ASP bei Gransee: Afrikanische Schweinepest in Oberhavel – vorläufige infizierte Zone

Die Afrikanische Schweinepest, die bei einem toten Wildschwein bei Gransee festgestellt wurde, soll rasch bekämpft werden. Der Landkreis Oberhavel hat deshalb einen Krisenstab einberufen und erste Maßnahmen eingeleitet. (Symbolbild)
Robert Michael/dpa- Afrikanische Schweinepest erstmals in Oberhavel nachgewiesen; Krisenstab im Einsatz.
- Fundort: Verendetes Wildschwein bei Gransee; bestätigt am 21. November 2024.
- Maßnahmen: Suche nach toten Tieren, mobiler Wildschweinzaun, verstärkte Sicherheitsvorkehrungen.
- Ursache: Vermutlich indirekte Übertragung via kontaminierte Gegenstände oder Futter.
- Bürger sollen Speisereste richtig entsorgen, keine Wildtiere berühren.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Im Landkreis Oberhavel ist erstmalig die Afrikanische Schweinepest (ASP) nachgewiesen worden. Das verendete Wildschwein wurde nordöstlich von Gransee aufgefunden. Das Friedrich-Loeffler-Institut hat den Verdacht am Donnerstag (21. November 2024) bestätigt. Der Landkreis Oberhavel setzte einen Krisenstab ein und richtet eine vorläufige infizierte Zone ein.
Über den Fall informierte zunächst das Verbraucherschutzministerium Brandenburg. Der Tierseuchen-Bekämpfungsdienst des Landes sei zur Unterstützung vor Ort. Notwendige Maßnahmen zur Bekämpfung der ASP wurden eingeleitet.
ASP-Fall bei Gransee – Krisenstab eingesetzt
„Nach dem bestätigten ersten Fall in Oberhavel ist der ASP-Krisenstab des Landkreises unmittelbar zusammengekommen, um erste Maßnahmen zu besprechen und festzulegen", wird Nancy Klatt, die für das Veterinäramt zuständige Dezernentin und Leiterin des Krisenstabes, in einer Pressemitteilung zitiert. Unter anderem laufe seit der Bestätigung die Suche nach möglichen weiteren verendeten Tieren mittels Drohne und mit Hunden.
Klatt weiter: „In enger Abstimmung mit dem Land Brandenburg hat der Stab außerdem die Einrichtung einer vorläufigen sogenannten infizierten Zone festgelegt und die weiteren Maßnahmen zur Seucheneindämmung besprochen.“ Das Ministerium hatte informiert, dass ein mobiler Wildschweinzaun errichtet wurde.
Der erste ASP-Fall von Oberhavel ist nordöstlich von Gransee aufgetreten. Der vom Landeslabor Berlin-Brandenburg durchgeführte Schnelltest an einem verendeten Wildschwein reagierte positiv. Die Bestätigung kam vom Friedrich-Löffler-Institut in Riems (Mecklenburg-Vorpommern).
Für Landrat Alexander Tönnies kam der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Oberhavel nicht überraschend. Angesichts der mehr als 3400 bisher registrierten Fälle in Brandenburg sei es lediglich eine Frage der Zeit gewesen, wann Oberhavel den ersten ASP-Fall verzeichnen wird. „Deshalb hat sich die Kreisverwaltung in den vergangenen Jahren intensiv auf einen möglichen Ausbruch der Tierseuche vorbereitet.“
Schon im Dezember 2021 hatte der Kreis eine Übung zur Fallwildsuche durchgeführt. Rund 50 Beteiligte hatten sich in der Stolper Heide daran beteiligt, einen Radius von rund einem Kilometer systematisch abzusuchen.
ASP-Fall in Oberhavel – vorläufige infizierte Zone eingerichtet
Ermittlungen zur Ursache der Übertragung bei dem betroffenen Keiler in der Nähe von Gransee hatten umgehend begonnen. „Jetzt geht es darum, den Seuchenherd schnell einzugrenzen und die Afrikanische Schweinepest in einem überschaubaren Zeitraum zu tilgen“, so Töpfer. Sie appellierte an alle Bürgerinnen und Bürger, fleischhaltige Speisereste in die dafür vorgesehenen verschließbaren Müllbehälter zu entsorgen.
Der Landkreis Oberhavel hat wichtige Informationen zur Einrichtung einer vorläufigen sogenannten infizierten Zone auf seiner Internetseite zusammengetragen. Die Details sind in einer Allgemeinverfügung geregelt, die unter anderem unter www.oberhavel.de/asp veröffentlicht ist. Dort sind auch weitere Antworten auf die häufigsten Fragen zu finden.
Der betroffene Bereich reicht bis Großwoltersdorf im Nordwesten, Meseberg, Gutengermendorf und Häsen im Süden, Zehdenick im Osten, Teile Barsdorfs und Boltenhofs und erstreckt sich bis Gramzow. „In der infizierten Zone gelten ab sofort besondere Vorsichtsmaßnahmen“.
ASP in Oberhavel – diese Regeln gelten nun
Nancy Klatt betont, dass das Veterinäramt den Fall sehr ernst nehme. Oberstes Ziel sei es, den Seuchenherd schnell einzugrenzen, um die Ausbreitung der Tierseuche zu verhindern und die Seuche möglichst schnell einzudämmen. Deshalb gelten für Jäger, aber auch für Land- und Forstwirte besondere Vorsichtsmaßnahmen. „Die Nutzung landwirtschaftlicher und forstwirtschaftlicher Flächen in dem Gebiet ist vorerst verboten.“
Frisches Wildschweinefleisch oder Wildschweinefleischerzeugnisse, die in der infizierten Zone gewonnen wurden, dürfen nicht ausgeführt werden. „Die Fütterung jeglicher Speiseabfälle an Klauentiere ist innerhalb der Zone ebenfalls strengstens verboten.“ Für Hunde gilt in dem Gebiet ab sofort Leinenpflicht.
Vorbereitet wird auch das Aufstellen eines Schutzzauns. Wo genau dieser aufgestellt wird, berät der Landkreis derzeit mit dem zuständigen Landesamt. „Der Aufbau des Zauns ist in den teils schwer zugänglichen Bereichen der Tonstichausläufer aufwendig und wird etwas Zeit in Anspruch nehmen“, erklärt Nancy Klatt. „Die Kadaversuche wird vorerst also vor allem per Drohne stattfinden, um das Wild nicht aufzuscheuchen. Es gilt selbstverständlich auch ein Jagdverbot.“
„Die durch die ASP verursachten wirtschaftlichen Schäden sind in der Regel enorm. Daher ist es von großer Bedeutung, dass die Bevölkerung aktiv mithilft, die Seuche zu bekämpfen", appelliert Krisenstableiterin Nancy Klatt und weist darauf hin, dass jeder Fall der Afrikanischen Schweinepest anzeigepflichtig ist.
Die Schweinehalter in der Region wurden aufgefordert, Sicherheitsmaßnahmen in ihren Betrieben zu verstärken. Die Leiterin des Landeskrisenstabes zur ASP-Bekämpfung, Dr. Antje Töpfer, geht von einer Sprunginfektion aus. Dabei sei der Krankheitserreger wahrscheinlich indirekt über kontaminierte Gegenstände, Lebensmittel oder Futter übertragen worden.
Verdächtige Wildtierfunde sollten umgehend gemeldet werden. Auf keinen Fall sollten Wildtiere berührt oder Futterreste in der Natur entsorgt werden. „Gemeinsam können wir dazu beitragen, die Situation unter Kontrolle zu halten und den Schaden für die Landwirtschaft sowie unsere Region so gering wie möglich zu halten“, so die Veterinärin.
ASP-Erreger kann von Tier zu Tier übertragen werden
Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine fieberhafte, hoch ansteckende Viruserkrankung, die ausschließlich Haus- und Wildschweine betrifft. „Für den Menschen und andere Tierarten ist die ASP nicht ansteckend oder gefährlich“, beruhigt das Verbraucherschutz-Ministerium Brandenburg. Im Bundesland war der erste ASP-Ausbruch beim Schwarzwild bei einem Wildschwein-Kadaver im Landkreis Spree-Neiße festgestellt worden – am 10. September 2020.
„Der ASP-Virus ist weder für den Menschen, noch für andere Haustierarten gefährlich“, sagt Amtstierärztin Uta Gallitschke. „Auch der Verzehr von infiziertem Schweinefleisch birgt kein gesundheitliches Risiko für den Menschen.“ Für Schweine sei der Virus jedoch hochgefährlich. „Die Viren sind sehr widerstandsfähig und können sich auch in Gefrierfleisch, an Kleidung, Haaren oder im Erdboden lange halten. Wir appellieren an alle Schweinehalterinnen und Schweinehalter, auf Biosicherheitsmaßnahmen zu achten.“
Die ASP wird über Körperflüssigkeiten direkt von Schwein zu Schwein übertragen. Auch eine indirekte Übertragung, etwa durch kontaminierte Gegenstände, ist möglich. „Anders als bei der klassischen Schweinepest gibt es gegen die ASP keinen Impfstoff, entsprechend wichtig ist die Eindämmung“, so Gallitschke.



