In der heutigen digitalen Welt mutet die Apparatur an wie aus der Zeit gefallen, und tatsächlich ist sie das auch, denn seit 30 Jahren wird sie nicht mehr genutzt. Reinhard Sauer sitzt im Bunker Fuchsbau in Petersdorf bei Bad Saarow vor einem Pult mit einem Radioempfänger, einer Wählscheibe, einem Handapparat und einer Reihe von Knöpfen. Seinen rechten Zeigefinger bewegt er in Richtung eines Tasters mit der Aufschrift „FFO“. „Wenn früher hier gedrückt wurde, gingen im gesamten Bezirk Frankfurt (Oder) alle Sirenen an“, erläutert er. Auf anderen Knöpfen stehen andere Abkürzungen – für jeden der 15 Bezirke der DDR eine. 1971 wurde in der DDR ein wöchentlicher landesweiter Probealarm eingeführt, immer mittwochs um 13 Uhr. Gesteuert wurde er aus Petersdorf. Sauer erinnert daran anlässlich des ersten bundesweiten Warntages am Donnerstag, bei dem um 11 Uhr in ganz Deutschland alle Sirenen zur Probe ertönen. „Für Menschen, die in der DDR aufgewachsen sind, ist das nichts Neues“, sagt Sauer.

Von den Nazis errichtet, von der DDR erweitert

Der Neu Golmer kennt sich aus im Bunker. Er leitet Führungen durch die riesige unterirdische Anlage, die von den Nationalsozialisten errichtet, von der DDR erweitert und nach kurzzeitiger Nutzung durch die Bundeswehr 1994 außer Dienst gestellt wurde. Seit der Fürstenwalder Frank-Peter Schmidt den Bunker samt dem umliegenden Gelände vor Jahren erwarb, ist die Anlage im Rahmen der Führungen wieder öffentlich zugänglich.
Sauer steuert mit den Gästen dann auch einen kleinen Raum im Altbau an, in dem sich ganz unscheinbar die Warn- und Alarmzentrale WAZ befand. Zwei Pulte, vier Kassettengeräte, mehr gibt es dort nicht. „Die WAZ ist nahezu unverändert erhalten“, sagt Sauer. Es fehle lediglich ein Tresor, in dem vorgeschriebene Nachrichten hinterlegt waren. Der WAZ kam die Funktion zu, die Bevölkerung vor Luftangriffen und dem Einsatz von ABC-Waffen zu warnen: Im Bunker Fuchsbau fand durch die Nationale Volksarmee der DDR die zentrale Überwachung des Luftraumes statt.

Einwählen in Rundfunkprogramme möglich

Die Möglichkeiten der WAZ beschränkte sich nicht nur darauf, Sirenen auszulösen. Am zweiten, kleineren Pult in dem Raum befindet sich neben Knöpfen auch ein Mikrofon. „Von hier aus konnte man sich in alle Rundfunkprogramme der DDR einwählen, erläutert Sauer. Bei seinen Führungen spielt er in der WAZ eine Kassette ab. „Achtung, Achtung. Wir unterbrechen das aktuelle Programm für eine wichtige Durchsage. Der nationale Verteidigungsrat beim Ministerrat der Deutschen Demokratischen Republik gibt bekannt, dass für das Hoheitsgebiet der Deutschen Demokratischen Republik die allgemeine Mobilmachung ausgerufen wurde ... Verlassen Sie nicht unnötig Ihre Wohnung oder Ihren Arbeitsplatz. Lassen Sie Rundfunk- und Fernsehgeräte für weitere Informationen eingeschaltet“, heißt es darauf.

Spannung am Warntag in Trebus

Heutzutage sind nicht nur Mitteilungen über den Rundfunk möglich; auch Warn-Apps für das Smartphone wie NINA und KatWarn gibt es. Wo überall am Donnerstag um 11 Uhr Sirenen losgehen, ist gar nicht ganz klar. In Fürstenwalde etwa sind bis auf die Anlage in Trebus alle Sirenen seit Jahrzehnten abgebaut, wie die Stadt mitteilt. Die Alarmierung der Feuerwehrleute erfolge seit rund 20 Jahren über digitale Meldeempfänger. Ob die Sirene in Trebus am Donnerstag erklingt, sei selbst für die Fürstenwalder Feuerwehr spannend. „Aus unserer eigenen Alarmierungskette wurde sie vor Jahren rausgenommen. Es kann jedoch sein, dass sie bei einer überregionalen Warnung von anderer Stelle angesteuert werden kann“, sagt Stadtsprecherin Anne-Gret Trilling.


Bunkerführungen

Die zweieinhalbstündigen Führungen durch den Bunker Fuchsbau finden immer sonnabends ab 10 Uhr statt. Die Teilnahme kostet für Erwachsene 20 Euro.

Wegen der Pandemie können an jeder Führung nur maximal zehn Personen teilnehmen, es muss eine Schutzmaske getragen werden. Eine Anmeldung ist erforderlich (Telefon 0162 9598011).

Für den Rundgang wird warme Kleidung empfohlen. Im Bunker herrschen ganzjährig Temperaturen von 10 bis 13 Grad Celsius.