Aber Ruhe herrschte dort genau genommen in letzter Zeit nicht wirklich. Repowering war angesagt, das heißt, alte Anlagen wurden durch neue, höhere und damit effektivere ersetzt.2019 war zudem ein Jahr der Vorbereitung auf einen neuen Boom. Nicht nur bei Investoren. Gemeindevertreter diskutierten darüber in zahlreichen Gremien und fassten Beschlüsse.
Seit der neue Teilregionalplan der Planungsgemeinschaft Oderland-Spree, zur der die Kreise Märkisch Oderland und Oder-Spree sowie Frankfurt gehören, im Oktober 2018 beschlossen wurde, steht fest wo Windkraftanlagen gebaut werden können. 33 sogenannte Eignungsgebiete mit insgesamt 7378 Hektar Fläche wurden ausgewiesen, insgesamt macht das nur 1,62 Prozent der Fläche der Region aus. "Das ist das, was nach den vorgegebenen Kriterien und der Verträglichkeit für Bewohner und Umwelt möglich ist", sagt Wolfgang Rump, der Leiter der Regionalen Planungsstelle.  Im Wirtschafts- und Energieministerium hat man für Oderland-Spree ein "Zubaupotential" von 403 Windenergieanlagen berechnet. Rumpf sagt, dass es in der Region bislang 406 gibt und 48 weitere bereits genehmigt und für 72 die Verfahren laufen.
Das trifft auch für die Parks in Odervorland zu. Jacobsdorf wir mit 11 weiteren Mühlen erweitert, für Biegen sind laut Energie- und Klimaatlas Brandenburg 17 in Vorbereitung d.h. Im neuen Gebiet zwischen Beerfelde und Buchholz sind 22 avisiert.  Das sind beispielhaft drei von 33 Gebieten. Lohmann ist froh, dass es jetzt mit dem Bauen weitergehen kann. Ursprünglich lieferten die ersten Anlagen im Windpark Jacobsdorf 17 Millionen Kilowattstunden (KWh) im Jahr, berichtet er. Durch Erweiterung und das Repowering sei man jetzt bei 200  Millionen KWh. Und wenn die 11 neuen stehen, würden es 320 Millionen KWh sein. Die Steigerung ist nicht nur durch mehr Anlagen möglich, sondern durch neue, größere. Vier der elf werden 230 Meter hoch sein und 4,5 Megawatt Nennleistung haben, die restlichen erreichen mit einer Höhe von 240 Metern sieben 5,6 MW.   Vor zehn Jahren jubelte die Windkraftbranche noch über Mühlen, die die zwei Megawatt leisten konnten.
Für die  E.dis bedeutet diese Entwicklung ein teures Investitionsprogramm. "Wir erfahren von den potentiellen Betreibern der Anlagen, wo sie was planen, welche Anforderung dadurch auf das Netz zukommen" sagt Frank Guderian, Leiter Betrieb Verteilnetze. Dafür werden Netzberechnungen angestellt. Die mögliche Kapazität wird unter anderem durch Querschnitt der Leitungen, Leitungsfähigkeit der Trafostationen und der Umspannwerke bestimmt.
Wenn die Kapazität nicht ausreicht, werde sie ausgebaut. "Wir sind verpflichtet, sie zur Verfügung zu stellen", so Guderian.  Mitunter sind sogar neue Umspannwerke notwendig, die dann mindestens fünf Millionen Euro kosten. Schon das bei Briesen wurde wurden vor Jahren vor allem für den wachsenden Windpark Jacobsdorf gebaut.
Bislang hat die E.dis in diesem Jahr allein für die Bereiche Beeskow und Fürstenwalde rund 2,8 Millionen Euro für den die Verstärkung und den Ausbau des Netzes vorgesehen, damit die Versorgungssicherheit gegeben ist. Unter anderem werden etliche neue "intelligente" Ortsnetzstationen und größere Schaltstationen, die Netzknoten bilden, gebaut. Etwa die gleiche Summe werde durch die Kundenanforderungen noch hinzukommen, wenn klar ist, wo welche in Betrieb gehen, erklärt Guderian. Jordan ergänzt: Insgesamt investiere die E.dis in diesem Jahr in ihr Netz, das von der Ostsee bis vor die Tore des Spreewalds reicht, rund 100 Millionen Euro. Die Hälfte davon sei für erneuerbare Energie.
Die E.dis muss aber nicht nur investieren, sie muss auch mit der speziellen Art dieser Energie umgehen. Denn das Angebot der Energie aus Wind und Sonne stimmt weder regional noch landes- oder europaweit dem Leistungsbedarf überein. Die vom Wetter abhängigen Schwankungen bei der Einspeisung ins Netz und die tages- und jahreszeitlich unterschiedliche Abnahme durch Verbraucher werden in der Netzzentrale geregelt. Wer im Internet  "Netzampel.energy" aufruft, kann das übrigens aktuell verfolgen. Weht zu viel Wind müssen die Anlagen auch mal reduziert oder abgeschaltet werden.

2680 Windkraftanlagen ersetzen Jänschwalde

Das Jahr hat 8760 Stunden. Durch die Abhängigkeit vom Wind kamen Winkraftanlagen in den vergangenen zehn Jahren durchschnittlich auf 1660 Volllaststunden. Daraus ergibt sich ein Nutzungsgrad von 18,95 Prozent.  Modernere Anlagen sollen eine Nutzungsgrad von über die 20 Prozent erreichen. Zum Vergleich: ein Kernkraftwerk erreicht 92 Prozent, ein Braunkohlekraftwerk rund 85. Die Nennleistung des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde, dass bis 2028 vom Netz gehen soll,  lieferte 2018 rund 19 500 Gigawattstunden. Allein um die Stromlieferung von Jänschwalde zu ersetzen, bräuchte man rein rechnerisch 2680 der derzeit modernsten Windkraftanlagen. US