Sie wünscht sich, dass das Land Brandenburg einen Masterplan zum Thema Grundwasser entwickel, der festlegt, wer wie viel Wasser fördern darf. Und, dass es zumindest einen Überblick über die Vorräte erlangt. Denn das Land wüsste derzeit nicht, wie viel Grundwasser vorhanden sei oder entnommen werde. "Daseinsvorsorge hat Priorität", sagt Görsdorf. Die Versorgung der Menschen müsse vor den Anforderungen von Landwirtschaft und Industrie stehen. "Die Siedlungswirtschaft und ihre Probleme werden politisch nicht so wahrgenommen", sagt sie. "Es darf nicht sein, dass Bürger, Landwirtschaft und Industrie um das Wasser kämpfen."
Wasserverbrauch gestiegen
Konkrete Angaben zu Grundwasserständen kann auch die untere Wasserbehörde des Landkreises Oder-Spree nicht geben. Die Beobachtung der Grundwasserstände liege im Aufgabenbereich des Landesamtes für Umwelt, erklärt Sachgebietsleiter René Carouge. "Klar ist jedoch, dass die Verringerung der Jahresniederschlagssumme zu einer Verringerung der Grundwasserneubildung führt", sagte er. Vom Land selbst gab es bis Redaktionsschluss diesbezüglich keine Rückmeldung.
Der Zweckverband fördert in normalen Jahren 1,6 bis 1,7 Millionen Kubikmeter Grundwasser pro Jahr. In den beiden Dürrejahren waren es mehr als zwei Millionen. "2018 und 2019 haben wir Wassermengen gefördert, die hatten wir noch nie", bekräftigt Görsdorf. Einen halben Meter schwankt der Pegel des Grundwassers in der Region. Im Sommer sinkt er ab, im Winter füllen sich die Vorräte wieder auf. Dass der Pegel langfristig fällt, kann der Zweckverband noch nicht feststellen. "Das Mittel hat sich immer wieder aufgefüllt im Winter", erklärt Görsdorf. Doch weitere Trockenjahre könnten das ändern.
Wie viel des Grundwassers aber tatsächlich jedes Jahr entnommen wird, bleibt unklar. Denn im Berliner Urstromtal, in dem Fürstenwalde liegt, gibt es eine Besonderheit. "Viele haben eine Eigenversorgung mit Wasser", sagt die Technische Geschäftsführerin des Zweckverbands. Nutzen ihre eigenen Brunnen, um bei Trockenheit zu gießen. Der Mehrverbrauch lässt sich also nicht mit der Fördermenge des Verbands gleichsetzen. Im Kreis Oder-Spree hat die untere Wasserbehörde allein 2019 76 Verfahren zur Genehmigung von Brunnen durchgeführt.
Brunnenbauer Andres Nielsen aus Fürstenwalde bestätigt den Bedarf der Bürger. "Aufgrund der Trockenheit haben wir mehr zu tun als in den vergangenen Jahren", erklärt er. Aufträge kämen hauptsächlich von privaten Haushalten, aber es gebe auch Anfragen von Firmen.
Viele Brunnen in Fürstenwalde
Gerade in Fürstenwalde gebe es viele Brunnen, sagt Nielsen. Das sei zum Teil historisch bedingt. "In den 1950er-Jahren war Fürstenwalde Süd nicht an die Trinkwasserversorgung angeschlossen", erklärt der Brunnenbauer. Die Leute hätten ihre eigene Wasserversorgung mit Brunnen und Handpumpen genutzt. Bei seinen Bohrungen hat Nielsen nur eine unwesentliche Absenkung des Grundwasserspiegels festgestellt. Kritisch werde es aber immer dort, wo es zuvor schon schwer gewesen sei, an Wasser zu gelangen.

Zweckverband Wasserversorgung Fürstenwalde