Vereinsleben
: BSG Pneumant Fürstenwalde seit Mitte März ohne Einnahmen

Der größte Sportverein des Kreises leidet unter der Corona-Krise. Anträge auf Unterstützung sind zwar gestellt – Geld ist aber noch nicht geflossen.
Von
Kai Beißer
Fürstenwalde
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Die Sportgeräte stehen für den Mehrspartenverein: 27 Abteilungen zählt die BSG Pneumant Fürstenwalde. Carsten Palwizat, Leiter der städtischen Geschäftsstelle Am Bullenturm der Sparkasse Oder-Spree, hat am Donnerstag einen symbolischen Spendenscheck an Vereins- Chefin Karin Lehmann übergeben.

Kai Beißer

Der Verein betreibt das Pneumant-Sportforum im Süden der Spreestadt. Das Gelände ist von der Kommune gepachtet, Haupteinnahmequelle neben den Nutzungsgebühren, die andere Vereine zahlen, vor allem der Schulsport. Der jedoch liegt schon lange brach – fixe Zahlungen wie etwa Betriebskosten müssen dennoch weiter geleistet werden.

„Vor gut zweieinhalb Wochen haben wir den Antrag auf einen Liquiditätszuschuss bei der Stadt gestellt, bis jetzt aber noch keine Antwort erhalten“, sagt Karin Lehmann. Etwas weiter gediehen ist da die Bewilligung einer Soforthilfe durch die ILB. „Wir müssen noch den Nachweis des wirtschaftliches Geschäftsbetriebes erbringen, aber dann hoffen wir, dass das Geld zeitnah fließt.“ Die Vorsitzende verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass Mitgliedsbeiträge keine Einnahmen im engeren Sinne seien, „da sie steuerfrei sind und deshalb nicht an eine Gegenleistung gebunden. Ich erkaufe mir damit also nicht den Anspruch auf regelmäßiges Sporttreiben.“ Es gebe bei Pneumant nur ein gutes Dutzend Beitragsschuldner. „Die haben wir angeschrieben. Es wäre natürlich schön, wenn sie sich von alleine melden würden, wenn sie Problemen haben.“

Spende von der Sparkasse

In einer solchen Situation ist es umso wichtiger, dass der Verein auf die Unterstützung durch die Sparkasse Oder-Spree bauen kann. Diese hat am Donnerstag in Person von Carsten Palwizat, dem Chef der Fürstenwalder Haupt-Geschäftsstelle Am Bullenturm, einen symbolischen Scheck von 4000 Euro übergeben. Das Geld ist eigentlich für die Ausrichtung der traditionellen Sportveranstaltungen gedacht und zum Teil auch schon ausgegeben. Aber seit dem Drachenboot-Indoor-Cup Ende Februar hat es keine solche Veranstaltung mehr gegeben, wurden diese zudem bis über den Sommer hinaus abgesagt. Betroffen sind zum Beispiel das Rad-Kriterium, das am Sonnabend hätte stattfinden sollen, das Füwa-Race – die für Anfang Juni geplante 18. Drachenboot-Regatta – und das Pneumant-Sportfest. „Umso mehr sind wir natürlich froh, dass wir das Geld trotzdem einsetzen dürfen, jetzt also für das pure Überleben des Vereins“, betont die BSG-Vorsitzende.

„Es ist eine schwierige Zeit, das merken wir in unserem täglichen Geschäft. Als Sparkasse wollen wir ein Zeichen setzen: Wir müssen gemeinsam da durch, aber zusammen schaffen wir das“, sagt Palwizat.

Der 40-Jährige, der in Petersdorf bei Saarow wohnt und seit 2017 Geschäftsstellenleiter in der Spreestadt ist, geht normalerweise zweimal pro Woche ins Fitnessstudio. „Zuletzt bin aber notgedrungen aufs Fahrrad umgestiegen – einmal um den Scharmützelsee in einer Stunde und15 Minuten. Mit ein paar Wald-passagen“, fügt er hinzu.

Derweil hoffen die Corona-geplagten Pneumant-Sportler natürlich, dass sie entsprechend den Lockerungs-Plänen Schritt für Schritt das Training wieder aufnehmen können. „Die Gymnastik-Damen um Cordula Bienecke-Bittner haben heute früh schon nachgefragt. Sie wissen, dass sie zwar nicht in die Halle und auch den Sanitärbereich nicht nutzen dürfen. Aber sie wollen ab dem 15. Mai ihr Training dann eben nach draußen verlegen“, sagt Karin Lehmann über die „Sport-Ladys“, wie diese sich nennen.

Sand für den Beachplatz fehlt

Auch die Volleyballer würden am liebsten bald wieder loslegen. Zwar nicht drinnen, sondern auf dem neuen Beachplatz im hinteren Bereich des Sportforums. Der Boden ist auch bereits ausgehoben, Netze und Pfosten sind angeschafft – „aber es fehlen 3000 Euro für den Sand, einen ganz speziellen Kies, und dessen Transport“, erläutert der stellvertretende BSG-Vorsitzende Ulf Andres. „Und einen Sponsor findet man in der jetzigen Situation eben nicht.“

Andere Abteilungen, wie etwa die Drachenbootsportler, sind von den Verfügungen abhängig, die das Land, der Kreis sowie die Verbände erlassen. „Der Kanuverband zum Beispiel sagt, Training ist in einer Gruppe von maximal fünf Personen zulässig, wobei der Übungsleiter dazuzählt. Allein um ein Drachenboot zu Wasser zu lassen, braucht es aber mindestens sechs bis acht Leute“, verweist Andres auf eines der objektiven Probleme.

Vereine in Zahlen

Die BSG Pneumant Fürstenwalde, die 2019 ihr 70-jähriges Bestehenfeierte, zählt 2758 Mitglieder (Stand Januar 2020), die in 27 Abteilungen Sport treiben, und gehört damit zu den größten Mehrspartenvereinen,die im Landessportbund organisiert sind. Die laut LSB-Statistik mitgliederstärksten Vereine sind der SC Potsdam (5548), der Brandenburgische Präventions- und Rehabilitations-Sportverein mit Sitz in Cottbus (4480) sowie der Turn- und Sport-verein Falkensee (4133).⇥red