Grüner Daumen
: Kräutergarten in Altthymen eine Augenweide

Ruheständlerinnen haben in Altthymen einen attraktiven Anziehungspunkt für Touristen geschaffen. Sorgen macht ihnen die große Trockenheit.
Von
Thomas Pilz
Altthymen
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Ohne Kater läuft hier gar nichts: Mikesch überwacht die Szenerie und weicht den Frauen nicht von der Pelle. Das freut Lieselotte Baertz (links) und Annerose van Dahl. Denn das Tier fühlt sich "pudelwohl" im Kräutergarten, mithin tun sie das Richtige.

Thomas Pilz

Wenn es doch nur regnen würde. Die Erde ist staubtrocken – auch in Oberhavels nördlichstem Dorf Altthymen. Vor allem für Lieselotte Baertz und Annerose van Dahl bedeutet das Sonderschichten einlegen. Lange Wege mit der schweren Gießkanne müssen die Ruheständlerinnen in Kauf nehmen, damit die Pflanzenpracht ihres großen Gartens in Altthymen keinen Schaden nimmt. Die Damen sind zwar rüstig und vital, die Marke 70 haben sie aber auch schon längst hinter sich gelassen.

Nicht mehr einfach sei es daher, den Kräutergarten tagtäglich am Wachsen zu halten, ohne dass etwas ins Kraut schießt. Verstärkung? Leider ist sie zurzeit nicht in Sicht."Aber wenn sich jemand bereit erklären würden, mitzuhelfen, wäre das ein Segen zurzeit für uns“, betont Lieselotte Baertz, die mit ihrer Freundin die botanische Anlage vor einigen Jahren schuf. Nicht in erster Linie, um das Auge zu erfreuen, obgleich der Kräutergarten ein Musterbeispiel für perfektes Gärtnern sein dürfte.

Themenbezogene Beete

Vielmehr geht es den ehemaligen Drogistinnen darum, jene Zaungäste, die aus Freude an der Pracht an diesem paradiesischen Ort verweilen, mit der Heilkraft von Pflanzen vertraut zu machen. Ein Beet widmet sich zum Beispiel natürlichen Mitteln gegen Erkältungskrankheiten, ein anderes gegen Blasen- und Nierenleiden. Wer hätte das gedacht? Medizinischer Rhabarber kann als wirkungsvolles Mittel zum Abführen genommen werden. Aber nur die Wurzel, und Achtung: „Dieser Rhabarber ist sehr wirkungsvoll“, merkt Annerose van Dahl an und schmunzelt.

Färberpflanzen blühen bald

Neben Heilkräutern können weitere Nutzpflanzen (wie besagter Rhabarber) in dem Altthymener Kräuter-Idyll bestaunt werden. Demnächst zum Beispiel blühen die Färberpflanzen. „Die heißen so, weil man sie tatsächlich von Alters her zum Färben benutzt hat, etwa für Ostereier oder Bekleidung“, erklärt Lieselotte Baertz. Damit sie aber zur vollen Blüte gelangen, müssen auch die Färberpflanzen derzeit intensiv gegossen werden. „Das ist schon eine echte Rackerei“, merken die Frauen an. Vor allem, weil man nach ihrer Überzeugung das nicht mit kaltem und frischen Brunnenwasser tun sollte. „Regenwasser wäre am besten, also abgestandenes aus der Tonne etwa“, betont Baertz, die nicht zu Unrecht darauf stolz sein kann, mit ihrer Freundin Annerose alles in Eigenregie, aber vor allem ohne Zuhilfenahme von Drittmitteln, zu bewältigen. "Das Wasser zum Beispiel, das ich zum Gießen nehme, ist mein eigenes, denn auf dem Grundstück gibt es leider keinen Brunnen“, merkt Baertz an.Übrigens sind sie zwei echte Berliner Pflanzen, keine „Rucksackberliner“. Bereits vor Jahren zog es sie raus in die ländliche Idylle von Altthymen: Baertz ließ sich vor rund 15 Jahren in dem nördlichsten Oberhavel-Dorf nieder, van Dahl vor 13 Jahren. Die Idee, ihrer paradiesischen neue Heimat einen Kräutergarten zu stiften, kam ihnen gemeinsam mit den Mitgliedern des Heimatvereins „Zukunft Altthymen“.

Schwiegersohn hilft mit

Zumal es seinerzeit eine glückliche Fügung gab: Flächeneigentümer Wilhelm Jansen stellte freundlicherweise Land zur Verfügung. Und zwar ein Flurstück, das sich direkt neben dem Kinderspielplatz befindet. Auf ihm wächst mittlerweile auch ein Bärlauch-Beet. Gekrönt wird es von einer einzelnen Waldmeister-Pflanze. „Dann können wir im Sommer sogar Waldmeister Bowle zubereiten“, lachen die Beiden.

Hilfe lässt den Damen gerne übrigens auch der Schwiegersohn von Annerose van Dahl zuteil werden, der alte Holzbohlen für die Einfriedung der Beete spendierte. Und dann ist da noch der kleine Kater Mikesch. "Der weicht mir nicht von der Pelle“, schmunzelt van Dahl. Wenn sie und Baertz die Beete säubern, leistet Mikesch ihnen gerne Gesellschaft. Nur das Unkraut will er partout  nicht heraus zupfen. Diese Tätigkeit obliegt den Frauen nach wie vor.

Das Kleinod ist stets geöffnet

Dank einer Unterschriftensammlung stellte die Stadt Fürstenberg Hinweisschilder an der Dorfstraße auf, die Interessenten den Weg zum Kräutergarten weisen.

Der Garten ist für jedermann zugänglich und auch in Abwesenheit der Frauen geöffnet.

Zahlreiche Besucher haben sich bereits in ein kleines Gästebüchlein eingetragen. Lieselotte Baertz wohnt übrigens im Haus Altthymener Dorfstraße 27a.⇥pilz