Bildung
: Von der Straße an die Schulbank geholt

Am Dienstag bekamen zehn junge Leute ihre Zeugnisse – bei „Neustart Zootzen“ bekamen sie die Chance, ihren Abschluss zu machen.
Von
Wolfgang Gumprich
Tornow
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Aufgestellt zum Erinnerungsfoto: Die Jugendlichen, die vom Zootzener Neustart-Team bis zu ihrem Schulabschluss gebracht wurden, mit ihren Lehrern und Betreuern

Wolfgang Gumprich

Zusammen mit weiteren acht jungen Menschen haben Alima und Luisa bei „Neustart“ einen wirklichen Neustart hingelegt; am Dienstag erhielten sie ihre Abschlusszeugnisse in der Mühle Tornow. „Neustart“ ist eine Einrichtung des Evangelischen Johannesstifts für Jugendhilfe in Zootzen. Drogen, psychische Störungen, Null-Bock-auf-Schule – dies sind laut Bereichsleiter Norbert Schröder die üblichen Gründe, weshalb die Jugendlichen nach Zootzen kommen: „Wir haben die, die keiner mehr haben will!“ Die meisten Jugendlichen blieben bis zu fünf Jahre in der Einrichtung, sagt er. Jede Entscheidung werde aber in enger Kooperation mit den jeweiligen Jugendämtern bundesweit getroffen. So kommen vom diesjährigen Abschlussjahrgang vier Jugendliche aus Sachsen, zwei aus Brandenburg, je einer aus Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen sowie Sachsen-Anhalt.

Sehr zufrieden mit den Leistungen der jungen Leute zeigte sich Norbert Schröder bei der Zeugnisübergabe am Dienstag. Die Leistungen seien hervorragend, vor allem wenn man berücksichtige, in welch kurzer Zeit die Schüler den Stoff lernen mussten und es Schüler seien, die die längste Zeit ihres Lebens eine Schule eher „von außen als von innen“ gesehen hätten. Je länger das Schuljahr fortgeschritten sei, habe eine „beeindruckende Gelassenheit und Coolness“ der jungen Leute immer aufgeregteren Lehrern gegenübergestanden. Schröder: „Da wusste ich, dass es läuft!“ Und er zitierte einen älteren Kollegen: „Wenn die Schüler verstanden haben, dass der Lehrer nicht ihr natürlicher Feind ist, dann haben wir eine Chance.“

Und Luisa hat das wohl verstanden: Sie will noch ein weiteres Jahr in Zootzen bleiben und die Fachoberschulreife (und damit den Zugang zum Gymnasium) nachholen.

Prüfungen und Absolventen

Die Prüfungen der Einrichtung "Neustart" werden vom Schulamt festgelegt und extern durchgeführt, meist an der  Albert-Schweitzer-Schule Hennigsdorf.

Ihre Fachoberschulreife haben erhalten: Marleen Boswank (beste Schülerin, Notendurchschnitt 1,2), Cody Crowe, Alima Netuschil und Nadine Schreiber.

Die Erweiterte Berufsbildungsreife ist Grundlage für viele Berufe in der Dualen Ausbildung. Diese erreichten Luisa Busch, Alicia Liebezeit, Phil Paweltzik, Pascal Pfannenschmidt und Alexander Wendt.

Die Berufsbildungsreife – entspricht dem Hauptschulabschluss – erreichte Christoph Hauck.⇥wg