Vorgestellt: Upcycling-Künstler hat Faible für altes Holz

Upcycling-Künstler aus Braunsdorf: Christopher Brandt liebt Materialien mit Verschleißerscheinungen, alte Fenster und altes Holz.
Ruth BuderDer ausrangierte, etwa 15 Meter lange Kühlanhänger steht schon auf dem Gelände der Yak-Plantage am Ortsrand von Braunsdorf. In dem Wagen, mit dem einst Obst und Gemüse transportiert wurden, will Christopher Brandt sich eine Wohnung für seine Familie einrichten. Mit Küche, Schlafraum und Bad. „Und alles mit gebrauchten Sachen und aus gutem, altem Holz“, erklärt der 32-jährige Fürstenwalder. Er versteht nicht, warum so viele Leute scheinbar Nutzloses wegwerfen, anstatt es auf- oder umzuarbeiten. „Man spart Geld und ist mit diesen Sachen einmalig, ganz individuell. Man muss sie einfach mit anderen Augen ansehen. So abgenutzt, wie man es gefunden hat, kann es doch keiner herstellen.“
Inzwischen hat Christopher Brandt seine Lebensphilosophie zum Beruf gemacht, mit dem er auch Geld verdienen kann. Schließlich hat er eine Familie zu versorgen, sein Sohn Bruno ist gerade mal neun Monate alt. Vor zwei Jahren gründete er seine Firma „Fundstück“, spezialisiert hat er sich auf Vitrinen aus altem, gut abgelagertem Holz und ausrangierten Fenstern, von deren Rahmen die weiße Farbe blättert.
Freundin brachte ihn auf Idee
Auf die Idee, mit vom Alter gezeichnetem Holz zu arbeiten, kam er über seine Frau Francesca, eine Italienerin, die er bei einer Party in Berlin kennengelernt hat. Sie erzählte ihm, dass es in Italien richtig teuer ist, sich einen Fußboden aus alten Dielenbrettern einbauen zu lassen. Ein Trend, der auch in Deutschland angekommen ist. Je älter und mit einigen sichtbaren Verschleißerscheinungen, desto stilvoller. „Altes Holz hat mich aber schon immer interessiert“, erzählt Christopher Brandt. „Schon als Student – ich habe bis 2014 Sozialpädagogik in Potsdam studiert – baute ich aus dem Vollholz, das ich auf der Straße gefunden habe, meine Möbel.“
Einrichtung: Marke Eigenbau
In seiner Wohnung in Fürstenwalde ist das meiste Marke Eigenbau: die Küche, der Schreibtisch, die Betten und auch die Kunststofffensterbretter hat er mit Holz ausgetauscht. Alle Kenntnisse, die er zur Holzbe- und -aufarbeitung braucht, hat er sich selbst angeeignet. „Deshalb nenne ich mich auch nicht Handwerker. Ich bin beim Finanzamt als Künstler registriert.“
Handwerker mit dem Druck auf Kosten und Termine möchte Christopher Brandt auch nicht sein. „Ich möchte noch Zeit haben in meinem Leben, möchte mich um meinen Sohn kümmern können, lesen und immer wieder Neues hinzulernen.“ Arbeiten nimmt er nur auf Bestellung an, wenn es zu viel wird, sagt er Nein. Nebenher hat er noch einen 400-Euro-Job im Fürstenwalder Waldkindergarten, den er mitgegründet und in dem er etliche Jahre als Geschäftsführer gearbeitet hat.
Die Idee, in der Eisenbahnstraße ein Möbelcafé einzurichten, scheiterte am Geld: „Die Mieten sind hier einfach zu hoch.“ In seiner großen Werkstatt in Braunsdorf trägt der Upcycel-Künstler das Material zusammen, das andere weggeworfen haben. Er ist auch bereit, aus seinem „Altbaumarkt“ Material an Leute zu verkaufen, die selber aufarbeiten und bauen möchten. „Jeder hat irgendwo einen Schatz im Keller, aus dem man noch was machen kann.“
Sommerküche und Plumsklo
Einen guten Draht hat Brandt inzwischen zu dem Betreiber des Yak-Parkes in Braunsdorf, Servet Asmadiredja, der auf zwölf Hektar Brachfläche Menschen alternative Wohnmöglichkeiten anbietet, auch übers Internet. Zum Beispiel in ausrangierten Bauwagen, die Christopher Brandt aufmöbelt und in ein gemütliches, aber bescheidenes Quartier inmitten der Natur verwandelt. Hier auf der weiträumigen Plantage mit Sommerküche und Plumsklo zu wohnen, könnte sich auch Christopher Brandt vorstellen. Man darf gespannt sein, wenn sein Kühlanhänger, der jetzt wie ein Stilbruch in der Landschaft erscheint, sich harmonisch in die Braunsdorfer Idylle einfügt.