Seinen ersten aktiven Auftritt hatte der Ur-Zehdenicker als Spieler der Schülermannschaft im Jahr 1963. Dem heutigen SVZ blieb er fortan treu. "Das war einfach so, wenn man in einer Kleinstadt groß geworden und der Heimat verbunden ist. Heute verändert man sich schneller als in den damaligen Jahren." Das habe aber nichts mit der Person oder dem Umfeld zu tun. Die Rahmenbedingungen hätten sich einfach verändert.
Das taten sie auch für den Verein, dessen erste Männer-Mannschaft aktuell zu den Spitzenteams der zweithöchsten Spielklasse des Bundeslandes gehört. "Soweit ich es nachvollziehen kann, erleben wir gerade die erfolgreichste Phase der Clubgeschichte", so Stabrey. Dabei sei sportlicher Erfolg immer mit einem gewissen Risiko verbunden. "Man kann heute viel machen, um erfolgreich zu sein. Dennoch muss man immer sehen, wie weit man sich aus dem Fenster lehnt. Das Risiko ist groß, irgendwann daneben zu liegen." Wenngleich der Verein aus Zehdenick ohne die ganz großen Krisen die Jahrzehnte überstand, betont Stabrey: "Ich sträube mich davor zu sagen, dass alles richtig gemacht wurde. Mit dieser Formulierung gehe ich vorsichtig um."
Dennoch bemerkt das Vorstandsmitglied, dass es immer wieder gelungen sei, die Großen der Szene zu ärgern. Das sei auch in den 70er Jahren so gewesen. "Wir spielten in der Bezirksliga, die damals die dritthöchste Liga war." In dieser Spielklasse habe es eine Spaltung gegeben. "Die oberen Teams hatten starke Betriebe oder Kombinate hinter sich, konnten damit attraktive Arbeitsplätze und Wohnungen bieten." Ob Premnitz, Ludwigsfelde, Brandenburg oder Hennigsdorf: Sie alle seien von den Voraussetzungen her besser ausgestattet gewesen. "Die konnten nach Spielern gucken, von denen wir nur geträumt haben."
Lothar Stabrey spielte bis Anfang der 80er viele Jahre in der ersten Mannschaft. "Ich war acht bis zehn Jahre Kapitän." Dann sei er irgendwann zum Auslaufmodell geworden – und wurde recht schnell Sektionsleiter. "Das ergibt sich im Fußball halt manchmal so. Ich habe das dann 20 Jahre gemacht."
Auch die Wendezeit erlebte Stabrey als Vereinsfunktionär hautnah mit. "Das waren schwierige Zeiten für uns. Wir mussten sehen, dass wir den Spielbetrieb aufrecht erhalten. Im Nachhinein betrachtet ist uns das ordentlich gelungen." Zehdenick fand sich zwei Jahre nach der Wende plötzlich in der Landesliga wieder – in Zeiten, "wo es einige in den Kopf bekommen haben". Spieler und Trainer hätten betont, dass es nur noch über Geld läuft.
Der erste außenstehende Trainer, den der SVZ installierte, war Wolfgang Juhrsch. Der einstige Oberliga-Spieler von Union Berlin betreute von 1987 bis 1989 die BSG Aufbau. 1997 sowie von 2005 bis 2008 trainierte er den Landesligisten SV Zehdenick. Stabrey: "Er hat ganz andere Methoden mitgebracht." Dennoch sei damals noch nicht daran zu denken gewesen, dass sich der Verein längerfristig in der Landesliga halten würde.
"Wir können stolz darauf sein, dass wir es über so viele Jahre hinbekommen haben." Das gelte nicht nur für die jüngere Vereinsgeschichte. "Man muss als Verein erst mal 100 werden. Das ist schon eine Hausnummer, bei all den Problemen, die sich so ergeben." Davon hätte der SVZ in seiner langen Geschichte nicht mehr oder weniger als andere Vereine gehabt. "Das waren und sind Sorgen, die jeder Verein auf der Ebene hat, wo wir uns bewegen."
Theoretisch ist es möglich, dass sich der SV Zehdenick ab der kommenden Saison auf einem ganz neuen Level bewegt. Der Aufstieg in die Brandenburgliga scheint möglich. "Es ist gerade mal die Hinrunde vorbei", wiegelt Stabrey ab. Im Vorstand seien alle sehr entspannt. Wichtig sei, solche Sachen mit Sorgfalt anzugehen und zu prüfen. "Wir werden an dieses Thema, wenn es zu einem wird, mit Geduld und Ehrfurcht herangehen. Man muss nach den Rahmenbedingungen gucken, damit nicht irgendwann das böse Erwachen kommt. Das ist keine Entscheidung, die aus dem Bauch heraus getroffen werden kann."
All das sei aber Zukunftsmusik. Zunächst werde gefeiert.

100 Jahre SV Zehdenick: Auszüge aus der Vereinsgeschichte


Der Sportverein (SV) Zehdenick wurde am 15. Januar 1920 gegründet.

Eine umfassende Chronik wurde von von Dr. Heinz Tamm erarbeitet. Mehrere Bücher sind erschienen.

Erster großer Erfolg war die Meisterschaft im Spielkreis Löwenberg-Uckermark in der Saison 1926/27.

Meister wurde Zehdenick auch ein Jahr später in der 1. Klasse des Berliner Nordkreises und stieg in die Kreisliga auf, damals die zweithöchste Spielklasse des Verbandes Brandenburgischer Ballspielvereine. In der Folge spielte der SVZ überwiegend im Norden und Osten der 1. Kreisklasse von Groß-Berlin.

Nach dem Krieg durften zunächst keine deutschen Sportvereine bestehen. 1946 wurde die SG Zehdenick gegründet, die prompt Meister im Sportbezirk Eberswalde wurde.

Nach der Auflösung der kommunalen Sportgruppe wurde am 1. September 1948 die Sportgemeinschaft Wacker gegründet. Zwei Jahre später übernahm der VEB Ziegelwerke die Trägerschaft.

Als BSG Chemie errang Zehdenick in der geteilten Bezirksklasse ungeschlagen die Meisterschaft. 1955 wurde die BSG Chemie in die BSG Aufbau überführt. 1959 gelang die Vizemeisterschaft in der eingleisigen Bezirksliga Potsdam.

Nach 17 Bezirksliga-Jahren musste Aufbau 1971 den Weg in die Bezirksklasse antreten. Der Wiederaufstieg wurde auf Anhieb geschafft und die Bezirksliga weitere acht Spielserien gehalten. In den 80er Jahren gab es einige Spielzeiten in der Bezirksklasse.

Im Wendejahr gründeten die Sportler der BSG Aufbau am 29. Mai 1990 den SV Zehdenick 1920. Die erste Mannschaft war gerade abgestiegen.

Zwei Jahre später folgte der Aufstieg. Als Erster der Bezirksklasse gelang nach erfolgreichen Qualifikationsspielen aufgrund der Spielklassenreform der Sprung in die Landesliga.

Als Tabellenletzter stieg das Team 1997 ab. Es folgten sieben Jahre in der Landesklasse. Dieser Spielklasse gehörte der SVZ auch von 2009 bis 2014 an.

Im Kreispokal erreichte Zehdenick drei Endspiele. 2005 war die Reserve unterlegen, 2012 und 2015 verpasste die Erste den Coup.