"Ich bin mir sicher, dass wir mit unserem gemeinsamen Schulterschluss heute das Vorhaben noch verhindern können", sagte am Donnerstagabend Templins Bürgermeister Detlef Tabbert (Die Linke) bei der Bilanzveranstaltung der Initiative gegen Gasbohren in der Naturtherme Templin (Uckermark). "Der Protest ist fröhlich, bunt und laut, ich wünsche mir, dass dies so weitergeht", sagte ebenso Zehdenicks Bürgermeister Bert Kronenberg (parteilos).
Anlass der Veranstaltung war das einjährige Bestehen der Bürgerinitiative gegen Gasbohren Zehdenick-Gransee-Templin. Ungefähr 300 Menschen waren gekommen, um über das Erdgasprojekt informiert zu werden und einen Überblick über vergangene und geplante Aktivitäten der Bürgerinitiative zu erhalten. Als symbolischen Akt für den gemeinsamen Kampf gegen das Vorhaben der Niederländer haben Bert Kronenberg, der Granseer Amtsdirektor Frank Stege, Detlef Tabbert und Lychens Bürgermeisterin Karola Gundlach (parteilos) jeweils einen Protestbrief an den Wirtschaftsminister Jörg Steinbach und den Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (beide SPD) des Landes Brandenburg unterschrieben. In dem Brief fordern die Gasbohrgegner die Politiker dazu auf, das Vorhaben zu verbieten. "Sauberes Wasser, Luft und Böden sind ein kostbares Gut. Dieses gilt es zu schützen", fasste Initiativensprecherin Ulrike Werner aus Hammelspring (Uckermark) die Gründe dafür zusammen.
"Die größte Gefahr ist, dass unser Trinkwasser kontaminiert wird", erläuterte Werner weiter. So würden bei der Förderung von Erdgas sowohl Gesteinsschichten, in denen Umweltgifte wie radioaktive Stoffe oder Salze vorkommen, als auch Trinkwasser enthaltende  Schichten durchbohrt. Zudem befürchten die Gegner Horizontalbohrungen, die weit über das Lizenzgebiet – also etwa bis nach Lychen (Uckermark) oder Fürstenberg – hinausgehen. Das Gebiet erstreckt sich auf einer Fläche von 368 Quadratkilometern auf dem Gebiet der Städte Zehdenick, Templin und Gransee. Die Firma Jasper prüft dort derzeit, ob sich die Gasförderung wirtschaftlich lohnt. Die Erlaubnis dafür hat das Unternehmen am 9. November 2015 erhalten. Im November dieses Jahres müsse diese allerdings auf Antrag von Jasper verlängert werden, erklärte Ulrike Werner.

Gefahr von Erdbeben

Weiterhin bestehe für die gesamte Region Erdbebengefahr, führte die Initiativensprecherin weiter aus. In einem Gasfördergebiet in Niedersachsen seien, zum Beispiel im November 2019, zwei Beben, die laut Aussagen des dortigem Bergbauamtes, "sehr wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Erdgasförderung" stehen,  registriert worden.
Um die Probebohrungen zu stoppen sowie die anschließend geplante Erdgasförderung zu verhindern, wurde im Januar 2019 die Bürgerinitiative gegen Gasbohren Zehdenick-Templin-Gransee gegründet. "Beim Gespräch am runden Tisch im März in Zehdenick ließen unsere konkreten Fragen die Jasper-Vertreter erstmals straucheln" , erklärte Ralph Riesenberg, ebenso Sprecher der Bürgerinitiative, die ersten Erfolge. An dem Gespräch nahmen zudem Vertreter aus Politik und Wirtschaft sowie des Bergbauamtes teil. Drei Tage später sprachen sich nach den Granseer, Templiner, Fürstenberger und Lychener ebenso die Zehdenicker Stadtverordneten offiziell per Beschluss gegen das Erdgasförderprojekt aus. Im April demonstrierten fast 1 000 Teilnehmer in Zehdenick unter dem Motto "Gemeinsam-friedlich-bunt und laut".
Mögliche Strategien zum Verhindern des Vorhabens der Firma Jasper erläuterte der Aktivist Andy Gheorghiu, der unter anderem für sauberes Trinkwasser kämpft und ebenso wie Angela Glaser über die regionale Gasqualität und wie Kyra Maralt zum Thema Fracking einen Vortrag im Saal der Templiner Therme hielt. Laut Gheorghiu könne durch Verbote im Regionalplan verhindert werden, dass die Lizenz für die Probebohrungen im November dieses Jahres verlängert wird. "Die Argumente sollten an den Zielen des Regionalplanes ausgerichtet werden", erklärte der Aktivist. Wenn alle Akteure ein bisschen kreativ seien, werde dies auf jeden Fall gelingen, ist er sich sicher.
"Wichtig ist, dass wir weiter klar Farbe bekennen", sagte Gransees Amtsdirektor Stege. "Wir müssen unsere Heimat schützen", erklärte zustimmend Lychens Bürgermeisterin Gundlach. Die nächste Gelegenheit, sich zu engagieren, besteht am 9. Mai bei der Demonstration in Zehdenick, kündigte Ralph Riesenberg an.