzfläche für eine Wildnisfläche ausgewiesen wurde.

    Fraßmuster: Borkenkäfer haben die Fichten im Stadtforst sterben lassen. Thomas Weber zeigt ihre Spuren im Revier Kleine Heide. Auf 1,5 Hektar bleiben die Stämme dennoch stehen, weil das Areal vor Jahren als Referenzfläche für eine Wildnisfläche ausgewiesen wurde.

    Manja Wilde
  • Frisch gepflanzt: Buchen sollen einen Kiefernbestand verjüngen.

    Frisch gepflanzt: Buchen sollen einen Kiefernbestand verjüngen.

    Manja Wilde
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Thomas Weber stapft über das weiche Moos, hebt lose Rinde vom Holz ab und zeigt auf die Gänge, die Millionen von Käfern hinterlassen haben. „Wo sie fressen, gibt es so gut wie keine Überlebenden“, sagt der Stadtforstdirektor bitter. Das Muttertier frisst den Gang, legt seine Eier ab. Die Larven fressen sich dann durchs Kambrium, die nährstoffreiche Wachstumsschicht der Pflanze. Steht der Baum gut in Saft und Kraft, erstickt sein Harz die Schädlinge. Ist er durch die Trockenheit geschwächt, verhungert er irgendwann selbst.

Schockierende Zahlen

Klimawandel und Schadinsekten haben in Brandenburgs Wäldern riesige Schäden verursacht. Kurz vor Weihnachten stellte Forstminister Axel Vogel (Grüne) den Waldzustandsbericht vor — mit alarmierenden Zahlen. Lediglich 14 Prozent der Waldflächen im Land sind demnach noch gesund, bei den Eichen sind es nur noch acht Prozent, bei Kiefern 17. Ein bisschen verschnupft hört sich Weber an, wenn er feststellt: „Es wäre schön gewesen, wenn der Minister uns als Verband eingeladen hätte, denn die Betroffenen sind die Waldbesitzer.“ Denn Weber ist nicht nur Direktor des Fürstenwalder Stadtforstes, sondern auch der Vorsitzende des Waldbesitzerverbandes Brandenburg.

Und von den rund 1,1 Millionen Hektar Wald, die es in Brandenburg gibt, sind immerhin 650 000 Hektar in privater Hand. Aber nicht nur darum fordert Weber seit langem, dass ein Masterplan für den Wald aufgestellt werden müsse, „der diesen Namen auch verdient“. Immerhin müssten Besitzer motiviert und dabei unterstützt werden, den Waldumbau auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse anzugehen.

Doch zurück zum Stadtforst. Der ist 4730 Hektar groß und gehörte seines Wissens nach nicht zu den Testgebieten, die für den Waldzustandsbericht untersucht wurden, sagt Weber. Den Zustand der Bäume in seinen Revieren schätzt der Stadtforstdirektor als deutlich gesünder ein als den Landesdurchschnitt.

„Die Kronen sind grün, da kann man nicht meckern“, sagt Weber, während sein Wagen an hohen Kiefern vorbeirollt. „70 bis 80 Prozent der Kiefern machen einen guten Eindruck“, ergänzt er. Die Eichen hätten hingegen „deutlich gelitten“. Schwarze Flecken an den Rinden würden darauf hinweisen. „Zirka 10 Prozent der Eichen zeigen Schwäche“, schätzt Weber. Auf etwa 500 000 Euro beziffert er den finanziellen Schaden für das Jahr 2019 im Bestand des Stadtforstes. „Das ist eine ganze Menge, das bräuchten wir für den Waldumbau.“ Vielleicht müsse man künftig schon in 40 Jahre alten Kiefernbeständen die Struktur ändern — doch für solche Entscheidungen brauche es den Masterplan und Förderprogramme.

Buchen und Kastanien gesetzt

Auch ohne Förderung wird im Forst gepflanzt. 2019 aber vergleichsweise wenig. Anfang des Jahres seien es zunächst nur vier bis fünf Hektar gewesen, sagt Weber. „Im Herbst haben wir nachgelegt, weil der Regen kam.“ So setzten Arbeiter im November und Dezember noch einmal auf 12 Hektar Buchen und Esskastanien. „Eine Fläche wurde als Ausgleichsmaßnahme für die Entwicklung einer Gewerbefläche auf der Staatsreserve an der Hegelstraße umgesetzt“, erklärt Weber. Noch stehen die Pflänzchen gut in ihren Furchen unter großen Kiefern. Es sah allerdings auch schon anders aus. Ende 2018 musste Weber feststellen, dass von 30 000 frisch gesetzten Kiefern und 7000 Erlen die meisten vertrocknet waren.