Deckeneinsturz in Kirche
: Drastische Folgen von Grüneberg – drei weitere Kirchen gesperrt

In der Kirche Grüneberg ist am 18. Juni die Decke eingestürzt. Der Kirchenkreis Oberes Havelland leitete bei drei anderen Gotteshäusern genauere Untersuchungen ein. Diese wurden gesperrt.
Von
Stefan Zwahr
Grüneberg
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Am Sonntag, 18. Juni, stürzte das Dach der Kirche in Grüneberg ein. Nun kommt die Meldung vom Kirchenkreis Oberes Havelland, dass drei weitere Kirchen gesperrt wurden.

Stefan Determann/Kirchenkreis Oberes Havelland

Der Vorfall in Grüneberg, wo am 18. Juni die Kirchendecke komplett einstürzte, bewegt auch einige Tage danach die Menschen – und beschäftigt ein Ingenieurbüro und das kirchliche Bauamt in Berlin. In der Hauptstadt wurde fünf Tage nach dem Unglück im Löwenberger Land entschieden, drei Kirchen in der Region zu sperren.

Über die Entwicklungen informierte der Kirchenkreis Oberes Havelland in einer schriftlichen Mitteilung. Als Grund für die vorsorglichen Sperrungen wurde angegeben, dass die betroffenen evangelischen Gotteshäuser ähnliche Dachkonstruktionen haben wie die beschädigte Dorfkirche.

Kirche in Leegebruch betroffen

Aus der Erklärung geht hervor, dass nach der Schadensanalyse zum Deckeneinsturz in der Grüneberger Kirche ein Ingenieurbüro drei Kirchen im Kirchenkreis Oberes Havelland ermittelt habe, die vorsorglich einer genaueren Untersuchung unterzogen werden. Dabei handele es sich um Kirchen mit Brettbinderdächern aus der Bauzeit von zirka 1960 bis zum Ende der 1980er Jahre. „Der Kirchenkreis hat bereits eine statische Zustandsbewertung der fraglichen Bauteile beauftragt. Diese wird kurzfristig in den kommenden Tagen erfolgen.“

Bis die Ergebnisse vorliegen, sei durch das kirchliche Bauamt in Berlin eine vorsorgliche Sperrung der Gebäude verfügt worden. Betroffen sind die Kirchen in Leegebruch, Barsdorf (Fürstenberg/Havel) und Hindenberg (Lindow/Mark). „Die zuständigen Pfarrerin und Pfarrer vor Ort, wurden informiert und beauftragt, die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen.“

Erforderliche Maßnahmen in Grüneberg

In Grüneberg waren – laut Kirchenkreis vermutlich am Sonntag – große Teile der Decke in der Dorfkirche eingestürzt. Trümmer fielen auf den Altarraum und die vorderen Bankreihen. Verletzt wurde niemand. Zur Situation in der Kirche würde das Ingenieurbüro ibs derzeit das Konzept zur Sicherung und Wiederherstellung der Kirchendecke erarbeiten, lässt der Kirchenkreis Oberes Havelland verlauten. Dazu sei mitzuteilen, dass grundsätzlich folgende Maßnahmen notwendig werden:

■ Entlastung der verbliebenen Unterdecke vom Dachboden aus (Schüttung entfernen)
■ Kirchraum beräumen sowie Sichern bzw. Schützen der Inventarien
■ Stellung einer Raumrüstung
■ Entfernen der restlichen Deckenverkleidung
■ Einbringen der neuen Deckenverkleidung
■ Vermutlich Instandsetzung/Restaurierung des Altars

In der Mitteilung heißt es weiter: „Ein finanzieller Rahmen und der mögliche zeitliche Ablauf sind noch nicht ermittelt.“

Die Dorfkirche Grüneberg sei nach dem Deckeneinsturz (das Kirchendach selbst ist intakt) vom Konsistorium der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz vorerst geschlossen worden, sagte Pfarrer Reinhard Kees dem Evangelischen Pressedienst. Wie lange sie gesperrt bleibe, sei derzeit offen. Zur Not könnte die Dorfkirche aus dem 13. Jahrhundert auch ohne die Decke genutzt werden, sagte Kees. Die Gemeinde werde im Sommer voraussichtlich auf ein Zelt ausweichen. Statt in der Kirche solle dann alle zwei Wochen dort Gottesdienst gefeiert werden. Die Nachbargemeinde Liebenberg habe zudem ihre Kirche als Ausweichort angeboten

Der Schaden wird auf Materialermüdung sowie Folgen von Starkregen und anhaltender Hitze zurückgeführt. Die Höhe des Sachschadens sei noch offen, so Kees. Unter den Trümmern der herabgefallenen Unterdecke des vorderen Kirchenschiffs ist nach Gemeindeangaben auch der barocke Kanzelaltar aus dem 18. Jahrhundert verschüttet.

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