Flüchtlinge in Zehdenick
: Neue Unterkunft am Ziegeleipark – das ist geplant

Im Ziegeleipark in Zehdenick wird eine Unterkunft für Flüchtlinge entstehen. Was der Landkreis Oberhavel plant und wo die geflüchteten Menschen untergebracht werden sollen.
Von
Stefan Zwahr
Zehdenick
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Die Flüchtlinge, die derzeit vorwiegend aus der Ukraine kommen und vor dem dortigen Krieg flüchten, haben kaum mehr bei sich als das, was in eine Tüte passt. Sie hoffen nun auf eine sichere Unterkunft in Herzberg.

ARCHIV - 10.03.2022, Brandenburg, Potsdam: Ukrainische Flüchtlinge gehen nach ihrer Registrierung in der Orangerie der Biosphäre zur Straße. In dem umfunktionierten Bereich der Biosphäre wurden für Ukrainer neben Verpflegung und anderen Spenden aus der Bevölkerung 60 Schlafplätze angeboten. (Illustration zu dpa "Starke Zuwanderung führt zu Bevölkerungsrekord in Deutschland") Foto: Soeren Stache/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Flüchtlinge gehen nach ihrer Registrierung zur Unterkunft. Vergleichbare Bilder wird es künftig auch in Zehdenick geben. Der Landkreis Oberhavel will am Ziegeleipark geflüchtete Menschen unterbringen.

Soeren Stache/dpa (Symbolfoto)

Die Unterbringung von Flüchtlingen war in Zehdenick schon im Jahr 2023 Thema. Mehrere Varianten wurden intensiv diskutiert. Keine davon kam zum Tragen. Das ändert sich zunächst auch nicht – wenngleich die Kreisverwaltung Oberhavel ganz konkrete Pläne in der Havelstadt hat.

„Landkreis Oberhavel plant neue Unterkunft für Geflüchtete", ist eine Pressemitteilung überschrieben, die am Mittwoch (9. Oktober) verschickt wurde. Darin macht die Verwaltung klar, dass ab dem kommenden Jahr Flüchtlinge in Zehdenick untergebracht werden sollen.

Das ist am Ziegeleipark in Zehdenick geplant

Der Landkreis habe gemeinsam mit der Stadt Zehdenick eine neue Idee entwickelt. Der Plan: Im ehemaligen Kinderheim am Ziegeleipark in Mildenberg sollen bis zu 100 geflüchtete Menschen unterkommen.

Die Zeitschiene: „Aktuell wird das Gebäude instandgesetzt. Eine Belegung ist voraussichtlich ab Mitte des kommenden Jahres möglich", heißt es in der Mitteilung. Vor Ort werde es Personal für Sozialarbeit und einen Wachschutz geben. Mit Einrichtung der Gemeinschaftsunterkunft soll zudem die ÖPNV-Anbindung verbessert werden. „Davon profitiert auch das Ausflugsziel Ziegeleipark."

Für den 14. November um 18 Uhr ist in Zehdenick eine Informationsveranstaltung für Bürgerinnen und Bürger geplant. Bei der Veranstaltung, die in der Sporthalle der Exin-Oberschule stattfindet, wird der Landkreis Bürgerinnen und Bürger über weitere Details informieren.

Zehdenicks stellvertretender Bürgermeister Marco Kalmutzke – der nach dem Rücktritt von Lucas Halle die Amtsgeschäfte führt – sagt: „Die Stadt Zehdenick unterstützt den Kreis mit ihren Möglichkeiten vor allem in der Integration. Wir wollen, dass die Menschen mit Bleibeperspektive unsere Sprache lernen, arbeiten gehen und Teil unserer Gemeinschaft werden.“

Flüchtlinge in Zehdenick – diese Ideen gab es schon

In Zehdenick plante der Landkreis im Jahr 2023 den Bau einer Traglufthalle – nachdem es ursprünglich eine andere Idee gab. So sollte die alte Exin-Schule genutzt werden. Diese aus Sicht der Kreisverwaltung sozialverträgliche Lösung sei von der städtischen Verwaltung verbaut worden.

Der Kreistag von Oberhavel lehnte die Errichtung der Traglufthalle im September 2023 ab. Im Ergebnis musste die Kreisverwaltung nach Alternativen suchen. Der Plan von Landrat Alexander Tönnies sah dann die Nutzung einer Sporthalle vor. Es gab massive Kritik. In einem Sonderkreistag am 11. Oktober 2023 wurde erneut debattiert. Ergebnis: Die Sporthalle bleibt dem Schul- und Vereinssport vorbehalten, eine Traglufthalle darf gebaut werden.

Angegangen wurde das Projekt seither nicht. Die Kapazitäten in Oberhavel würden ausreichen, hieß es bislang. Auch nun soll durch die neue Idee der Bau einer Traglufthalle vermieden werden. Klar sei jedoch, so geht es aus der Mitteilung der Kreisverwaltung hervor: „Um Plätze für Geflüchtete zu schaffen, ist der Landkreis ständig auf der Suche nach Möglichkeiten."

Knapp 1600 geflüchtete Menschen soll Oberhavel laut Verteilschlüssel des Landes Brandenburg aufnehmen. Für 357 Menschen konnten bisher Unterkünfte bereitgestellt werden. Das Land Brandenburg habe das Aufnahmesoll für die Region zwar leicht um 180 gesenkt. Trotzdem bleibe die Unterbringung eine enorme Kraftanstrengung. „Jede Möglichkeit prüfen wir deshalb ganz genau“, wird Sozialdezernent Tobias Berger zitiert. Die Verwaltung sei weiter auf der Suche nach Gebäuden und baut die Kapazitäten aus.

Neue Unterkunft auch in Liebenwalde

Tobias Berger: „In Zehdenick haben wir bekanntlich schon länger nach einem guten Standort gesucht. Die geflüchteten Menschen möglichst über den ganzen Kreis verteilt und nicht nur auf wenige Orte konzentriert unterzubringen, war stets unser Credo." Die mehrfach diskutierte Traglufthalle diene nur als eine letzte Notlösung. „Wir sind froh, dass wir davon bislang keinen Gebrauch machen mussten." Berger freut sich, „dass wir nun dank der Unterstützung der Stadt Zehdenick neue Wege gehen können“.

Neben dem ehemaligen Kinderheim in Zehdenick entstehen weitere Plätze im ehemaligen Hotel Preußischer Hof in Bischofswerder bei Liebenwalde und in der Lindenstraße in Marwitz. In Lehnitz wird die bestehende Gemeinschaftsunterkunft erweitert, in Oranienburg-Eden ist ebenfalls eine neue Unterkunft eingerichtet worden.