Das Amt Gransee hat sich am Montag verwundert gezeigt. Wegen Vorkommnissen am Rande der Corona-Demo am Freitag in Gransee und eines gleichzeitigen Gottesdienstes für Corona-Opfer in der Marienkirche möge Amtsdirektor Frank Stege ein klärendes Gespräch führen mit beiden Veranstaltern. Das forderte Joachim Paulke, der Granseer Schiedsmann, in einem Brief.
Wolfgang Schwericke, der für ordnungsrechtliche Belange zuständige Fachbereichsleiter im Amt, erklärte, es sei nicht ersichtlich, wo überhaupt das Problem sei. Zwei Veranstaltungen in unmittelbarer Nachbarschaft fanden statt, zu einer Zeit, die vom Gesetzgeber in Sachen Lautstärke „nicht geschützt“ sei. Dass bei einem Gottesdienst die Glocken läuten, sei gutes Recht der Kirchengemeinde. Vor allem aber: „Es gibt keine der beiden Seiten, die etwas offiziell zur Anzeige brachte“, erklärte Wolfgang Schwericke. Die Kirchengemeinde habe sich zum Beispiel auch nicht offiziell beklagt, dass während des stillen Gottesdienstes vor der Tür Personen lautstark mit Megaphon Stellungnahmen verlasen. Die Frage sei: Weshalb haben die Veranstalter der Corona-Demo nicht einen anderen Ort für ihr Treffen ausgewählt?

Provokation werde nicht geduldet

In einer Erklärung der evangelischen Kirchengemeinde Gransee und des evangelischen Kirchenkreises Oberes Havelland heißt es, die für Freitag geplante Andacht zu einem Zeitpunkt, da eine Querdenkergruppe vor der Kirchentür ein Treffen angekündigt hatte, habe Menschen in der Kirche zusammengebracht, „die sich um die Entwicklung in diesem Land sorgen“. Eine Entwicklung, die das Potenzial habe, „die Gesundheit, die Solidarität und den Zusammenhalt“, aber auch die Sicherheit der demokratischen Zivilgesellschaft nachhaltig zu gefährden. „Wir sind nicht verpflichtet, Bewegungen, die sich bewusst vor unserer Haustür treffen, um zu provozieren, stillschweigend hinzunehmen.“
Mit einer massiven Flyeraktion sei im Vorfeld die Demo vor der Marienkirche mit Symbolen der Kirche und prominenten Zitaten beworben worden. Die Werbeflyer hätten unter anderem ein Bild der Granseer St. Marienkirche gezeigt und den Ratsvorsitzenden der EKD, Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, zitiert, sowie Dr . Peter Neher vom Verband des Deutschen Caritasverbandes. „Die Werbung mit dem Symbol der Kirche und entsprechenden Zitaten führte zu merklichen Irritationen in der Stadt“, heißt es.

Sicherer Raum für Protest

In der Erklärung von Kirchenkreis und -gemeinde wird auf Äußerungen von Verfassungsschützern hingewiesen, die die Querdenker-Bewegung in der Nähe von Extremisten sehen: „Auch der Brandenburger Verfassungsschutz nehme aufmerksam wahr, so der Innenministeriumssprecher Martin Burmeister, dass neben Kritikern aktueller Corona-Maßnahmen auch Rechtsextremisten, Reichsbürger und Anhänger der Verschwörungstheorie-Bewegung QAnon solche Versammlungen aufsuchten und teilweise initiierten“.

Einladung kommt trotz Kälte gut an

Mit der Andacht haben die Kirchengemeinde Gransee und der Kirchenkreis Oberes Havelland den zahlreichen aufgebrachten Gemeindegliedern, Bürgern und Kritikern des Querdenker-Treffs vor der Kirchentür einen sicheren Raum für ihren Protest gegeben. Die Gemeinde und der Kirchenkreis würden die Andacht am Freitag als ein klares Signal und eine Einladung für ein solidarisches Zusammenleben ansehen. Erfreut sei man, dass so viele Menschen der Einladung in die Kirche gefolgt sind. Die am Ausgang gesammelte Kollekte von über Einhundert Euro werde der Hospizarbeit im Landkreis Oberhavel zur Verfügung gestellt.
Mehr zu Corona und den Folgen in Brandenburg und Berlin gibt es auf unserer Themenseite.