Drei Meter pro Minute legt die Maschine zurück. Langsam, stetig in gleichem Tempo, gut behütet von vier Männern gleichzeitig. Wie eine hässliche Nacktschnecke zieht sie eine feuchte Spur hinter sich her. Allerdings nicht aus Schleim, sondern aus glänzendem Bitumen. Dahinter warten schon die tonnenschweren Walzen, um alles platt zu machen, was noch uneben und nicht verdichtet ist. Und fest muss es werden, fahren doch künftig wieder Tausende Fahrzeuge aller Art tagtäglich über die Bundesstraße 96 zwischen Teschendorf und Löwenberg.

Der Nachschub an Thermomodulen darf nicht abreißen

Jetzt sind es nur die Baumaschinen, wie das Bitumen-Monstrum, das sich langsam von Löwenberg kommend zum Abzweig Grüneberg vorschiebt. Gefüttert wird sie von roten Lastern mit Thermomulde, die auf der abgefrästen B 96 mit der heißen Ware warten. Der Nachschub darf nicht abreißen, sonst gerät alles ins Stocken. Selbst das Pausenbrot wird nebenbei vom Maschinenführer verspeist. Er lässt sich noch eine Gurke dazu schmecken. Während die Teerdämpfe dem ungeübten Zuschauer am Straßenrand schon bald gefühlt zentimeterdick auf der Zunge liegen, steckt sich einer der Arbeiter erst mal eine Zigarette an. Teer zu Teer.

Baustellenfan Tim ist drei Jahre und liebt Bagger

Aber es gibt Baustellenfans wie Tim aus Lindow. Der ist drei Jahre alt und mit seiner Mutter Jenny Plessow gerade bei der Oma in den Wackerbergen zu Besuch. Sie schauen sich den dampfenden Koloss und die Walzen an. „So eine Walze und Bagger hat Tim auch als Spielzeug zu Hause. Er findet sie toll“, sagt Jenny Plessow, die übrigens nicht mit dem gleichnamigen Bäcker aus Teschendorf verwandt ist, wie sie verrät. Auch die zwölf jungen Pferde von Züchter Tobias Pfitzmann aus Linde, die auf der Weide nahe der Baustelle stehen, sind neugierig geworden und schauen sich das geschäftige Treiben auf der Bundesstraße an. Dann fressen sie weiter, zu langweilig.

Ruhe ist Balsam für strapazierte Nerven

Zu wenig los war den beiden Baustellenfans aus Lindow hingegen in Teschendorf. Auch dort ist alles für den Durchgangsverkehr gesperrt. Doch so eine spektakuläre Maschine wie außerhalb der Ortschaft hatte das Dorf nicht zu bieten. „Da war es uns zu langweilig“, sagt Jenny Plessow. Doch für die strapazierten Nerven und Ohren der Teschendorfer kann es gar nicht langweilig genug zugehen. Während die Berufspendler wegen der wochenlangen Umleitung fluchen, herrscht eine geradezu sensationelle Ruhe in dem vom Lärm des Durchgangsverkehrs gebeutelten Ort.

Kein Lärm und Vögel sind zu hören

„Ich höre wieder die Vögel singen“, sagt Volker Mydlaszewski. Zum ersten Mal habe er bei geöffnetem Fenster geschlafen – durchgeschlafen. Sonst kommt keine frische Luft rein und auf dem Nachttisch liegen Ohrstöpsel, wenn es gar nicht anders geht. Für ihn könnte die Baustelle noch ewig dauern. Seine Augen glänzen, als er das erzählt.
Die neue Ruhe wird am Montag nur ab und an von Lkw und einem großen Sauger unterbrochen. Guido Prill hält das bewegliche dicke Rohr in die Rille zwischen abgefräster Fahrbahn und Bordsteinkante. Da wurden vorher große Steine herausgeholt. Der Rest wird eingesaugt und landet im Bauch eines Fahrzeugs der Firma Lela, ein Reinigungsdienst aus Nauen. Sechs Kubikmeter fasst der Wagen, dann wird das Material zur Wiederaufbereitung nach Oranienburg gebracht.
In Teschendorf ist gerade die scharfe Kurve bis zum Griebener Weg in der Mangel der Straßenbauer. Hier muss dann die große Bitumenmaschine später auch noch lang.