Ausbildungsförderung: Hoffnungsvoller Nachwuchs-Maurer in Zehdenick

Prächtige Zukunftsaussichten: Jonas Goldschmidt wurde Azubi des Monats. Ihm gratulierte Ralph Bührig, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Potsdam (rechts). Links der zufriedene Chef von Jonas, Peter Henschel.
Thomas PilzGegen diesen Trend steht im Oktober zumindest ein Name in Zehdenick: Jonas Goldschmidt. Der 19-Jährige hat Abitur, erlernt im Baugeschäft Henschel GmbH den Beruf des Maurers, tritt somit in die Fußstapfen seines Vaters. Und er will einmal Meister werden. Gerade hat er das zweite Lehrjahr begonnen, weist aber inzwischen so gute Leistungen auf, dass die Handwerkskammer Potsdam auf ihn aufmerksam wurde.
Die Interessenvertretung von 17 400 Mitgliedsfirmen und 70 500 Beschäftigten hat Jonas Goldschmidt zum Azubi des Monats Oktober gekürt. Am Donnerstag besuchte der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, Ralph Bührig, das Baugeschäft Henschel und überbrachte die frohe Botschaft.
Schon als Schüler geschuftet
Bührig wurde von Firmenchef Peter Henschel begrüßt – wobei man sich schon gut kennt, wie sich herausstellte. Denn das Baugeschäft Henschel mit seinen zurzeit 30 Mitarbeitern kann man getrost als die „Talenteschmiede“ der Zehdenicker Bauwirtschaft bezeichnen. Im Leistungswettbewerb der Handwerksjugend brachte der Handwerksbetrieb immer wieder Landessieger bei Hochbaufacharbeitern und Maurern hervor, wie zu erfahren war.
Nun also ein weiteres Talent, dem Bührig gratulieren konnte. Kürzlich erst weilte Jonas im Rahmen der praktischen Ausbildung des brandenburgischen Bauhofes, einer überbetrieblichen Ausbildungsstätte für mehrere Gewerke, zu einem Praktikum in Mantua in Italien. Dort arbeiteten Azubis unter Leitung eines einheimischen Professors an der Restaurierung eines mittelalterlichen Klosters. „Das war unheimlich spannend, denn die haben damals ganz andere Steinformate gehabt und auch ungewöhnlichen Mörtel verwendet.“
Es ist dieses Interesse, das der Chef von Jonas so schätzt, ebenso, dass Jonas nicht allein fachlich hervorragend sei, überdies fleißig arbeite und aufmerksam die Arbeit der Älteren zu schätzen wisse. Henschel weiß, wovon er spricht – bei zahlreichen jungen Männern entwickelten er und seine Mitarbeiter Leistungsbereitschaft und handwerkliche Fähigkeiten.
Jonas selbst bemühte sich frühzeitig um günstige Voraussetzungen für seine Handwerker-Karriere: Schon als Schüler half er im Baugeschäft Henschel während der Ferienarbeit mit. Nach dem Abi entschied er sich für diesen praktischen Beruf. „Mauern ist meine Berufung“, betont der junge Mann.
Für Handwerkskammer-Chef Ralph Bührig ist so einer wie Jonas Goldschmidt fast wie Gold-staub inzwischen. "500 Stellen sind derzeit unbesetzt allein in den Betrieben unseres Kammerbereiches“, merkt er an. Allerorten treffe man auf eine überalterte Belegschaft auf den Baustellen. Das Paradoxe: Kunden warteten bereits wochenlang auf Handwerker wegen des Fachkräftemangels.
Und Peter Henschel gibt den Ball weiter an die Politik, die offensichtlich versagt habe: „Es gibt auch an vielen Schulen schon Probleme, die jungen Leute lernen kaum noch die wichtigen Voraussetzungen, um einen Lehrberuf zu ergreifen“, weißHenschel zu berichten.
Praxislernen vonnöten
Bührig kann es nicht oft genug sagen: Es mangele ganz eindeutig an vielen Schulen im Land Brandenburg am intensiven praxisorientierten Lernen. „Das Thema Berufsorientierung muss mehr und frühzeitig in den Mittelpunkt gerückt werden“, betont der Kammer-Chef. Gefordert sei da die Politik, obgleich man nach den Landtagswahlen abwarten müsse, welchen Kurs die Bildungspolitik einschlägt. Jonas blieb zum Glück davon unbeeinflusst: In der Berufsschule sei er ein Einser-Kandidat, auf der Baustelle schätzen der Chef und seine Kollegen seine Vielseitigkeit. „Er ist ein Vorbild auch für die anderen Lehrlinge“, so Peter Henschel.
Abgesehen davon liebäugelt der junge Mann damit, einmal in ein eigenes Haus zu ziehen. Und er spielt leidenschaftlich gerne Fußball. Zurzeit beim SV Mildenberg. „Auf welcher Position?“, will Ralph Bührig wissen. Jonas schmunzelt: „Ach, da will ich mich nicht so festlegen, ich probiere erst mal alles aus.“
Zahlen undFakten
Das Baugeschäft Henschel wurde in den 1920er-Jahren gegründet. Bis heute bildete das Unternehmen rund 70 Maurer und Hochbaufacharbeiter aus. Aktuell erlernen drei junge Männer den Maurerberuf.
Derzeit sind im Bereich der Handwerkskammer Potsdam mehr als 800 freie Lehrstellen zu vergeben sowie 130 Praktika-Plätze – in 73 Ausbildungsberufen. Seit 2014 wird der Azubi des Monats gekürt.⇥pilz