Ausstellung
: Kritischer Blick auf den Mauerfall

Einen kritischen Blick auf den Mauerfall vor 30 Jahren sollen Künstlerinnen aus dem In- und Ausland mit ihren Arbeiten in der Klosterscheune Zehdenick werfen.
Von
Martin Risken
Zehdenick
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Hat sich auch fürs neue Jahr viel vorgenommen: Galerist Jörg Zieprig bereitet eine große Ausstellung zum Mauerfalljubiläum in der Klosterscheune Zehdenick vor.

MOZ/Martin Risken

Galerist Jörg Zieprig und der Ausstellungsbeirat mit Marion Steer und dem kürzlich verstorbenen Druckgrafiker Ralf Hentrich haben sich für einen internationalen Ansatz entschieden. „Denn es gibt heute mehr als 70 Mauern auf der Welt. Das sind zehn Prozent aller Grenzen zwischen den Ländern“, begründet Jörg Zieprig, warum das Thema „Mauer“ immer noch aktuell ist. „Das ist einfach unfassbar“, findet Zieprig die schiere Zahl erschreckend. Geplant ist, nicht nur Künstlerinnen aus Ost- und Westdeutschland zusammenzubringen, sondern auch solche aus Nord- und Südkorea sowie aus Israel und Palästina. Ein solches Ausstellungsexperiment will natürlich gut vorbereitet und auch entsprechend finanziert werden. Schließlich ist mit Kosten in fünfstelliger Höhe zu rechnen.

Dafür sucht Jörg Zieprig die Zusammenarbeit mit den Kulturabteilungen der jeweiligen Botschaften in Berlin. Auch Kontakt zur nordkoreanischen Botschaft hat Zieprig schon aufgenommen. Nicht nur 30 Künstlerinnen, die zum Teil höchst unterschiedliche Ansichten zu dem Thema haben, will Zieprig aus Anlass des Jubiläums zusammenbringen, sondern auch Politisch interessierte und Filmemacher. Denn die Ausstellung soll mit einem entsprechenden Rahmenprogramm begleitet werden. Unter anderem sollen Filmdokumentationen gezeigt werden. So auch die eines französischen Filmemachers, der eine Dokumentation über die Wendezeit gedreht habe, der bis heute relativ unbekannt geblieben sei. „Wir wollen auf keinen Fall den Mainstream bedienen, sondern Außergewöhnliches bieten“, kündigt Zieprig an. Bekannte Spielfilme wie „Go Trabi go“, „Goodbye Lenin“ oder „Das Leben der Anderen“ würden aus Anlass des Mauerfalljubiläum nicht gezeigt. Außerdem hat sich Zieprig auf die Fahnen geschrieben, vor allem Jugendlichen das Thema näherzubringen, weshalb eine enge Zusammenarbeit mit den Schulen geplant sei. Diskussionsrunden, ob für Künstler das Thema Teilung noch immer eines sei oder diese mittlerweile überwunden ist. Auch an ein Konzert einer israelischen Band ist gedacht, vielleicht werde es auch Theater geben, möglicherweise sogar Tanz. Israelische Künstler zu verpflichten, dürfte leichter sein als koreanische. Denn in Berlin lebten und arbeiteten recht viele israelische Künstler.

Sicher komme auch die Klosterscheune nicht am Thema Fontane vorbei. Der Schriftsteller Theodor Fontane wäre in diesem Jahr 200 Jahre alt geworden und prägt durch seine Werke das Bild von Brandenburg in der Welt. Zehn Künstlerinnen und Künstler aus Berlin und Brandenburg, die sich auf ihre Weise mit den Werken Fontanes auseinandergesetzt haben und es noch dieses Jahr tun, werden vom 7. Juli an ausstellen. Bis 8. September sind die Arbeiten zur touristischen Hochsaison zu sehen. Neue, aber auch schon lange existierende Werke möchte die Klostergalerie zeigen. Zuvor, nämlich bereits ab 18. Mai, widmet die Klosterscheune Ralf Hentrich posthum eine Ausstellung. Der aus Mildenberg stammende und zuletzt in Altglobsow tätige Druckgrafiker hatte in den vergangenen Jahren auch maßgeblichen Einfluss auf die Ausstellungen, die in der Klosterscheune zu sehen war. Bis zuletzt brachte er sich in die Arbeit des Vorstandes des Vereins Kulturlandschaft Brandenburg Nord aktiv mit ein. Und er sorgte dafür, dass Marion Brasch nach Zehdenick kam, um hier den Dokumentarfilm über ihre Familie vorzustellen. Die Radiomoderatorin und Schriftstellerin wird 2019 ein weiteres Mal in der Klosterscheune erwartet, um ihr neuestes Buch vorzustellen.