Missverstanden fühlt sich der Stadtverordnete Bernd Reinicke (Bürger für Zehdenick) durch seine Äußerungen im Bildungsausschuss der Stadt Zehdenick hinsichtlich der zurückgehenden Auslastung der Kindertagesstätten in den kommenden Jahren. Er habe von der „Kapazitätsanpassung in der Größenordnung einer Einrichtung“ mit bis zu 200 Plätzen gesprochen, nicht aber damit andeuten wollen, dass die Schließung einer Kita in einigen Jahren droht.

Geburtenrückgang in Zehdenick

Grund für die Annahme sind seine Berechnungen der Zahl der Geburten in den vergangenen beiden Jahren, die im Vergleich zu 2016 jeweils um zirka 40 Kinder zurückgegangen seien. Dass die von ihm genannten Zahlen nicht ganz korrekt sind, bestreitet Reinicke auf Nachfrage.

Reinicke ist selbst Chef von zwei Kitas

Denn der mit 31 Jahren dienstälteste Stadtverordnete, der als Geschäftsführer der Lebenshilfe in Zehdenick selbst für zwei Kindertagesstätten verantwortlich ist, betonte, dass die Stadtverwaltung falsche Zahlen mit der Einwohnerstatistik veröffentlicht habe. Schon aus beruflichem Interesse lasse er sich die Geburtenzahlen sogar halbjährlich vorlegen. Weil die mit der Einwohnerstatistik veröffentlichen Zahlen nicht korrekt seien, falle der Geburtenknick größer aus als bisher angenommen.

Kritik aus Gransee

In zwei Jahren und bei einer Inanspruchnahme von 80 Prozent der zur Verfügung stehenden Kita-Plätze würden 65 Betreuungsplätze weniger benötigt, hochgerechnet auf fünf Jahre sogar bis zu 200 Plätze. Das wäre nun Fakt, würde sich die Bedarfsplanung nur allein nach der Geburtenzahl richten. Was sie aber nicht tut, worauf der Granseer Stadtverordnete Frank Görden (Piraten) hinwies, der Reinicke für seine Äußerungen scharf kritisierte. „Als Politiker sollte man bemüht sein, die Gesamtzusammenhänge zu betrachten und nicht nur einen Teil davon“, schrieb Görden in einen Brief an diese Zeitung. So wies Görden auf den möglichen Zuzug hin.

Der Wunsch nach normalen Verhältnissen

Das wiederum missfiel dem Zehdenicker Stadtverordneten: „Ich habe neben der mir immer gut bekannten Geburtenstatistik von Kapazitätsabsenkungen gesprochen und dass es dann gegebenenfalls etwas komfortabler in den Kitas wird mit weniger Kindern“, teilte Reinicke mit und wies in diesem Zusammenhang auch gleich auf die Betriebserlaubnisverfahren hin. So werden beispielsweise in der Kita „Sonnenschein“ befristet mehr Kinder betreut, als die Räume normalerweise hergeben.

Kita-Schließungen in der Vergangenheit verhindert

Er sei schon immer gegen Kita-Schließungen gewesen. Insgesamt drei Einrichtungen seien in den 1990er-Jahren allein in Zehdenick geschlossen worden. Er erinnerte an jüngere Bestrebungen in der Stadtpolitik, nicht nur die Kitas in Badingen und Marienthal schließen zu wollen, sondern auch Schulen in Mildenberg und Zehdenick. Dagegen habe er damals erfolgreich interveniert: „Das konnte verhindert werden. Da hatte ich immer eine maßgebliche Rolle“, ergänzt er.
Was er mit seinen Feststellungen zur Auslastung der Kitas aber auf jeden Fall sagen wollte war, dass die Stadt keine neuen Kita-Plätze schaffen muss, abgesehen von dem Erweiterungsbau der Kita „Sonnenschein“, der im Laufe des Jahres fertiggestellt werden soll. Die Notwendigkeit dieses Neubaus habe er nie in Frage gestellt, er komme nur viel zu spät.