Zehn Proben ausgewertet

Doch während in Schwedt und Oranienburg vergangene Woche ein Riesenandrang herrschte und sich vor dem Labormobil lange Schlangen bildeten, blieb der Ansturm von Kleingärtnern aus der Region aus. 39 Leute wollten ihr Brunnenwasser untersuchen lassen. Das entspricht in etwa der Resonanz, die der Verein regelmäßig in Zehdenick hat. Zehn Proben wurden vor Ort ausgewertet, 29 gehen in ein Labor für eine detaillierte Analyse. In Zehdenick bestätigte sich erneut: Das Brunnenwasser ist stark mit Nitrat belastet, und zwar mit durchschnittlich 95 Milligramm pro Liter. Damit ist der Wert in der Havelstadt besonders hoch. Allerdings basiert das Ergebnis auf der Auswertung von zunächst fünf der zehn Proben, die vor Ort analysiert wurden. Im Laufe des Tages sollte die andere Hälfte noch ausgewertet werden. Aber um ein umfassenderes Bild zu bekommen, müssen erst alle Proben untersucht werden. Ein repräsentativeres Ergebnis wird in zwei bis drei Wochen vorliegen.
Unbedenklich sei ein Nitratwert von fünf Milligramm, der "politische Wert" sei Anfang der 1990er-Jahre auf 50 Milligramm festgesetzt worden wegen des Einsatzes von Gülle in der Landwirtschaft. Schon seit Jahren befindet sich die Bundesrepublik Deutschland mit der EU im Clinch wegen der hohen Nitratbelastung im Grundwasser. "Das Brunnenwasser ist zum Gießen unproblematisch, als Trinkwasser ist es aber absolut nicht mehr geeignet", so Diplom-Physiker Harald Gülzow.
Die meisten Kleingärtner hatten eine oder mehrere Plastikflaschen mit Wasserproben  dabei. Sie füllten Formulare zur Probe aus, wurden noch kurz zur Nutzung des Wassers befragt und über die Unterschiede der angebotenen Tests aufgeklärt. Zwischen zwölf und 99 Euro kosten die Tests je nach Umfang der Parameter. Viele wissen Bescheid über die Preise, einige haben sich vorher im Internet informiert. Preise von bis zu 240 Euro pro Untersuchung werden von einigen Laboren aufgerufen. Da sei das Angebot des VSR echt preiswert und man unterstütze einen gemeinnützigen Verein, der sich um Wasserreinhaltung bemüht und die Öffentlichkeit zur Nitratbelastung aufklärt, sagte jemand.

Kleinkinder gefährdet

Harald Gülzow und Peter Brückner, der für den Verein im Bundesfreiwilligendienst tätig ist, erklärten jedem Gartenbesitzer, dass es einen Unterschied mache, ob man nur Obstbäume, Rasen oder Blumen  gießt oder auch Gemüse. Für letzteren Fall empfehlen sie die teurere Untersuchung, die auch auf Keime und Bakterien testet. "Während der Coronapandemie sind viele in ihren Gärten aktiv und das Thema Wasserqualität wurde für sie wieder aktuell", so Harald Gülzow. Doch warum ist ein hoher Nitratgehalt im Wasser so gefährlich? Besonders für Kinder und Schwangere könne die Aufnahme von zu viel Nitrat bedenklich sein. Im Körper wird es zu Nitrit umgewandelt, das den Sauerstofftransport im Körper stoppt. Erwachsene sollten nicht zu viel Nitrat aufnehmen. Im Körper könne durch Stoffwechselprozesse Nitrosamine oder Nitrit entstehen. In geringen Mengen sei der Stoff für Erwachsene unbedenklich. Für Babys aber sehr gefährlich sei, weil er die roten Blutkörperchen angreift, die Sauerstoff durch den Körper transportieren. Nitrate können die Jodaufnahme stören.