Wirtschaft: KWU fährt bei Entsorgung von Bio-Müll am Limit

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pixabay277 neue Bio-Tonnen stehen seit einigen Tagen in Müllrose. Diese Erweiterung des Modellprojekts ist die vorerst letzte. „Uns fehlen Entsorgungsanlagen, zu denen wir Bioabfälle bringen können“, sagte KWU-Werkleiterin Sölve Drawe am Dienstagabend im Werkausschuss. Der Inhalt der Müllroser Tonnen landet in einer Anlage in Frankfurt. „Außerdem nutzen wir eine Entsorgungseinrichtung in Hennickendorf“, ergänzte die Werkleiterin am Mittwoch. Allerdings sei die verkauft worden, ende der Vertrag des KWU Ende 2019, sei offen, wie es weitergehe. „Der Engpass ist im Land bekannt, aber wir haben ein Gesetz, nach dem wir Bio-Abfälle getrennt sammeln müssen“, verdeutlichte Sölve Drawe. Insgesamt sind derzeit rund 9300 Bio-Tonnen im Umlauf.
Doch Bio-Müll ist nicht die einzige Sparte, die dem KWU Sorgen bereitet. Eine weitere sind teerhaltige Produkte. Seit August 2018 ist für jede Charge zu prüfen, ob der Inhalt mit Asbest- und künstlichen Mineralfasern belastet ist. Das ist teuer. „Ein Mitarbeiter eines Ingenieurbüros steigt in Vollmontur in den Container und zieht Proben“, erklärt René Schardin, Fuhrparkleiter des KWU. Je nach Testergebnis wird der Müll verbrannt oder muss, wenn er mit Asbest und anderen Schadstoffen belastet ist, „unter Tage verbracht werden“, sagt Schardin. Letzteres treibt die Kosten nach oben. Das schlägt sich in den Gebühren nieder. Lagen diese Mitte 2018 noch bei 184,75 Euro je Tonne, sind es seit Januar 2019 bereits 649,52 Euro je Tonne. Die Folge: Es gibt mehr Menschen, die alte Dachpappe illegal im Wald entsorgen. Aus dem Bereich Grünheide seien ihm Fälle bekannt, sagt Schardin. Die Kosten für diesen herrenlosen Müll trägt letztlich die Allgemeinheit. Um seine Ausgaben zu decken, legt das KWU sie um.
Aktuell verfügt das Unternehmen über einen Finanzmittelbestand von 18 Millionen Euro. Bis Ende 2019 sinkt dieser laut Wirtschaftsplan auf 11,6 Millionen Euro. Zum einen soll die Abdeckung der Deponie in der Buchwaldstraße in Eisenhüttenstadt beendet werden – 6,2 Millionen Euro kostet das 2018 begonnene Projekt insgesamt, inklusive 1,2 Millionen Euro Fördermitteln. Außerdem bekommt der alte Bereich der Deponie „Alte Ziegelei“ eine Endabdeckung. „Da sind wir in der Planungsphase“, sagt Sölve Drawe. 3,9 Millionen Euro sind dafür 2019, jeweils 4,6 Millionen in den beiden nächsten Jahren eingeplant.
Auch die Planung der neuen Abfallannahme-Stelle in Freienbrink schreiten voran. Rund vier Millionen Euro koste sie, sagt Sölve Drawe. Die Planungsleistungen würden nun EU-weit ausgeschrieben werden. 2020 könne dann mit dem Bau begonnen, Ende 2021 oder 2022 eröffnet werden. Was mit der zu klein gewordenen Annahmestelle in Erkner geschehe, sei noch offen.
Und einen neuen Modell-Versuch plant das KWU. Das Sammeln von hochwertigem Papier in Kitas und Schulen soll gefördert werden, heißt es dazu in der Satzung. Hintergrund: Viele Einrichtungen sammeln Papier und verkaufen es an private Firmen, um ihre Kasse aufzubessern. Das Papier, das auf dem Markt aktuell gute Preise erziele, werde der Allgemeinheit entzogen, erklärt Sölve Drawe. Dem soll etwas entgegengesetzt werden. Eine Schule habe sich bereits für den Versuch gemeldet. Die Kinder und Jugendlichen sollen am Erlös beteiligt werden.
Neue Gebühren
Gewerbegrundstücke
■ Basisgebühr 2,72 Euro pro Gewerbeeinheit und Monat (alt: 2,70 Euro)
■ Gebühr für 120-Liter-Behälter pro Monat 0,96 Euro (0,90); 240-Liter-Behälter 1,92 Euro (1,79); 1100-Liter-Behälter 8,81 (8,21)
An Abfallannahmestellen
■ Kunststoff: 58 Euro/Kubikmeter (alt: 32 Euro)
■ gemischte Bau- und Abbruchabfälle 34 Euro/Kubikmeter (alt: 32)
■ gemischte Siedlungsabfälle 20 Euro/Kubikmeter (18)
■ Sperrmüll: 30 Euro/ Kubikmeter (28), kostenlose Annahmen kleinerer Mengen
■ Altholz: 34 Euro/Kubikmeter (32)
Bei Privatgrundstücken bleiben die Gebühren gleich.
