Corona-Krise: Eis Adam in Grüneberg wurde kalt erwischt

Ist auf Großkunden ausgerichtet. Peter Adam muss in Corona-Zeiten umdenken.
Burkhard KeeveMit dem Verkauf an Privat-, sprich Einzelkunden, versucht Eis Adam seine Bestände an Frischwaren wie Kartoffelsalat, Würstchen und Milch wenigstens etwas abzubauen. „Doch bis jetzt ist nur das gesamte Toilettenpapier weg“, sagt Peter Adam (66 Jahre) und kann nur den Kopf darüber schütteln. Der Verkauf an Privatkunden schleppt sich dahin. Das liegt aber vor allem daran, dass der Grüneberger Betrieb sonst vor allem Großhändler beliefert, die nicht mit normalen Einkaufsmengen rechnen, sondern Waren auch mal palettenweise ordern. Wer kauft schon Milch in Zwölferkartons oder eingelegte Gurken, die für Großküchen ausgelegt sind.
„Wir sind zum Glück breit aufgestellt“, sagt Peter Adam. Seine gekühlten Waren gehen auch an Bäcker und Fleischer sowie an einige Gastronome. „Die haben zwar alle geschlossen, kochen aber Außer-Haus-Gerichte“, so der Seniorchef. Doch Eis Adam muss sich gerade jeden Tag „neu erfinden“, sagt sein Sohn Marcel (40). Nichts ist mehr normal. Täglich gewohnte Liefertouren waren gestern, „jetzt müssen wir jeden Morgen überlegen, wer, wann was, wohin fährt.“
Das geht an die Substanz und an die Nerven. Zwar versuchen sie nach außen hin ruhig zu wirken, Zuversicht zu verströmen, doch im Innern haben auch sie Angst, weil niemand weiß, wie es weitergeht. Schlafen kann Peter Adam schon lange nicht mehr richtig. Die 16 Mitarbeiter von Eis Adam wissen, was auf sie zukommt: Kurzarbeit. Sowieso ist derzeit nur die Hälfte im Betrieb, um die Ansteckungsgefahr zu reduzieren und um die Firma nicht komplett lahm zu legen. „Unsere Mitarbeiter stehen hinter uns, das ist zu spüren“, sagt Peter Adam. Um die finanziellen Einbußen bei Kurzarbeit abzufedern, es gibt nur 60 Prozent des Nettolohns, soll die Last auf alle Schultern gleichmäßig verteilt werden. „Ich will niemanden entlassen, das ist mir wichtig“, sagt Peter Adam.
Doch es geht ans Eingemachte. Rund 1 500 bis 2 000 unterschiedliche Artikel lagern in den drei Kühllagern. "Speiseeis ist gerade ein Totalausfall. Eigentlich beginnt Mitte März die Saison“, sagt Peter Adam. Jetzt bleibt es in den Regalen liegen, bei minus 22 Grad Celsius. Die Energiekosten laufen weiter. „Ich kann die Kühlung ja nicht einfach abstellen“, sagt Peter Adam.
Also werden größere Projekte auf Eis gelegt. Zum 70-jährigen Firmenjubiläum von Eis Adam im nächsten Jahr sollte eigentlich eine neue Halle eröffnet werden, mit Solarpaneelen und moderner Speichertechnik – wegen Corona wird daraus nun nichts.
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Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf.
Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf. Und am Ende steht ein Kürzel.⇥kürzel
