Kommunalpolitik: Frauenpower für Kurtschlag

Sie hat es sich hübsch gemacht: Im Gemeindezentrum Kurtschlag empfängt Kurtschlags neue Ortsvorsteherin Karola Hoth jetzt die Gäste des Ortsteils und hält ihre monatliche Sprechstunde dort ab.
Martin RiskenStudium in Dresden
Eigentlich wollte die Sportbegeisterte Lehrerin für Sport und Mathematik werden. Doch die Gesundheit ließ es nicht zu, dass sie Sport unterrichten konnte. Also entschied sie sich für etwas Anderes: Sie studierte an der TU in Dresden Informatik, nachdem sie ein Rechenzentrum in Frankfurt/Oder besucht hatte. Es war der zweite Jahrgang Informatik überhaupt, den es damals in Dresden gab. Nach viereinhalb Jahren Studium hatte sie den Abschluss im März 1980 in der Tasche. In der Akademie der Wissenschaften in Zeuthen, später dann in Berlin-Adlershof beschäftigte sich die junge Informatikern mit dem Programmieren und dem Aufbau von Rechnernetzen, betreute später die Rechner für die Reichsbahn, wo sie später auch eine neue Anstellung fand. Kaum war die Mauer gefallen, machte sie sich mit einem Kollegen im Dezember 1989 auf zum Bundeszentralamt der Deutschen Bundesbahn nach München, wo sie schnell Führungsverantwortung übernahm. Ihre Kompetenz war später auch bei der Bundesbahndirektion in Frankfurt am Main gefragt, wo sie lokale Netze aufbaute. Während ihrer Zeit bei der Deutschen Bahn waren ihre Fachkenntnisse beim Aufbau des Arcor-Mobilfunknetzes in Israel gefragt. Wieder zurück in Deutschland fand sie bei einer Firma für Verschlüsselungstechnologien in Aachen eine berufliche Herausforderung, bevor sie nach Berlin zurückkehrte, um sich beim Lkw-Mautunternehmen Toll Collect mit Sicherheitsthemen zu beschäftigten.
Um ihren nächsten Job musste sich Karola Hoth nicht kümmern. Die T-System, ein Tochterunternehmen der Deutschen Telekom, warb sie ab. Schnell erwarb sie sich Anerkennung als „weiblicher Security-Papst“. Und weil sie es schaffte, komplizierte Technik einfach zu erklären, war ihr Fachwissen auf zahlreichen Kongressen und Tagungen im In- und Ausland gefragt. „Damals jettete ich viel durch Europa“, erinnert sie sich an eine aufregende, vor allem aber spannende Zeit. „Mit meiner 14-köpfige Gruppe habe ich dafür gesorgt, die Netze der Telekom sauber zu halten“, so Hoth. Eine ziemlich Herausforderung bei Tausenden Hackangriffen täglich. Doch mit 60 Jahren war dann Schluss. Es bestand die Möglichkeit, in Altersteilzeit zu wechseln. "Also suchte ich mir eine neue Herausforderung.“ Bestärkt von Nachbarn, die sie aufforderten, sich in die Kommunalpolitik einzubringen, fasste sie den Entschluss, für den Ortsbeirat Kurtschlag zu kandidieren. Zuvor hatte sie ihre beiden Vorgänger, Horst Raßmann und Helmut Schöttler, gefragt, was denn da an Arbeit auf sie zukommen könnte. Nachdem die Kurtschläger bei der Wahl ihr das Vertrauen geschenkt hatten, wählte der Ortsbeirat sie am 17. Juni 2019 zur neuen Ortschefin. Dass es in Kurtschlag einiges zu tun gibt, war der Rückkehrerin schnell aufgefallen: eine marode Ortsdurchfahrt, eine Dorfstraße im katastrophalen Zustand und Bürgersteige, die sich zu gefährlichen Stolperfallen entwickelt hatten. Als sie im Herbst dann einen Blick in die Investitionsplan der Stadt Zehdenick warf, wo für die Jahre 2017 bis 2023 außer einem Löschwasserbrunnen nichts für ihren Ort an Invetitionen vorgesehen war, platze ihr die Hutschnur. Ihren Unmut tat sie in einer Stadtverordnetenversammlung kund. Mittlerweile sind die Gehwege repariert. Aber es gebe noch sehr viel zu tun, genug für die nächsten dreieinhalb Jahre ihrer Amtszeit.
Zur Person
Am 26. Januar 1957 erblickte Karola Hoth in Groß Schönebeck das Licht der Welt, weil es keine Hebamme in Kurtschlag gab.
Da ihr Elternhaus in Kurtschlag stand, besuchte sie dort auch die Schule, bevor sie zur EOS nach Zehdenick wechselte, und dann ihr Abitur in Gransee zu machen. Danach studierte sie an der TU Dresden Informatik. Als Sicherheitsexpertin machte sie Karriere.⇥ris
