Arbeitsmarkt
: Viele Hartz-IV-Empfänger im Nordkreis ohne Perspektive

Wer Termine beim Jobcenter sausen lässt, muss nicht unbedingt mit Sanktionen rechnen. Sanktionen sollten mit Augenmaß betrieben werden.
Von
Martin Risken
Zehdenick
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Arbeitsförderung bei der Aqua Zehdenick GmbH: Wer ohne Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt ist, hofft nicht selten auf eine Fördermaßnahme bei einem kommunalen Träger.

Eva Eismann

Schwierige Vermittlung

„Jemanden in Arbeit zu bringen, ist heute schwieriger als noch vor fünf Jahren“, stellte Kahl fest. Wer wirklich arbeiten wolle und könne, der habe sich schon vor fünf Jahren eine Arbeit gesucht. Dass die Arbeitslosigkeit im Norden Oberhavels trotz niedriger Arbeitslosigkeit im Bundesdurchschnitt noch immer vergleichsweise hoch ist, begründete Kahl so: Unter den Beziehern von Hartz IV gebe es sehr viele schwierige Fälle. „Wer arbeiten will, hat sich längst integriert.“

Überproportional stark von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen sind ältere Menschen im Norden Oberhavels, wie aus dem Arbeitsmarktreport der Agentur für Arbeit hervorgeht. Unter den gut 2 000 Leistungsbeziehern nach Sozialgesetzbuch II sind 36,8 Prozent, die älter als 50 Jahre sind sowie weitere 21,8 Prozent, die 55 und älter sind. Für öffentlich geförderte Beschäftigung gibt der Landkreis Oberhavel zwei Millionen Euro aus. Geld, das auch der Aqua Zehdenick GmbH zugute kommt. Sorgen bereitet dem SPD-Bürgermeisterkandidaten Hartmut Leib das niedrige Einkommensniveau in der Region. „Die Menschen, die wenig verdienen, die dürfen nicht das Gefühl haben: Warum gehe ich überhaupt arbeiten?“, sprach er sein grundsätzliches Problem an.

Dass Arbeitslosigkeit in der Region ein großes Problem bleiben wird, deute sich bereits in der Oberschule an. "Das Schulschwänzen nimmt massiv zu“, stellte Schulleiter Jünger fest. Ab der neunten Klassen gebe es Bemühungen, die Schüler mit Defiziten auf das spätere Berufsleben besser vorzubereiten, und zwar zusammen mit den Eltern.

Mehr als 2 000 Menschenleben von Hartz IV

Wer lange Arbeitslosenlosengeld II bezieht, hat es schwer, wieder auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Gut 2 000 Arbeitssuchende zählen im Geschäftsstellenbereich Gransee der Agentur für Arbeit zum "Rechtskreis Sozialgesetzbuch II".

Rund 55 Prozent der Bezieher von Arbeitslosengeld II sind im Altkreis Gransee seit vielen Jahren ohne Arbeit. Auffallend viele sind älter als 50 Jahre (36,4 Prozent im Januar 2019) sowie 55 Jahre und älter (21,8 Prozent). Vermittlungshemmnisse erschweren die Integration auf dem ersten Arbeitsmarkt.⇥ris