An den Bau der Berliner Mauer kann sich Margitta Klebe gut erinnern. "Ich war damals mit meinem zweiten Kind schwanger", sagt die Fürstenwalderin. In Westberlin hatte sie Verwandte, Tante, Onkel, "die hatte ich kurz vorher noch besucht". Als die Mauer fiel, am 9. November 1989, waren beide Töchter längst erwachsen und Margitta Klebe 52 Jahre alt. "Für meine Kinder habe ich mich gefreut, sie konnten nun unbeschwert ins Ausland reisen", beschreibt sie, was ihr selbst verwehrt war.
Eine Reise, mehr ein Ausflug ihrer älteren Tochter war es auch, die der Fürstenwalderin ein besonderes Andenken an die Teilung bescherte. "Sie machte 1990 eine Ausbildung zur Gemeindepädagogin in Potsdam. Von einer Fahrradtour zur Glienicker Brücke hat sie uns ein Stück Mauer mitgebracht", erzählt die 82-Jährige. "Ich habe da schon gar nicht mehr dran gedacht." Als ihr Mann noch lebte, habe sie den länglichen Brocken in der Schrankwand aufbewahrt; in ihrer jetzigen Einzimmerwohnung hat er seinen Platz im Bücherregal.
Vom Fall der Mauer erfuhr Margitta Klebe in der Abendschau. "Ich habe das gar nicht für voll genommen", sagt sie. Zwei Monate zuvor erst – ein Stempel im alten Reisepass zeugt davon – war sie zur Einschulung ihres Enkels für zehn Tage in Westberlin gewesen. "Meine andere Tochter durfte nicht mehr in die DDR einreisen. Ihr Mann war in Bautzen, sie hat ihn freigekauft, wurde ausgebürgert", erinnert sich Margitta Klebe an ein dunkles Kapitel dieser Zeit. Erst als diese Tochter in der Nacht auf den 10. November anrief und das in den Nachrichten Gesehene bestätigte, habe sie realisiert, was geschehen war. "Am nächsten Tag hatte meine Schwägerin Geburtstag. Da haben wir mit einem Glas Sekt auf dieses Ereignis angestoßen."
30 Jahre später blickt Margitta Klebe nicht nur zurück auf den Tag des Mauerfalls, sondern auch auf die Gegenwart. "Uns geht’s jetzt gut", sagt sie, denkt dabei auch an ihre Töchter.