Warnstreik in Oder-Spree
: Geringe Auswirkungen in Fürstenwalde, kaum Busse in Beeskow

Während der Streik im öffentlichen Nahverkehr Fürstenwalde wenig beeinträchtigte, herrschte am Busbahnhof Beeskow gähnende Leere.
Von
Joachim Eggers,
Jens Olbrich
Fürstenwalde/Beeskow
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Streikende Busfahrer am BOS-Standort in Fürstenwalde: Sie stehen hinter den Forderungen der Gewerkschaft Ver.di.

Streikende Busfahrer am BOS-Standort in Fürstenwalde: Sie stehen hinter den Forderungen der Gewerkschaft Verdi.

Joachim Eggers
  • Warnstreik im ÖPNV am Montag (2. Februar) mit gemischten Folgen in Oder-Spree.
  • In Fürstenwalde lief Stadtverkehr weitgehend: Linien 411, 412, 413 fuhren.
  • Beeskow: Busbahnhof fast leer; kalter Wind, kaum Fahrgäste, wenige Subunternehmer-Busse.
  • PlusBus 400, 435, 440 und Linie 437 laut Streikfahrplan bedient; Ferien dämpfen Auswirkungen.
  • Streikende fordern bessere Bezahlung, weniger Arbeitszeit; Kritik an Dienstplanung in Fürstenwalde.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Wir sind ganz normal mit dem 411er gefahren, er kam nur ein wenig später.“ So wie diesem Paar, das am Bahnhof Fürstenwalde auf den RE1 in Richtung Frankfurt (Oder) wartet, ist es am Montagmorgen (2. Februar) vielen gegangen, die in Fürstenwalde auf den Bus warteten: Er kam. Gegen 9.30 Uhr fuhr am Bahnhofsvorplatz, wie immer zur vollen und zur halben Stunde, ein Schwung der roten Fahrzeuge ein: die Linien 411, 412, 413 – mehr, als am Bussteig Platz haben.

Auf dem Bahnsteig in Richtung Berlin kommt wenig später ein Paar an, das ebenfalls vom Streik nicht betroffen ist: „Wir sind mit dem Zug aus Bad Saarow gekommen.“ Eine andere Frau läuft ohnehin regelmäßig zum Bahnhof: „Das ist gesünder.“ Der bundesweite Warnstreik im öffentlichen Nahverkehr, zu dem die Gewerkschaft Verdi für Montag aufgerufen hat, störe sie nicht, solange Odeg und S-Bahn fahren – letztere wird in den nächsten Wochen wegen der Sperrung der RE1-Linie zwischen Erkner und Berlin benötigt.

Ein Streikfahrplan, den die Busverkehrsgesellschaft Oder-Spree (BOS) für den Tag veröffentlicht hat, sieht vor, den Stadtverkehr Fürstenwalde auf den oben genannten Linien in großen Teilen aufrechtzuerhalten. „Im Stadtverkehr fährt alles normal“, sagt auch ein Busfahrer zwei Stunden später, ebenfalls am Bahnhof. Mit dem Streikfahrplan werden außerdem die wichtigen Plusbus-Linien 400 (Eisenhüttenstadt–Beeskow), 435 (Fürstenwalde–Storkow) und 440 (Fürstenwalde–Beeskow) sowie die Buslinie 437 (Fürstenwalde-Tesla-Erkner) bedient.

Ein Teil dieser Leistung ist Subunternehmen zuzuschreiben, die für den BOS tätig sind. Das ist am Bahnhof in Beeskow zu besichtigen. Dort liegen die Bussteige am Morgen verlassen da. Kalter Wind weht bei minus sieben Grad um die menschenleeren Überdachungen, auf den meisten Anzeigetafeln der Steige steht unter der Abbildung einer Uhr: „Bitte Aushangfahrplan und Wagenbeschilderung beachten.“ Gänzlich verwaist war der Beeskower Busbahnhof dennoch nicht, abseits steht ein Bus der Firma Halbasch Reisen Lieberose, dessen Beschriftung das Fahrzeug als Linienbus kennzeichnet.

Gähnende Leere am Busbahnhof in Beeskow am Montagmorgen (2 Februar). Nur wenige Busse fahren.

Gähnende Leere am Busbahnhof in Beeskow am Tag des bundesweiten Warnstreiks im ÖPNV. Nur wenige Busse fahren.

Jens Olbrich

Der Fahrer hat es sich bequem gemacht, wartet offenbar auf seinen Einsatz. Im nächsten Moment nähert sich ein Bus der Firma Schneider aus Herzberg – ebenfalls als Linienbus gekennzeichnet. Der Bus bedient die Linie 440 als PlusBus. Fahrgäste steigen nicht zu, im Bus sitzen wenige.

Dass der bundesweite Streiktag in Brandenburg in die Schulferien fällt, dämpft die Auswirkungen. Das erkennen auch diejenigen, die sich als Streikende um ein wärmendes Holzfeuer aus einer Tonne versammeln, vor dem Standort des bestreikten Busverkehrs Oder-Spree in Fürstenwalde an der James-Watt-Straße. Nur sechs Fahrzeuge des BOS seien auf den Straßen unterwegs, sagt einer der Fahrer. Dass es Kollegen gibt, die sich dem Ausstand nicht anschließen und dazu beitragen, den Streikfahrplan zu ermöglichen, führt ein anderer auf Veränderungen in der Belegschaft zurück, mit vielen Beschäftigten von außerhalb, auch aus Polen.

Trotz Streik fast wie immer: Bild am Montagvormittag am Bahnhofsvorplatz in Fürstenwalde.

Trotz Warnstreiks fast wie immer: Vom Bahnhofsvorplatz in Fürstenwalde fuhren Busse

Joachim Eggers

Die Versammelten frieren an diesem Tag für die Forderungen der Gewerkschaft, nach besserer Bezahlung und weniger statt mehr Arbeitszeit, gegen die von den Arbeitgebern verlangten Einschnitte beim Krankengeld und bei Überstunden.

Dass es daneben große Probleme in der betrieblichen Praxis der Busverkehrsgesellschaft Oder-Spree, speziell am Standort Fürstenwalde, gebe, schildert detailliert einer der Streikenden: Uwe Gebhardt, auch stellvertretender Vorsitzender des Betriebsrats. Er leitet das Gremium derzeit. Gebhardt spricht über die ungünstige Verteilung der Dienstzeiten. Sie führe dazu, dass am Standort Fürstenwalde jeden Monat 25 bis 30 geplante Überstunden für jeden Kollegen anfallen, während die Fahrer an anderen Standorten zu wenige hätten. Das ließe sich nach seiner Aussage allein durch eine bessere Dienstplanung lösen. „Das hat aber nichts mit unseren heutigen Forderungen zu tun“, stellt Gebhardt klar.

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