Zusammenschluss
: Amtsdirektorin Odervorland: Mehr über den Tellerrand schauen, mehr erfahren, mehr vernetzen

Das Amt Odervorland wächst. Seit einem knappen Jahr gehört auch die Gemeinde Steinhöfel dazu. Aber das Zusammenwachsen braucht noch mehr Zeit.
Von
Uwe Stemmler
Steinhöfel
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  • Schloss Steinhöfel

    Schloss Steinhöfel

    Bettina Winkler
  • Marlen Rost, Amtsdirektorin Odervorland

    Marlen Rost, Amtsdirektorin Odervorland

    Uwe Stemmler
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Vor Jahresfrist schloss sich die Gemeinde Steinhöfel dem Amt Odervorland an. Seitdem sind vier Gemeinden mit gut 10 000 Einwohnern, 22 Ortsteilen, 18 Freiwillige Feuerwehren, acht Kitas, zwei Grundschulen unter einem Hut. Über Bilanz und Ausblick sprachmit Amtsdirektorin Marlen Rost.

Frau Rost, wie fällt die Bilanz, in wenigen Worten zusammengefasst, aus?

Sie fällt positiv aus. Meine Erwartung war nicht, dass wir das Zusammenwachsen in einem Jahr stemmen. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir den richtigen Schritt gegangen sind, um eine moderne Verwaltung für mehr als 10 000 Einwohner auf lange Sicht vorzuhalten.

Es war ein ereignisreiches Jahr: Wahlen, Personalprobleme im Amt, Ärger bei der Feuerwehr in Jacobsdorf, eine illegale Leichenhalle in Biegen… Was war rückblickend die größte Hürde?

Der Personalausfall auf Leitungsebene über ein halbes Jahr war die größte Herausforderung.  Die Arbeiten mussten auf die verbliebenen Amtsleiter Helen Feichtinger und Ron Gollin, der ja erst Anfang des Jahres zu uns gekommen ist, und mich aufgeteilt werden. Ab Januar haben wir mit  Mariana Maschke eine neue Hauptamtsleiterin. Aber, um es mit einem Fußballer–Satz zu beschreiben: Ein Trainer kann noch so gut sein — wenn die Mannschaft nicht mitzieht, wird es nichts.

Das Odervorland wurde größer, mehr Orte bedeutet mehr Sitzungen, und überall soll die Verwaltung präsent sein. Wie viele Sitzungen finden im Jahr statt?

Wir haben 21 Ortsbeiräte, die in der Regel vierteljährlich tagen — das sind 84 Sitzungen. Die werden von Mitarbeitern der Verwaltung protokolliert. Hinzu kommen Ausschusssitzungen, Sitzungen der Gemeindevertretungen, die Bürgermeisterrunde — das ergeben weitere 80 bis 90 Sitzungen. In den Ausschüssen sind stets ein oder mehrere Amtsleiter dabei, in den Gemeindevertretersitzungen alle. Außerdem gibt es noch Hauptversammlungen der Feuerwehren, Kita–Ausschuss, Schulkonferenz. Wegen der großen Fläche sind wir zudem Mitglied in fünf Wasser– und Bodenverbänden, im Wasser– und Abwasser–Zweckverband Fürstenwalde, in der Frankfurter Wasser– und Abwassergesellschaft, im @see–Verbund und vielen mehr.  Es sind über 200 Sitzungen, in denen die Verwaltung präsent sein muss — über die normale Arbeit im Amt hinaus.

Wie viele Mitarbeiter gehören jetzt zur Verwaltung? Wie viele werden in drei Jahren in das neue Amtsgebäude ziehen?

In der Kernverwaltung sind es derzeit 42 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und eine Studentin. Außerdem sind Bibliothekarin, Sekretärin, Hausmeister, Hallenwart, Küchenkräfte im Amt angestellt. Für 2020/21 suchen wir zwei weitere Studierende für die duale Ausbildung und haben auch schon gute Bewerbungen. Sie werden in Wildau im Studiengang Öffentliche Verwaltung und IT–Verwaltung immatrikuliert, sind die ersten drei Semester nur dort. Gerade IT erfasst immer mehr Bereiche auch auf kommunaler Ebene.  Einige Beispiele: Der Digitalpakt Schule ist ja nicht mit der Ausstattung vollzogen, die Technik muss betreut werden. Die Abgeordneten werden künftig mit Tablets ausgestattet, in Berkenbrück ist das Pilotprojekt gerade angelaufen.

Was in drei Jahren sein wird, kann man jetzt noch nicht genau sagen. Es wird sicher Veränderungen geben, denn wir haben viele Aufgabe von Land und Kreis übertragen bekommen.

Das Amt will jetzt Container erwerben, damit Mitarbeiter aus Steinhöfel möglichst bald in Briesen arbeiten können. Bleibt in Steinhöfel eine Außenstelle?

Steinhöfel bleibt ständige Außenstelle, so steht es im öffentlich–rechtlichen Vertrag über den Zusammenschluss. Einwohnermeldeamt, Standesamt, Kasse werden zu den Sprechtagen aber auch anderen Wochentag besetzt sein.

Was wurde im Amtsgebiet im zurückliegenden Jahr erreicht oder in Angriff genommen, an dessen Umsetzung die Amtsverwaltung mitgewirkt hat?

Die Liste ist lang, deshalb will ich nur ein paar Beispiele aus dem Bauamt aufzählen. Das neue Feuerwehrgerätehaus in Buchholz wurde eröffnet, die beiden in Biegen und Berkenbrück stehen kurz davor. In Wilmersdorf wurden zwei Wohnungen umgebaut. Fahrbahn und Gehweg im Heuweg in Steinhöfel wurden erneuert, in der Falkenberger Straße ein Briesen der Gehweg, parallel zur Sanierung der Straße durch den Landesbetrieb, gebaut, die Fahrbahn zum Heinersdorfer Vorwerk gesichert. Weitere Straßenbaumaßnahmen wurden vorbereitet, die Ausschreibungen durchgeführt. Und es wurde an zahlreichen Bebauungsplänen und Satzungen in mehreren Orten gearbeitet, durch die Platz für neue Einwohner geschaffen wird.

Wie sind die Beziehungen zu Nachbarkommunen?

Innerhalb des Landkreises ist sie sehr gut und in der @see–Gemeinschaft  besonders intensiv. Wir tauschen uns sehr oft miteinander aus. Mit Storkow haben wir eine öffentlich–rechtliche Vereinbarung zum Datenschutz, mit Grünheide zum Standesamt. Auch mit Frankfurt, einem direkten Nachbarn, wollen wir mehr Zusammenarbeit. Ich hatte deshalb schon Gespräche mit Oberbürgermeister René Wilke. Ein Thema wären die Radwege.

Ein Blick nach vorn: Welche besonderen Hürden warten im nächsten Jahr? Was sind die wichtigsten Vorhaben?

Wir haben in der eigentlichen Verwaltungsarbeit etliches aufzuarbeiten, was auch durch den Personalmangel verzögert wurde. Die Haushalte der Gemeinde müssen aufgestellt werden. Im alten Odervorland gibt es gar keine Jahresabschlüsse, in Steinhöfel nur bis 2016. Unser Ziel ist es, in den nächsten Jahren jeweils drei bis vier zur Prüfung zu bringen. Dann muss der Digitalpakt Schule umgesetzt werden. Wir werden die Kitaplatz–Problematik insgesamt beleuchten und nach den besten Lösungen suchen. Weitere Wohnungs–Bebauungspläne müssen erarbeitet werden. Nicht zuletzt soll der Bau des Amtsgebäudes vorangebracht werden. Ich bin deswegen beim Land noch auf der Suche nach Fördertöpfen. Auch eine Kreditfinanzierung werden wir prüfen. All das wollen wir so schnell wie möglich erledigen, aber keinen Schnellschuss produzieren.

Eine persönliche Frage zum Schluss: Sie haben in diesem Jahr nicht nur ein größeres Odervorland mit mehr Sitzungen, sie wurden Vorsitzende der Verbandsversammlung des Zweckverbandes, wirken in der Steuerungsgruppe zur Vorbereitung des Tesla–Werkes mit, sind sehr aktiv im @see–Verbund und vielem mehr… Wie schaffen Sie das?

Ich habe ein gutes Team, auf das ich mich verlassen kann. Die Arbeit macht mir Spaß. Und je mehr man dabei über den Tellerrand schaut, desto mehr erfährt man, desto besser kann man sich vernetzen. Das alles kann ich dann für das Amt nutzen.