Bereits im vergangenen Jahr, als Johannes Brüning mit Freunden, Bekannten und ersten Baumpaten die immerhin 513  verschiedenen Obstbäume in die Erde brachte, war Rother vor Ort, um eine erste Bestandsaufnahmen, also die Zählung von Wildbienen vorzunehmen. Nur hält sich das Geschwirre  eben Ende September doch in Grenzen. Deutschlandweit, so weiß er, gibt es zirka 560 unterschiedliche Wildbienenarten, in Berlin und Brandenburg allerdings nur rund 300. Wie viele dieser fliegenden Geschöpfe es auf dem Areal in Grüneberg gibt, das will er ermitteln und wird deshalb in regelmäßigen Abständen mit seinem Kescher auf dem Areal unterwegs sein. Dabei dient ihm das eingezäunte 5,8 Hektar große Areal als Bezugsgröße.
In der Perspektive soll dann anhand der Veränderungen, die sich beispielsweise durch den Wuchs der Bäume und die Bewirtschaftung der Wiese ergeben, ermittelt werden, wie sich die Wildbienenarten damit arrangieren, ob deren Zahl konstant bleibt, vielleicht sogar ansteigt oder auch abnimmt. Eine Sisyphusarbeit, der sich Frederik Rother jedoch gern und, wie durchaus anhand des durch die Wiese dahinziehenden Keschers zu sehen ist, auch mit Elan stellt.
Derweil haben sich parallel dazu mehrere studentische Arbeitsgruppen von drei bis vier Mitstreitern gefunden. Mit dem Bestimmungsbuch und einer Liste in der Hand, wollen sie erfassen, was an Gräsern, Kräutern und anderen Pflanzen auf dem Areal vorhanden ist. Die Standorte können sie selbst festlegen, nur muss in den Unterlagen genau vermerkt werden, wo sie sich befinden, entweder anhand der Baumreihen, da alle 513 Bäume erfasst sind, oder per GPS-Daten. Dann wird eine Fläche in der Größe von vier Mal vier Metern abgesteckt. Wer Aufwand betreiben möchte, kann Flatterband nehmen. Sasha Volderrama, sie studiert Öko-Landbau und Vermarktung, und ihre Mitstreiterinnen Manja Lutze, Lydia Jungnickel und Helga Weiss, die sich dem Landschafts- und Naturschutz verschrieben haben, sind da eher pragmatisch. Sie haben auf das Flatterband verzichtet und den Rand des zu untersuchenden Quadrats einfach niedergetreten. Die Wirkung ist dieselbe. Wichtig ist nur, dass die Größe eingehalten wird.
Dann geht es für die Truppe auf die Knie, um sehen und zu dokumentieren, was da wächst. 30 bis 40 verschiedene Arten an Pflanzen erwartet Professorin Inga Schleip, die die Studenten betreut. "Sehen Sie, da stehen gleich nebeneinander das wollige Honiggras und der Schwingel, das Gelbe ist das Kriechende Fingerkraut und die blaue Blume der Gamander Ehrenpreis. 30 Arten zu finden, dürfte kein Problem sein", sagt sie. Die Studenten blicken da eher skeptisch in die Runde, lassen sich aber ihren Mut nicht nehmen. Immerhin ist die Exkursion eine angenehme Abwechslung vom studentischen Alltag.
Dass die einzelnen Gruppen weit voneinander entfernt arbeiten, ist gewollt. Denn die 5,8 Hektar Wiese sind keinesfalls homogen in ihrem Bewuchs. Trockene Standorte wechseln sich mit üppigem Bewuchs ab. Ein Grund kann sein, dass dort, wo die Pflanzen kleiner sind, das Wasser fehlt, ein anderer, dass die Zusammensetzung des Bodens schlechter ist. Auf Sand wächst es sich halt weniger gut.
Auch hier ist das Anliegen der Hochschule, die Zusammenarbeit mit der Stiftung weiterzuführen, um zu kontrollieren, wie sich die Zusammensetzung der Flora und Fauna im Laufe der Jahre entwickelt, wenn die derzeit gut anderthalb bis zwei Meter großen Setzling zu stattlichen Exemplaren heranwachsen und für Schatten sorgen. Außerdem stehen auch nicht überall die gleichen Bäume. Schon allein wegen der Starkstromleitung, die das Gelände quert, geht das nicht, wie Johannes Brüning erklärt. Denn dort, wo die Kabel weiter herunterhängen, dürfen die Bäume maximal bis drei Meter in die Höhe ragen, daneben bis zu sechs Meter, auf dem Rest des Geländes dürfen sie, soweit es die Natur erlaubt, in den Himmel wachsen.

Baumpaten werden noch gesucht


Interessierte für die Obstbäume  auf der Wiese werden noch gesucht.

Die App mit einem Bericht über das Projekt und mit einem Blick auf echte und virtuelle Bäumen ist fertig. Einfach unter: https://www.hof-grueneberg.de/stiftung/app-stark-wie-ein-baum aufrufen.

Die Patenschaft kostet zwölf Euro pro Monat. Sechs Euro gehen an den Kinder- und Familienbesuchsdienst der Caritas Berlin, vier erhält die Stiftung Hof Grüneberg, zwei werden für die Pflege der Bäume verwendet. veb