Eine Woche lang war die Grüneberger Grundschule wegen Coronainfektionen geschlossen. Vier Klassen mit 94 Kindern mussten zu Hause in Quarantäne bleiben, da drei Lehrer und acht Kinder positiv getestet worden waren.
Aber was heißt häusliche Quarantäne genau? Wir haben beim Landkreis Oberhavel noch einmal nachgefragt. Es antwortet Sprecherin Ivonne Pelz.

Dürfen die Eltern der infizierten Kinder außerhalb arbeiten? Dürfen Geschwisterkinder von infizierten Kinder das Haus verlassen, um zum Beispiel zur Schule oder den Nachbarn zum Spielen gehen?

Für positiv auf das Sars CoV2-Virus getestete Personen ordnet das Gesundheitsamt eine häusliche Quarantäne an. Gleiches gilt für direkte Kontaktpersonen der Kategorie 1. Eine Quarantäne wird dann behördlich angeordnet, wenn ein hohes Risiko besteht, dass man sich angesteckt hat. Ein solches Risiko liegt vor, wenn man innerhalb der vergangenen zwei Wochen engen Kontakt zu einem Erkrankten mit einer laborbestätigten Covid-19-Diagnose hatte. Ein enger Kontakt bedeutet hauptsächlich, dass man mindestens 15 Minuten mit dem Erkrankten gesprochen hat beziehungsweise angehustet oder angeniest worden ist, während dieser ansteckend gewesen ist. Die Beurteilung des Ansteckungsrisikos und damit die Anordnung und Aufhebung der Quarantäne obliegt dem Gesundheitsamt.

Im selben Haushalt lebende Eltern und Geschwisterkinder sind insofern als Kontaktpersonen der Kategorie 1 einzustufen. Daher dürfen sie weder zur Arbeit beziehungsweise zur Schule gehen oder mit anderen Personen Kontakt haben. Nur so kann die Infektionskette unterbrochen werden.

Was heißt häusliche Quarantäne genau? Dass das Haus, die Wohnung, nicht verlassen werden darf? Dürfen Betroffene spazieren, einkaufen gehen?

Während der angeordneten Quarantänezeit darf die eigene Wohnung beziehungsweise das eigene Grundstück nicht verlassen werden. Das heißt: Frische Luft tanken im eigenen Garten oder auf dem Balkon sind erlaubt, sofern hier keine Kontakte mit nicht im eigenen Haushalt lebenden Personen stattfinden. Spaziergänge oder gar Einkaufen gehen sind tabu.

Die Quarantäne ist wichtig. Sie dient dem Schutz aller vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus und soll die Verbreitung der Erkrankung verhindern.

Was ist mit den Kindern, die nicht infiziert sind, aber wegen der Fälle ebenfalls in häuslicher Quarantäne sind. Was dürfen die?

Die Regeln der häuslichen Quarantäne machen keinen Unterschied zwischen mit dem Coronavirus infizierten Personen und Kontaktpersonen der Kategorie 1. Denn direkte Kontaktpersonen der Kategorie 1 werden abgesondert, weil sie potenziell ansteckend sein könnten.

Was ist mit deren Geschwistern und Eltern?

Für Eltern und Geschwistern von Kindern, die als Kontaktpersonen der Kategorie 1 eingestuft werden, erfolgt keine häusliche Absonderung. Denn es gilt: Kontaktpersonen von Kontaktpersonen werden nicht isoliert. Nur bei Auftreten von Symptomen tritt eine Haushaltsquarantäne in Kraft.

Wartet ein in der Häuslichkeit lebendes Familienmitglied auf ein Covid-19 Testergebnis, weil ein Kontakt zu einer Covid-19 infizierten Person bestanden hat, kann ein weiteres in dieser Häuslichkeit lebende Kind weiterhin in der Kita betreut werden oder den Hort und die Schule besuchen, da es sich hierbei um einen Kontakt zur Kontaktperson – also keinen Kontakt ersten Grades – handelt.

Wie lange gilt die Quarantäne?

Die Entlassung aus der Isolierung erfolgt nach bestimmten Kriterien, in der Regel dann, wenn von einer Weiterverbreitung nicht mehr auszugehen ist. Insofern lässt sich hier kein pauschaler Zeitraum benennen.

Für mit dem Coronavirus infizierte Personen wird die Quarantäne in der Regel dann aufgehoben, wenn der oder die Person wieder gesund ist, er oder sie also mindestens 48 Stunden symptomfrei ist.
Für Kontaktpersonen der Kategorie 1 wird die Quarantäne regelmäßig für 14 Tage seit dem letzten Kontakt mit einer infizierten Person angeordnet. Neu ist, dass die häusliche Absonderung auf zehn Tage verkürzt werden kann, wenn ein negativer SARS-CoV-2-Test vorliegt. Der Test darf aber frühestens am zehnten Tag der Quarantäne durchgeführt werden.

Ist das Gesundheitsamt immer involviert?

Ja. Die Anordnung einer häuslichen Quarantäne wird ausschließlich vom Gesundheitsamt angeordnet. Es wird dabei genau festgelegt wie lange jemand in Quarantäne bleiben muss. Die Maßnahme endet aber nicht automatisch, sondern erst, wenn sie durch das Gesundheitsamt wieder aufgehoben wurde.

Für alle Menschen, die sich in häuslicher Quarantäne befinden, erfolgt zudem ein Monitoring. Sie erhalten regelmäßig Anrufe von Mitarbeitenden des Gesundheitsamtes, die unter anderem nach Infektionssymptomen fragen.

Was mache ich, wenn ich jemanden auf der Straße, beim Einkauf treffe, der eigentlich in Quarantäne sein sollte?

Verstöße gegen eine angeordnete Quarantäne können mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe geahndet werden. Sollten Sie einen Quarantäne-Verstoß feststellen können Sie sich an die anordnende Behörde, also das Gesundheitsamt wenden, am besten per E-Mail unter: ges.infektionsschutz@oberhavel.de

Mehr zu Corona und den Folgen in Brandenburg und Berlin gibt es auf unserer Themenseite.

Fast 11.500 Schüler in Quarantäne


Von Brandenburgs Schulen (Stand 2. Dezember) wurden laut Bildungsministerium insgesamt 11.485 Quarantäne-Fälle bei Schülerinnen und Schülern gemeldet, das sind 515 mehr als am Tag zuvor und entspricht einem Anteil von 3,9 Prozent aller 292.659 Schülerinnen und Schüler in Brandenburg. Für den begrenzten Zeitraum ihrer Quarantäne werden die Schülerinnen und Schüler im Distanzunterricht weiter unterrichtet. Dafür gibt es Notfallpläne in den Schulen. Unter den Schülerinnen und Schülern in Quarantäne gibt es aktuell 450 positiv getestete Schülerinnen und Schüler (0,15 Prozent).

Insgesamt 825 Quarantäne-Fälle von Lehrerinnen und Lehrern wurden gemeldet, das sind 63 mehr als am Tag zuvor und entspricht einem Anteil von 3,4 Prozent aller 24.159 Lehrkräfte an Schulen in öffentlicher und freier Trägerschaft. Das heißt aber nicht automatisch, dass diese Lehrkräfte nicht für den Unterricht zur Verfügung stehen. Vielmehr werden sie für Distanzunterricht und andere Aufgaben eingesetzt und sind im Dienst. Unter den Lehrerinnen und Lehrern in Quarantäne sind 143 positiv getestete Lehrkräfte (0,6 Prozent).

Zehn Schulen waren wegen Corona komplett geschlossen, das ist eine mehr als am Tag zuvor und entspricht einem Prozent aller 915 Schulen in öffentlicher und freier Trägerschaft.