Agrar: Junglandwirte starten am Granseer Ortsrand euphorisch

Auf Tuchfühlung mit dem Welsch-Pony Nora: Keine Berühungsängste zeigte die Bundestagesabgeordnete Anke Domscheit-Berg (links) beim Besuch des Hofes von Kimberly Herzog und Patrick Kluge in Gransee.
Martin RiskenBasis ihres Wirtschaftens ist die alte Mosterei. Pferdepension mit zurzeit fünf Tieren, Rinderhaltung Hühner und später noch Schafe sowie der Anbau von Obst und Gemüse sollen für ein auskömmliches Einkommen sorgen. Schon einmal waren sie in Friedrichsthal bei Oranienburg gestartet, doch Stress mit den Nachbarn, die sich über die landwirtschaftlichen Geräusche beklagt hätten, ließ sie nach einer Alternative im Norden Oberhavel Ausschau halten.
Am Meseberger Weg, direkt neben dem Katharinenhof, wurden sie fündig. 12,5 Hektar Land haben sie gekauft. Um aber wirtschaftlich arbeiten zu können, brauchen sie mehr Land. Was in Gransee ein Problem ist. Zwar gebe es noch angrenzende Flächen, doch die Eigentümer spekulierten darauf, dass es in Bauland umgewandelt wird, obwohl es im Außenbereich liegt. 20 bis 30 Hektar sollte ihr Hof schon groß sein. „Ökolandwirtschaft ohne Siegel“ betreiben sie.
Zehn Rinder haben sie. Alleiniger Zweck für die Haltung der Tiere sei die Fleischgewinnung. Und da fangen die Probleme schon an, mit denen die Bundestagsabgeordnete der Linken, Anke Domscheit-Berg, am Dienstag bei ihrem Besuch auf dem Hof konfrontiert wurde. Am liebsten würden sie ihre Tiere auf der Weide töten, um den Rindern den stressigen Transport zum nächsten Schlachthof zu ersparen. Doch im Landkreis Oberhavel führe gegenwärtig kein Weg zum Weideschuss. In Mecklenburg-Vorpommern und in einem einzigen Brandenburger Landkreis sei das kein Problem, in Oberhavel aber sehr wohl, monierten Patrick Kluge und Kimberly Herzog. Dass da kein Weg hinführen soll, ist für Domscheit-Berg unbegreiflich. Vielleicht könnten Jäger diese Aufgabe mit übernehmen, dachte sie laut über Lösungen nach. Die Junglandwirte wollen noch einen Schritt weiter gehen und das Fleisch der Tiere selbst verarbeiten, möglicherweise mit anderen Nutztierhaltern in der Region eine Schlachtgemeinschaft als Genossenschaft gründen. „Wenn man das eine nicht will, muss man das andere auch zulassen“, sagte die Abgeordnete und meinte damit die riesigen Schlachtbetriebe wie Tönnies, die wegen ihrer schlechten Arbeitsbedingungen unter Beschuss stehen. Erzeugergenossenschaften sollten daher gefördert werden.
Probleme bereitet den Junglandwirten aber auch die geänderte Düngemittelverordnung des Bundes, wodurch sie auf ihrem eigenen Grund und Boden weniger Tiere halten dürften. Die bundesweite Statistik werde durch eine ungleichmäßige Verteilung der Nitratmessstellen verfälscht. Gemessen werde vor allem da, wo die Konzentration am höchsten ist, aber keineswegs flächendeckend. Dadurch werde die Statistik verfälscht, bemängelte Patrich Kluge. Und noch ein Problem treibt die Junglandwirte um: Die aus Kunststoff hergestellten Strohballennetze dürften nicht über die Gelbe Tonnen entsorgt, sondern müssten teuer als gewerblicher Abfall entsorgt werden. Die AWU als örtlicher Entsorger führe das Material keiner Wiederverwertung zu, sondern entsorge es thermisch, fand der Wahlkreismitarbeiter der Abgeordneten, Ralf Wunderlich, heraus. Die Entsorgung sei relativ kostspielig und keineswegs zielführend. Das gelte auch für die Silagefolien, die in der Landschaft anfallen. Eine Lösung könnte sein, Plastikabfälle, die keinen Grünen Punkt haben, über eine Wertstofftonne einzusammeln, um sie einer Verwertung zuzuführen, notierte sich Domscheit-Berg.
